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Altlasten durch historischen Bergbau
Auswirkungen auf die Vegetation
Weizenfeld mit Chlorosen
(Element 1 von 4: Bild)
Bild: Weizenfeld
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Das Bild zeigt das ehemalige Grubenfeld bei Altwiesloch (Gewann Keitelberg/Eichteich).
Das dort aufkeimende Getreide ist partiell geschädigt. Der gelber Aufwuchs, sogenannte Chlorosen, sind ein deutliche Zeichen für lokale Bodenbelastungen. Chlorosen, oder Gelbsucht, entstehen meist, wenn ein Mangel an Spurenelementen auftritt.

Außerdem entstehen sie, wenn die Pflanze zu hohe Konzentrationen an Schwermetallen (Zink, Kupfer, Nickel etc.) aufnimmt. Kupfer und Zink sind in geringen Mengen essentiell für die Pflanzen, allerdings wird die phytotoxische Grenzkonzentration deutlich schneller erreicht als durch andere Nährelemente. Nickel und Blei sind bereits in geringen Konzentrationen toxisch. Seit der definitiven Erkennung des vorliegenden Gefahrenpotentials wurden durch das Regierungspräsidium Karlsruhe und der Stadt Wiesloch regionale Anbauverbote für bestimmte Nutzpflanzen ausgesprochen. In Wohnbereichen wurde die Gefährdung durch Bodenaustausch und Überdeckung minimiert.


weiterführende Literatur (Auswahl):

LANDESANSTALT FÜR UMWELTSCHUTZ (1997): Schwermetallbelastungen durch den historischen Bergbau im Raum Wiesloch. Handbuch Boden Heft 7, 192 S. ; Karlsruhe.

HILDEBRANDT, L.H. (1987): Geologischer Aufbau der Gemarkung Wiesloch und Bodenbelastungen im Gemarkungsbereich Wiesloch. – Umweltbericht der Stadtverwaltung Wiesloch, D9-D39.

Altlasten durch historischen Bergbau

In einer landesweiten Bestandsaufnahme der Rückstandshalden aus dem Bergbau und der Erzaufbereitung wurden im Auftrag des Ministeriums für Umwelt und Verkehr alle bedeutenden Abraum- und Schlackenhalden des aufgelassenen und umgehenden Bergbaus erhoben.

Insgesamt wurden 222 Bergbaustandorte mit ca. 400 Halden und Erzaufbereitungs-, Verhüttungs- und Verarbeitungsbetrieben im Umfeld historischer Gruben erfasst. Da in den zurückliegenden Jahrhunderten auf den vorsorgenden Umweltschutz keinen Wert gelegt wurde, sind noch heute zahlreiche Bodenbelastungen aus dieser Epoche nachweisbar.

 
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Bergbaualtlasten, ein altes Problem

Schon im Mittelalter wurden beim Abbau, bei der Förderung, Aufbereitung und Verhüttung von Erzen große Mengen an Schwermetallen und Arsen in die Umwelt abgegeben. Es ist bemerkenswert, dass sich bereits im Jahr 1613 der Stadtrat von Wiesloch (Rhein-Neckar-Kreis) über die Schäden durch den Bergbau, vor allem über eine "hochschädliche Mahlmühl" beschwerte. In einem Berggutachten über die Wieslocher Erze aus dem Jahr 1700 wird deutlich, daß die Reaktionen der einzelnen Stoffe bei der Röstung zumindest teilweise bekannt waren: "der Arsenicus ist gefährlich, und consumirt das beste beim Ertz, oder führt’s durch die Luft hinweg".

Arsen kommt praktisch überall im Boden in geringen Konzentrationen von bis zu 10 ppm vor. Es ist in der Erdkruste ungefähr so häufig wie Beryllium und Germanium. Arsen fiel auch im historischen Bergbau in größeren Mengen als Nebenprodukt bei der Gewinnung von Kupfer, Blei, Kobalt und Gold an.

In den alten Bergbauzentren, insbesondere im Mittleren und im Südschwarzwald (z. B. Münstertal), sind Rückstandshalden seit der Römerzeit entstanden. Der größte Teil des zutage geförderten Materials bestand aus "taubem" Nebengestein oder enthielt Erz, das damals noch nicht verhüttet werden konnte (z. B. Wismut). Dieser unverwertbare Abraum, auch eigentlich nicht erzführendes Ganggestein, enthält jedoch hohe Schwermetall- und Arsengehalte, die mit der Lagerstättenentstehung zusammmen hängen. Die fortschreitende Verwitterung der Halden führt im Laufe der Zeit zur Kornverkleinerung und zur Lösung und Mobilisierung der Inhaltsstoffe.

Pflanzen nehmen die Schadstoffe aus dem Boden auf und können entsprechend der chemischen Beschaffenheit des Bodens, diese auch anreichern. Löslichkeit und Mobilität der Metalle sind dabei stark von den Bindungsverhältnissen sowie den im Boden vorliegenden pH-Werten und Redoxverhältnissen abhängig. Die toxischen Metalle aus den Halden können so über den Wasserpfad und über Pflanzen und Tiere in die Nahrungskette gelangen.

Bild: Grube Altenberger Gesellschaft, Wiesloch
Grubenbetrieb der Altenberger Gesellschaft bei Wiesloch im Jahr 1855
(© public domain, Autor: A. Maugendre (1855))

Die Konzession des nördlichen Hesselfeldes der Altenberger Gesellschaft baute unter dem Berginspektor Daub mittels des Maxstollens von 1853 bis 1864 den in ihrer Konzession liegenden Teil der sog. Lagerstätte II ab, während gleichzeitig auch die Lagerstätte III in Abbau war. Mit einer Belegschaft von 300 bis 400 Mann erzielte man hier 68.000 t gereinigten Galmei.

Um 1855 ließ die Altenberger Gesellschaft durch den bekannten französischen Landschafts- und Architekturmaler Alphonse Maugendre (1809-1895) eine farbige Lithografie ihres Bergwerksbetriebes anfertigen.

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1 Bergbaualtlasten, ein altes Problem