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Bodenorganismen
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Video, Regenwurm im Boden
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Im gesunden Boden ist was los!

Böden sind auch Lebensraum für eine Vielzahl verschiedener kleiner bis kleinster pflanzlicher und tierischer Lebewesen (Bodenorganismen). Hierzu zählen Protozoen, Pilze, Geißeltierchen, Springschwänze, Regenwürmer, Käfer, Asseln und Schnecken, aber auch höhere Organismen wie z. B. Maulwurf und Feldhamster. Die Menge und die Art der in einem Boden vorkommenden Bodenorganismen (z. B. Bärtierchen) sind wichtige, zuverlässige Indikatoren für Qualität und Gesundheit des Bodens.

 

Boden als Lebensraum

 

Boden als Lebensraum

 
Bild: Lumbricus adult
Der Regenwurm - wohl der bekannteste Bodenorganismus
(© GNU FDL, Autor: Linnenbach)

"Regenwürmer sind die Eingeweide der Erde" (Aristoteles 384-322 v.Chr.) Die überwiegend nachtaktiven Regenwürmer sind in der Regel Substrat- und Pflanzenfresser, d.h. sie füllen ihren Darm mit humusreicher Erde und vermodertem Pflanzenmaterial. Bei ihren Wanderungen durch den Boden bilden die Regenwürmer Röhren aus, die sie mit ihren Exkrementen füllen. Dadurch liefern sie den Pflanzen Nährstoffe. Der 9 bis 30 cm lange Tauwurm oder auch Gemeiner Regenwurm (Lumbricus terrestris) genannt, ist der bekannteste Bodenbewohner.

Die Auswirkungen von schädlichen Bodenveränderungen auf Regenwürmer sind inzwischen gut untersucht. Während direkte Effekte von Schwermetallen und Pflanzenschutzmitteln auf Regenwürmer durch Laborversuche bekannt sind, gibt es nur wenige Daten über die Vielzahl anderer, anthropogen verbreiteter Substanzen (Umweltchemikalien). Insbesondere Schwermetalle gelangen durch die Ausbringung von Klärschlämmen (inzwischen durch die Klärschlammverordnung eingeschränkt) sowie durch Verkehrsemissionen (Blei, Cadmium) in die Böden.

Weitere, punktförmige Belastungsquellen sind Industrie und Bergbau. Im allgemeinen zeigen diese Stoffe eine geringe akute Toxizität, doch können sie in hohen Konzentrationen subletale Effekte wie die Beeinträchtigung von Reproduktionsvorgängen bewirken.

Aufgrund dieser Erfahrungen werden Regenwürmer häufig an anderen Standorten (z.B. in Kleingärten) für das Biomonitioring herangezogen.


Im Jahr 2004 wurde der Regenwurm zum "Wirbellosen Tier des Jahres" erklärt.

 


ausgewählte Literatur:

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Bild: Naturkreislauf, Grafik
Das Laub der Bäume im Kreislauf der Natur
(© LUBW)

Das Laub eines Baumes deckt im Winter den Boden, hält Feuchtigkeit und Wärme und ermöglicht so das Keimen neuer Samen im Frühling. Am und im Boden werden die Blätter durch Organismen zersetzt. Die daraus gebildeten Nährstoffe gelangen in den Naturkreislauf zurück.

… für Pflanze, Tier und Mensch.

Je nach Beschaffenheit und geologischem Untergrund dient der Boden zahlreichen Lebewesen sowohl  als Lebensraum als auch als Nahrungsquelle. In Böden existieren komplexe Lebensgemeinschaften, die sowohl unterirdisch als auch überirdisch wichtige Funktionen im Naturhaushalt erfüllen.

Die Bodenlebewesen werden nach Größe unterteilt in:

Bodenbildung durch Zersetzungsvorgänge von abgestorbenen Pflanzenteilen (sog. Humusbildung) und Bodenbelüftung (z. B. durch Regenwürmer) sind wichtige und bekannte Prozesse, die einen gesunden Oberboden kennzeichnen. Die Umsetzungsprozesse, die innerhalb des Ökosystems ablaufen, bilden Kreisläufe. Was aufgebaut wird, wird auch wieder abgebaut. Die Natur kennt keinen Abfall.

Dem Lebensraum Boden drohen heute zahlreiche Gefahren durch schädliche Stoffeinträge des Menschen. Die Schadstoffe stammen aus privaten und gewerblichen Anlagen, aus dem Straßenverkehr, aus Heizungs- und Feuerungsanlagen sowie aus unsachgemäßer Anwendung von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln. Nachhaltig schädigende Auswirkungen auf den Lebensraum Boden können auch durch Erosion, Verdichtung und Versiegelung hervorgerufen werden.

Es ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass ein schonend behandelter Boden in biologisch bewirtschafteten Betrieben ein reicheres Bodenleben in sich trägt als eine konventionell bewirtschaftete Fläche.