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Kulturgeschichtliche Urkunden (2/3)
Bodendenkmale
Bad Buchau, rekonstruiertes prähistorisches Moordorf am Federsee
(Element 1 von 10: Bild)
Bild: Federseemuseum, Moordorf, UNESCO
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Inmitten der faszinierenden Moorlandschaft bietet das Federseemuseum im Freigelände zwölf rekonstruierte Häuser aus der stein- und bronzezeitlichen* Epoche, die vom Besucher auch von innen besichtigt werden dürfen. Seit der Entdeckung der Moordörfer im Jahr 1875, zählt der oberschwäbische Federsee zu den bedeutendsten archäologischen Fundlandschaften. Im Juni 2011 hat die UNESCO die prähistorischen Stätten gemeinsam mit den Pfahlbauten am Bodensee als Weltkulturerbe anerkannt.


* Die Bronzezeit umfasst in Mitteleuropa den Zeitraum von 2200 v. Chr. bis 800 v. Chr.

ausgewählte Literatur:

Friedemann Schrenk, Timothy G. Bromage & Henrik Kaessmann (2002): Die Frühzeit des Menschen: Zurück zu den Wurzeln. Biologie in unserer Zeit 32 (6), S. 352 - 359.

Ladenburger, G. (1988): Ur‑ und Frühgeschichte des Federseeraumes.‑ In: Bad Buchau und der Federsee ‑ im Herzen Oberschwabens (Ed. R. German et al.), 74‑86 (2. Aufl.); Bad Buchau (Federsee‑Verlag).

Kulturgeschichtliche Urkunden

erlauben den Blick zurück in die Geschichte unserer Vorfahren. Gerade im Boden haben sich zahlreiche Spuren aus der Vergangenheit erhalten. Oft sind sie die einzigen Zeugen der Ur- und Frühgeschichte. Dieses Archiv gilt es zu würdigen und zu erhalten. Man unterscheidet zwei Gruppen:

Bodendenkmale (im archäologischen Sinn) erfassen unter und auf der heutigen Erdoberfläche liegende Fundorte von Siedlungsresten, Gräberfeldern, Befestigungsanlagen und Verkehrswegen aus allen Epochen der Menschheitsgeschichte. Hierzu zählen z. B. der Obergermanisch-Rätische Limes in Süddeutschland, seit 2005 auch Weltkulturerbe, oder der Magdalenenberg bei Villingen-Schwenningen, ein eisenzeitliches Fürstengrab.

Historische Nutzungsformen haben Spuren in Böden und Landschaft hinterlassen. Hierzu zählen Stollen, Erzgruben, Pingen und Verhüttungseinrichtungen des historischen Bergbaus oder die Wölbäcker, deren typische gewölbte Oberfläche heute noch im Gelände erkennbar ist. Wölbäcker sind durch Pflugarbeiten mit nicht wendbaren Pflugscharen entstanden.

 
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Böden als Archive der Natur- und Kulturgeschichte

 
Historisches Friedhofsgelände in Karlsruhe, Kapellenstraße
(© KIT/ CN)
 
Bild: Villa rustica bei Walldorf
Villa rustica bei Walldorf (Rhein-Neckar-Kreis)
(© LUBW, Autor: M. Linnenbach)

Freigelegte und teilweise rekonstruierte Grundmauern eines ehemaligen römischen Gutshofs an der B 39 bei Walldorf (Rhein-Neckar-Kreis).

Zwischen 100 v. Chr. und 280 n. Chr. war Südwestdeutschland in römischer Hand. Den Obergermanisch-Rätischen Limes - ein Grenzwall zur Abwehr der germanischen Stämme aus dem Osten - errichteten die Römer im 1. und 2. Jahrhundert n. Chr. Westlich davon gab es zu dieser Zeit bereits viel offenes Kulturland, das von den Kelten gerodet und von den Römern erweitert wurde, so auch am Kraichgaurand südöstlich von Walldorf. Archäologische Grabungen in den Jahren 1995, 2001 u. 2002 vor Ort, brachten ein ca. 4 ha großes, umfriedetes Hofgut zu Tage. Man geht inzwischen davon aus, dass es sich hier um eine römisch-kaiserliche Domäne gehandelt hat, die zur Versorgung der am Odenwald-Limes stationierten Truppen gedient hat. - Bedeutendes Bodendenkmal

 
Bild: Höhlenlöwe, Figurine
Höhlenlöwe, eiszeitliche Figurine aus der Vogelherdhöhle bei Stetten o.d. Lone
(© LUBW, Autor: M. Linnenbach)

Der Höhlenlöwe (Replik), eine Figurine aus der Vogelherdhöhle bei Stetten o.d. Lone (Ldkr. Heidenheim). Die Flanken des kleinen Kunstwerks aus Elfenbein tragen auffällige Verzierungen mit Kerbkreuzen.

Das Original befindet sich im Museum Schloss Hohentübingen in Tübingen.

  • Länge: 5,6 cm
  • Alter: ca. 35.000 Jahre

Wie in einer Urkunde sind in Böden deren Entstehungsgeschichte, die Landschaftsgeschichte oder die Kulturgeschichte dokumentiert. Ausgangsgestein, Klima, Nutzung der Böden und andere Einflüsse haben vielfältige Spuren hinterlassen, die im „Bodenarchiv“ als Urkunden der Natur- und Kulturgeschichte gespeichert werden. Geologische Aufschlüsse sind Zeitfenster und zeugen durch Gesteinszusammensetzung und zeitliche Abfolge der Sedimentschichten von der Entstehungsgeschichte der Landoberfläche und der Landschaft. Die bedeutendsten Aufschlüsse und Landschaftsformen werden als Geotope bezeichnet und landesweit katalogisiert. Fossilien und Mineralien und deren Fundorte geben Einblicke in die Landschaftsentwicklung ebenso gilt dies für landschaftsprägende morphologische Elemente. Auch Spuren der kulturellen Entwicklung können in Böden verborgen sein oder ihnen ihre heutige Gestalt geben.

Hinsichtlich der Archivfunktion des Bodens unterscheidet man in:

Naturgeschichtliche Urkunden:

Das sind geologisch-bodenkundliche Besonderheiten, wie geologische Aufschlüsse, Felsen und Höhlen (Geotope), Sedimente (pliozäne, pleistozäne Ablagerungen), tertiäre Vulkankegel, Endmoränen und Drumlins, Moore sowie Fundstellen von Versteinerungen und Fossilien; aber auch Bodenbildungen, die vor dem Ende der letzten Eiszeit entstanden sind, sogenannte Paläoböden und selten vorkommende Bodenbildungen des Holozäns also nach Ende der letzten Eiszeit.

Kulturgeschichtliche Urkunden:

Dies sind Zeugnisse spezieller Bewirtschaftungsformen wie Wässerwiesen, Wölbäcker, alte Weinbergslagen, Wacholderheiden und historischer Bergbau.

Für den Denkmalschutz besonders interessant sind Funde kultureller Entwicklung (z. B. frühgeschichtliche Keramik, Figurinen aus Elfenbein, Werkzeuge aus Feuerstein) sowie Bodendenkmäler wie Limesreste, Hügelgräber oder Reste ehemaliger Siedlungen (z. B. Pfahlbauten, Langhäuser, Oppidien, Römischer Gutshof).


Die Bedeutung von Böden als landschaftsgeschichtliche Urkunde ist ein wichtiger Grund für ihren Schutz und Erhalt. Entsprechend sind Bodendenkmale gemäß der §§ 1 und 2 des Bundesbodenschutzgesetzes (BBod-SchG) vor Beeinträchtigungen zu schützen. An ihnen können durch vergleichende Untersuchungen mögliche Auswirkungen der Bodennutzung durch den Menschen auf die Bodenentwicklung erkannt und rekonstruiert werden.