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Kulturgeschichtliche Urkunden - historische Nutzung (3/3)
Historische Nutzungsformen
Stillgelegtes Erzbergwerk in Freiburg - St. Georgen
(Element 1 von 10: Bild)
Bild: Stollenmundloch in Freiburg-St. Georgen
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Stolleneingang des Hauptförderstollens des Bergwerks im Freiburger Stadtteil St.Georgen am Schönberg. Die Lokalität ist als Technikdenkmal kulturhistorisch anerkannt. Über dem Portal findet sich ein Fresko von dem Markgräfler Künstler Adolf Riedlin (1892-1969).Durch das Portal fuhr einst eine Grubenbahn in den Stollen ein.

Das stillgelegte Bergwerk ist ein bedeutendes Zeugnis des südbadischen Erzbergbaus. In den Jahren 1936 bis 1942 wurden hier die Eisensandsteine des Mittleren Jura (Braunjura) abgebaut. Der Eisengehalt des anstehenden Gesteins erwies sich mit ca. 20 % als nicht besonders ertragreich, sodass der Bergbau 1942 wieder eingestellt wurde.


ausgewählte Literatur:

Albiez, G. (1978): Eisenerzbergbau am Schönberg bei Freiburg/Breisgau, Badische Heimat, Freiburg, Bd. 2.

 

Historische Nutzungsformen

Zu den historischen Nutzungsformen, die Spuren in den Böden und in der Landschaft hinterlassen haben. Hierzu zählen Stollen, Erzgruben, Pingen und Verhüttungseinrichtungen des historischen Bergbaus sowie Wölbäcker und historische Weinberge deren Strukturen noch heute im Gelände erkennbar sind.

Bei vielen historischen Nutzungsformen bestehen enge Bezüge zum Denkmalschutzrecht, aber auch zum Naturschutzrecht. So genießen z. B. die historischen Weinberge bereits weitgehend Schutz nach den Bestimmungen des Naturschutzgesetzes, weil die in ihnen vorhandenen oder sie stützenden Trockenmauern zu den besonders geschützten Biotopen gem. § 32 Naturschutzgesetz gehören.

 
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Böden als Archive der Natur- und Kulturgeschichte

 
Historisches Friedhofsgelände in Karlsruhe, Kapellenstraße
(© KIT/ CN)
 
Bild: Villa rustica bei Walldorf
Villa rustica bei Walldorf (Rhein-Neckar-Kreis)
(© LUBW, Autor: M. Linnenbach)

Freigelegte und teilweise rekonstruierte Grundmauern eines ehemaligen römischen Gutshofs an der B 39 bei Walldorf (Rhein-Neckar-Kreis).

Zwischen 100 v. Chr. und 280 n. Chr. war Südwestdeutschland in römischer Hand. Den Obergermanisch-Rätischen Limes - ein Grenzwall zur Abwehr der germanischen Stämme aus dem Osten - errichteten die Römer im 1. und 2. Jahrhundert n. Chr. Westlich davon gab es zu dieser Zeit bereits viel offenes Kulturland, das von den Kelten gerodet und von den Römern erweitert wurde, so auch am Kraichgaurand südöstlich von Walldorf. Archäologische Grabungen in den Jahren 1995, 2001 u. 2002 vor Ort, brachten ein ca. 4 ha großes, umfriedetes Hofgut zu Tage. Man geht inzwischen davon aus, dass es sich hier um eine römisch-kaiserliche Domäne gehandelt hat, die zur Versorgung der am Odenwald-Limes stationierten Truppen gedient hat. - Bedeutendes Bodendenkmal

 
Bild: Höhlenlöwe, Figurine
Höhlenlöwe, eiszeitliche Figurine aus der Vogelherdhöhle bei Stetten o.d. Lone
(© LUBW, Autor: M. Linnenbach)

Der Höhlenlöwe (Replik), eine Figurine aus der Vogelherdhöhle bei Stetten o.d. Lone (Ldkr. Heidenheim). Die Flanken des kleinen Kunstwerks aus Elfenbein tragen auffällige Verzierungen mit Kerbkreuzen.

Das Original befindet sich im Museum Schloss Hohentübingen in Tübingen.

  • Länge: 5,6 cm
  • Alter: ca. 35.000 Jahre

Wie in einer Urkunde sind in Böden deren Entstehungsgeschichte, die Landschaftsgeschichte oder die Kulturgeschichte dokumentiert. Ausgangsgestein, Klima, Nutzung der Böden und andere Einflüsse haben vielfältige Spuren hinterlassen, die im „Bodenarchiv“ als Urkunden der Natur- und Kulturgeschichte gespeichert werden. Geologische Aufschlüsse sind Zeitfenster und zeugen durch Gesteinszusammensetzung und zeitliche Abfolge der Sedimentschichten von der Entstehungsgeschichte der Landoberfläche und der Landschaft. Die bedeutendsten Aufschlüsse und Landschaftsformen werden als Geotope bezeichnet und landesweit katalogisiert. Fossilien und Mineralien und deren Fundorte geben Einblicke in die Landschaftsentwicklung ebenso gilt dies für landschaftsprägende morphologische Elemente. Auch Spuren der kulturellen Entwicklung können in Böden verborgen sein oder ihnen ihre heutige Gestalt geben.

Hinsichtlich der Archivfunktion des Bodens unterscheidet man in:

Naturgeschichtliche Urkunden:

Das sind geologisch-bodenkundliche Besonderheiten, wie geologische Aufschlüsse, Felsen und Höhlen (Geotope), Sedimente (pliozäne, pleistozäne Ablagerungen), tertiäre Vulkankegel, Endmoränen und Drumlins, Moore sowie Fundstellen von Versteinerungen und Fossilien; aber auch Bodenbildungen, die vor dem Ende der letzten Eiszeit entstanden sind, sogenannte Paläoböden und selten vorkommende Bodenbildungen des Holozäns also nach Ende der letzten Eiszeit.

Kulturgeschichtliche Urkunden:

Dies sind Zeugnisse spezieller Bewirtschaftungsformen wie Wässerwiesen, Wölbäcker, alte Weinbergslagen, Wacholderheiden und historischer Bergbau.

Für den Denkmalschutz besonders interessant sind Funde kultureller Entwicklung (z. B. frühgeschichtliche Keramik, Figurinen aus Elfenbein, Werkzeuge aus Feuerstein) sowie Bodendenkmäler wie Limesreste, Hügelgräber oder Reste ehemaliger Siedlungen (z. B. Pfahlbauten, Langhäuser, Oppidien, Römischer Gutshof).


Die Bedeutung von Böden als landschaftsgeschichtliche Urkunde ist ein wichtiger Grund für ihren Schutz und Erhalt. Entsprechend sind Bodendenkmale gemäß der §§ 1 und 2 des Bundesbodenschutzgesetzes (BBod-SchG) vor Beeinträchtigungen zu schützen. An ihnen können durch vergleichende Untersuchungen mögliche Auswirkungen der Bodennutzung durch den Menschen auf die Bodenentwicklung erkannt und rekonstruiert werden.