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Umweltinformationssystem BW
Bild: Unterkiefer Homo heidelbergensis
Unterkiefer Homo heidelbergensis, Replik im Rathaus Mauer
(© M. Linnenbach)

Die Bergung des Unterkiefers Homo heidelbergensis war das Ergebnis langjähriger systematischer Arbeit. Maßgeblichen Anteil daran hatte der Heidelberger Professor Otto Schoetensack (1850-1912), der seit 1887 regelmäßig die Sandgrube Grafenrain bei Mauer (Rhein-Neckar-Kreis) aufgesucht hatte. Datiert wird der Knochen auf ca. 600.000 Jahre v. Chr.

Der Unterkiefer lag in einer warmzeitlichen Sandschicht, die vom Neckar in einer Mäanderschlinge abgelagert worden war. Diese Sande wurden von einer bis zu 13 Metern mächtigen Lösslehm-Schicht aus nachfolgenden Eiszeiten bedeckt. Zunächst war der Fund bei seiner Entdeckung vollständig. Zwei Zähne lösten sich bei der Präparation und gingen während des 2. Weltkrieges verloren. Der Kiefer ist sehr robust und zeigt Verwandtschaft mit dem aus Java und China bekannten Urmenschen. Er gehörte wahrscheinlich zu einem erwachsenen, männlichen Individuum, das möglicherweise im Neckar ertrank.

Der Fund von Mauer, südlich von Heidelberg wurde 1908 als Homo heidelbergensis publiziert. Der damalige Urmensch wird heute zu den Unterarten des Homo erectus gezählt und derzeit als Homo erectus heidelbergensis bezeichnet. Aus dem Homo heidelbergensis (Homo erectus) entwickelten sich zwei weitere Menschenformen. Der Neandertaler (Homo neanderthalensis) und der Homo sapiens, der heutige Mensch samt seinen direkten Vorfahren.

Das Original des Unterkiefers befindet sich heute im Geologisch-Paläontologischen Institut der Universität Heidelberg.



Literatur (Auswahl) :

SCHOETENSACK, O. (1908): Der Unterkiefer des Homo heidelbergensis aus den Sanden von Mauer bei Heidelberg. Leipzig: Wilhelm Engelmann.

SAUER, A. (1985): Erläuterungen zur Geol. Karte 1 : 25 000 Baden-Württ., Blatt 6618 Heidelberg-Süd (früher Blatt Neckargemünd) 110 S., Stuttgart

WEINERT, H. (1937): Dem Unterkiefer von Mauer zur 30jährigen Wiederkehr seiner Entdeckung, Z. f. Morphol. u. Anthropol. Bd.XXXVII, Heft 1, S.102-113.