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Der Urmensch von Mauer
Prof. Otto Schoetensack (Aufn. 1882)
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Bild: Otto Schoetensack
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Otto Karl Friedrich Schoetensack (* 12. Juli 1850 - † 23. Dezember 1912). Als Paläontologe richtete er sein Augenmerk auf die Sedimentgesteine in den Sandgruben in der Umgebung Heidelbergs .So auch auf die bei Mauer gelegene, Grube Grafenrain. Mit dem Eigner dieser Grube, Herrn Rösch, war er freundschaftlich verbunden.1904 wurde Schoetensack an der naturwissenschaftlich-mathematischen Fakultät der Universität Heidelberg für Urgeschichte des Menschen mit einer Arbeit über die Säugetierfauna des Neolithikums (= Jungsteinzeit) habilitiert.

Homo heidelbergensis:
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Der Urmensch von Heidelberg - Unterkiefer, Gedenkstein und Verein

 
Bild: Unterkiefer Homo heidelbergensis
Unterkiefer Homo heidelbergensis, Replik im Rathaus Mauer
(© M. Linnenbach)

Die Bergung des Unterkiefers Homo heidelbergensis war das Ergebnis langjähriger systematischer Arbeit. Maßgeblichen Anteil daran hatte der Heidelberger Professor Otto Schoetensack (1850-1912), der seit 1887 regelmäßig die Sandgrube Grafenrain bei Mauer (Rhein-Neckar-Kreis) aufgesucht hatte. Datiert wird der Knochen auf ca. 600.000 Jahre v. Chr.

Der Unterkiefer lag in einer warmzeitlichen Sandschicht, die vom Neckar in einer Mäanderschlinge abgelagert worden war. Diese Sande wurden von einer bis zu 13 Metern mächtigen Lösslehm-Schicht aus nachfolgenden Eiszeiten bedeckt. Zunächst war der Fund bei seiner Entdeckung vollständig. Zwei Zähne lösten sich bei der Präparation und gingen während des 2. Weltkrieges verloren. Der Kiefer ist sehr robust und zeigt Verwandtschaft mit dem aus Java und China bekannten Urmenschen. Er gehörte wahrscheinlich zu einem erwachsenen, männlichen Individuum, das möglicherweise im Neckar ertrank.

Der Fund von Mauer, südlich von Heidelberg wurde 1908 als Homo heidelbergensis publiziert. Der damalige Urmensch wird heute zu den Unterarten des Homo erectus gezählt und derzeit als Homo erectus heidelbergensis bezeichnet. Aus dem Homo heidelbergensis (Homo erectus) entwickelten sich zwei weitere Menschenformen. Der Neandertaler (Homo neanderthalensis) und der Homo sapiens, der heutige Mensch samt seinen direkten Vorfahren.

Das Original des Unterkiefers befindet sich heute im Geologisch-Paläontologischen Institut der Universität Heidelberg.



Literatur (Auswahl) :

SCHOETENSACK, O. (1908): Der Unterkiefer des Homo heidelbergensis aus den Sanden von Mauer bei Heidelberg. Leipzig: Wilhelm Engelmann.

SAUER, A. (1985): Erläuterungen zur Geol. Karte 1 : 25 000 Baden-Württ., Blatt 6618 Heidelberg-Süd (früher Blatt Neckargemünd) 110 S., Stuttgart

WEINERT, H. (1937): Dem Unterkiefer von Mauer zur 30jährigen Wiederkehr seiner Entdeckung, Z. f. Morphol. u. Anthropol. Bd.XXXVII, Heft 1, S.102-113.


 
Bild: Sandgrube Grafenrain (Rhein-Neckar-Kreis)
Sandgrube am Grafenrain - Fundstätte des Homo heidelbergensis
(© privat, Autor: M. Schöttle)

Die bekannte Sandgrube Grafenrain am Ortsrand von Mauer (Rhein-Neckar-Kreis).

Anlässlich des 100-jährigen Jubiläums zur Fundwiederkehr des Homo heidelbergensis, wurde im Jahr 2007 ein Teil der Sandschichten wieder freigelegt. Zwei neugestaltete Schautafeln erläutern vor Ort die Themen Geologie sowie den ehemaligen Sandabbau in der Grube. Bereits vor dem Fund des Unterkiefers (1907) wurden 1830 fossile Überreste ausgestorbener Tierarten hier entdeckt (z.B. vom Waldelefant).

Am 21. Oktober 1907 gibt die Sandgrube Grafenrain im Kraichgau einen der wichtigsten archäologischen Funde Europas frei, der zu weltweiter Berühmtheit gelangen sollte. Dort, am Nordrand der Gemeinde Mauer, ca. 10 km südöstlich von Heidelberg, wird durch den Grubenarbeiter Daniel Hartmann * ein fossiler menschlicher Unterkiefer aufgefunden.

Die Bergung und Erforschung des Unterkiefers ist das Ergebnis langjähriger wissenschaftlicher Arbeit. Maßgeblichen Anteil daran hat der Heidelberger Gelehrte Professor Otto Schoetensack (1850-1912), der seit 1887 regelmäßig die Sandgrube Grafenrain zu archäologischen Erkundungen aufsuchte. Der Fund des Unterkiefers 1907 war damals eine wissenschafliche Sensation, denn zuvor waren nur wenige Knochenfunde von Ur- und Steinzeitmenschen belegt.

Datiert wird das Alter des Knochens auf ca. 609.000 Jahre. Der Kiefer gehörte zu einem männlichen Individuum, das möglicherweise in der damaligen Neckarschleife bei Mauer ertrank. Abnutzungsspuren an den Zähnen deuten auf ein Alter von 20 bis 40 Jahren hin. Das Gebiss war bei seiner Bergung noch vollständig. Während des 2. Weltkriegs gehen zwei Zähne verloren, als der Unterkiefer zum Schutz in das Salzbergwerk Kochendorf (Ldkr. Heilbronn) ausgelagert wird.

Im Rahmen einer umfangreichen wissenschaftlichen Untersuchung wird der Kiefer am 26.10.2001 im Geologisch-Paläontologischen Institut der Universität Heidelberg dreidimensional eingescannt und digital archiviert. Um die einzigartige Fundstätte mit ihrer großen Historie wieder mehr in das öffentliche Bewußtsein zu rücken, gründet sich im gleichen Jahr der Verein Homo heidelbergensis von Mauer e.V.. Mit einer Sonderausstellung zur 100-jährigen Fundwiederkehr sowie zahlreichen begleitenden Fachvorträgen wird 2007 dieses Jubiläeum das ganze Jahr über begangen. Im darauf folgenden Jahr findet am 21. September 2008 in der Sandgrube am Grafenrain eine Informationsveranstaltung im Rahmen der bundesweiten Einrichtung "Tag des Geotops" statt.


* Daniel Hartmann (1854 - 1952), Ehrenbürger der Stadt Mauer .