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Landkreis Esslingen, Albtrauf
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Bodenlehrpfad Beuren
Blick auf den Beurener Fels im Süd-Osten
(Element 1 von 7: Bild)
Bild: Beurener Fels (Ldkr. Esslingen)
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Es erwarten Sie interessante Einblicke in Aufbau und Struktur der Böden am Albtrauf.

 
Übersicht

Landkreis Esslingen, Albtrauf

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Naturraum Schurwald

 
Bild: Blick vom Messelstein, Albvorland, Rechberg, Stuifen
Blick vom Messelstein bei Donzdorf nach Nordwesten ins Albvorland
(© LGRB, Autor: K. Rilling)

Sandsteine des Mitteljuras (Braunjura) bilden in dieser Gegend schmale Bergrücken mit plateauartigen Verebnungen und bewaldeten Hängen. Dem Mitteljura sind rechts im Hintergrund die aus Oberjuragestein bestehenden Berge Rechberg und Stuifen aufgesetzt. In tektonischer Tieflage waren sie vor der Abtragung geschützt und sind als mehrere Kilometer vor dem Albtrauf gelegene Zeugenberge erhalten geblieben. Zusammen mit dem weiter im Westen gelegenen Hohenstaufen werden sie als die drei „Kaiserberge" bezeichnet.

 
Bild: Burg Hohenrechberg (Ldkr. Esslingen)
Burg Hohenrechberg, im Hintergrund der Hohenstaufen (1836)
(© public domain, Autor: L. Mayer)

Burg Hohenrechberg, Gemälde von Louis Mayer, 1836. Man beachte die früher nahezu unbewaldeten Bergrücken.

Die Keuperzunge des Schurwaldes stellt eine in sich geschlossene geografische Einheit dar und erstreckt sich über eine Länge von ca. 35 km zwischen dem Remstal sowie dem Neckar- und Filstal. Dieser früher nicht immer bewaldeten Bergrücken bieten im Vergleich zum Neckartal und den Filderflächen ein völlig anderes Erscheinungsbild. Für die Ausbildung der Stufen- und Terrassenflächen sowie der verschiedensten Schluchten und Talformen ist die Widerstandfähigkeit der unterschiedlichen Gesteinsschichten von Lias, Knollenmergel und Stubensandstein maßgebend.

Vorgeschichtliche Siedlungsspuren finden sich nur am Südwestrand des Schurwaldes. Ursache für die erst im 8. bis 9. Jahrhundert erfolgte Besiedlung waren die geringwertigen Böden, die schlechte Erschließung des urwaldartigen Gebietes, die Höhenlage um 450m sowie die niedrigen Jahresmitteltemperaturen um 7,5 °C. Ortsnamen mit den Endungen -lohe, -rot und -hardt weisen auf Rodungszeiten hin, die in der Stauferzeit (12. Jahrhundert) weitgehend abgeschlossen wurden. Aufgrund des Wassermangels auf den Höhenflächen entstanden die Siedlungen an den Randzonen der gerodeten Flächen (Riedel), wo Hangwasser den Bedarf decken konnte. Entsprechend den Geländeformationen und den Bodeneigenschaften entstanden lediglich kleine Fluren. Die ehemals ärmlichen Verhältnisse der Schurwaldbewohner spiegeln sich auch in den bescheidenen bäuerlichen Anwesen wider.

Im Gebiet des Schurwaldes bestehen besonders enge Beziehungen zwischen den Bewirtschaftungsformen und dem geologischen Untergrund. Während die gerodeten Liasriedel ackerbaulich genutzt werden, wird die Grenze zwischen Ackernutzung und Grünland von der Schichtfolge Lias Alpha/ Knollenmergel bestimmt. Bemerkenswert sind die ausgedehnten landschaftsprägenden Streuobstwiesen an den Schurwaldhängen sowie die Himbeerkulturen in Aichwald und der Weinbau in Hanglage zum Baacher Täle.

Die Wälder stocken zumeist auf dem nährstoffarmen Stubensandstein. Der Vordere und Mittlere Schurwald wird noch durch Laubgehölze geprägt, während im Hinteren Schurwald wegen der höheren Niederschläge Nadelgehölze dominieren. Durch die vielen Quellen im Knollenmergel entstand ein weitverzweigtes System von Klingen, die sich bis zu 150 m tief in den geologischen Schichten eingegraben haben. Sie sind eng, steil, und nur selten weiten sie sich am Unterlauf der Bäche wie etwa im Reichenbach- oder Lützelbachtal. die teilweise schwer zugänglichen Klingen und Schluchten besitzen einen weitgehend natürlichen Charakter mit einer spezifischen Fauna und Flora. In diesen Klingen sind noch naturnahe Waldformen erhalten, obwohl die Umwandlung zu ertragreichen Nadelholzbeständen auch im Schurwald zu übersehen ist.

Inzwischen ist der Schurwald ein bedeutendes Naherholungsgebiet im Mittleren Neckarraum. Der Erholungswert liegt in den geschlossenen Waldbeständen und im interessanten Nutzungsmosaik der offenen Landschaftsräume. Von den Höhen des Schurwaldes bieten sich weite Ausblicke in die Berglen, zum Hohenstaufen, Rechberg und Stuifen- den drei Kaiserbergen- und auf den nahen Albrand.

Die schlechten Verkehrsverhältnisse verhinderten die Ansiedlung von Industrie und Gewerbe. So führte der Rückgang der Landwirtschaft auf den meist kargen Böden zu starken Pendlerbewegungen in die Industriezentren des Neckar-, Fils- und Remstales. Dadurch wurde besonders der Vordere Schurwald indirekt von der Industrialisierung erfasst und ist nach dem Ausbau der Straßen als Wohngebiet gesucht. Leider finden sich heute in den ländlich strukturierten Ortsteilen Schanbach und Hohengehren störende Geschoßbauten, die neben den zahlreichen Hochspannungsleitungen des Landschaftsbild des Schurwaldes stark belasten.

In Zukunft wird es notwendig sein, das Wachstum der Schurwaldgemeinden zu verlangsamen. Eine Rückbesinnung auf die gewachsenen Werte dieser Landschaft ist notwendig, zumal weitere Belastungen durch Rückhaltebecken, Erddeponien und Straßenbauten drohen. Wichtigstes Ziel aller Planungen muss es sein, dieses weit in den Ballungsraum Stuttgart hinreichenden Naherholungsgebiet in seinem Wert zu erhalten.