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Weingartener Moor
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Schutzgebiete an der Kinzig-Murg-Rinne (von Süd nach Nord)
Naturschutzgebiet Bruchgraben (Baden-Baden)
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Bild: Bruchgraben bei Baden-Baden
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Feuchte Talaue der Kinzig-Murg-Rinne in der Nähe von Baden-Baden. Der Bruchgraben zählt in seiner Naturausstattung zu den bedeutendsten Feuchtgebieten dieser Region. Man findet vielfältige Feuchtwiesenkomplexe mit typischen, gefährdeten Pflanzen- und Tierarten. Prägendes Element stellen die locker verteilten Weidengebüsche dar. Der Bruchgraben ist seit 1987 Naturschutzgebiet.

Außerhalb der Rinnen haben sich, vor allem im Süden, wieder anmoorige Flächen entwickelt. Sie sind Folge der mäßigen Entwässerung, sodass die Flächen bis weit ins Frühjahr hinein unter Wasser stehen können.

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Übersicht
 

Die Kinzig-Murg-Rinne ein ehemaliges Flußsystem am Ostrand des Nördlichen Oberrheingrabens

 
Bild: Kinzig-Murg-Rinne, Grafik
Der Rhein (links) und die bereits verlandete Kinzig-Murg-Rinne (rechts) vor ca. 1.000 Jahren
(© Autor: RP Karlsruhe)

Der Rheinstrom und die Kinzig-Murg-Rinne vor etwa 1.000 Jahren. Die Murg hat die Niederterassen zum Rhein schon durchbrochen und mündet direkt in den Strom. Infolge führt die verbleibende Kinzig-Murg-Rinne nur noch verringerte Wassermengen und verlandet im Laufe der Zeit.

 
Bild: Stettfelder Bruch
NSG Bruch bei Stettfeld (Ldkr. Karlsruhe)
(© M. Linnenbach)

Das Naturschutzgebiet bei Stettfeld und Ubstadt-Weiher ist eines der letzten naturnah verbliebenen Abschnitte der Kinzig-Murg-Rinne. Es liegt in einer feuchten, vermoorten Niederung, die durch die früher von den Rheinsedimenten nach Norden abgelenkten Schwarzwald- und Kraichgau-Zuflüssen, den sogenannten „Ostrhein", entlang dem Gebirgsrand entstand. Das NSG besitzt eine Größe von ca. 97 ha.

Vom ausklingenden Pleistozän (vor ca. 12. 000 Jahren) bis vor etwa 3.000 Jahren floss das Wasser der Bäche und Flüsse des Schwarzwalds sowie des Kraichgaus nicht direkt in den Rhein sondern in die Kinzig-Murg-Rinne (KMR) in Richtung Norden ab. Vor ca. 7.000 Jahren brach die Murg durch die Niederterassen zum Rhein durch. Somit verringerte sich die Wassermenge in der KMR erheblich. Die durch die Bäche und Füsse abgelagerten Kies- und Gesteinsmassen der KMR konnten durch die geringe Strömung nicht mehr weggeräumt werden. So entstanden im Laufe der Zeit  große Schwemmfächer. Zwischen diesen Schwemmfächern blieben letztendlich große Stillgewässer zurück, aus denen sich durch zunehmende Verlandung ausgedehnte Niedermoore entwickelten. Ein Beispiel dafür ist das Weingartener Moor, das sich zwischen den beiden Schwemmfächern der Pfinz und des Walzbaches gebildet hat.

Das Moor besteht aus zwei Teilgebieten, die Trennungslinie entspricht in etwa der 1842 gebauten Bahntrasse Heidelberg-Karlsruhe. Zwischen beiden Teilen besteht nur eine schmale, flachgründige Verbindung. Basierend auf pollenanalytische Untersuchungen geht man davon aus, dass die Torfbildung im Weingartener Moor bereits vor 10.000 Jahren einsetzte. Die in der Folgezeit abgelagerten Torfschichten erreichten vor Beginn des Abbaus (um 1800) eine Mächtigkeit von bis zu 4 m.

In der Mitte der östlichen Moorfläche wurde ab 1820, durch die Bevölkerung der Ortslage Weingarten, Torf im großen Stil gestochen. Die übrigen Moorflächen waren durch versumpfte Erlenbruchwälder bedeckt, die die Bevölkerung bis in das 18. Jh. als Waldweide für Rinder, Schweine und Ziegen nutzte. Danach steigerten sich die Brenn- und Bauholzentnahmen der Anlieger erheblich, ohne für ausreichenden Nachwuchs zu sorgen.

In den Senken der Kinzig-Murg-Rinne findet man keine Buchen sondern hauptsächlich Eichen, Pappeln und Eschen. Hier steht das Grundwasser hoch an. Das erträgt die Buche schlecht. Deshalb ersetzte die Badisch-Großherzogliche Forstverwaltung die verkahlten Flächen ab dem 19. Jh. großflächig durch die Anpflanzung von Eichen, Erlen und Eschen.

Mit all diesen Maßnahmen ist die Kinzig-Murg-Rinne nach über 200-jährigen Eingriffen in die Landschaft heute ein weitgehend „kultiviertes" Land geworden. Die einst ausgedehnten Niedermoorflächen sind zu Äckern, Grünland und Nutzwald umgewandelt. Ausnahmen sind die Naturschutzgebiete Bruchgraben bei Baden-Baden, der Federbachbruch zwischen Muggensturm und Malsch, das Weingartener Moor, der Bruch bei Stettfeld sowie der Hochholz-Kapellenbruch.


Literatur:

Hirsch, L. (1951): Zur geologischen Geschichte der Kinzig-Murg-Rinne. - Mitt.-BI. bad. geol. Landesanst. 1950, S. 84-89; Freiburg i. Br

Brünner, G. (1971): Noch heute erkennbar. Der Kinzig-Murg-Strom prägte die Stadtlandschaft. - Badische Neueste Nachrichten, Ausgabe vom 17.8.; Karlsruhe