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Niedermoore Oberrhein-Tiefland
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Niedermoore der Oberrheinebene
Hockenheimer Rheinniederung, Silzwiesen (Rhein-Neckar-Kreis)
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Bild: Hockenheimer Rheinbogen
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Im Süden, an der Gemarkungsgrenze zu Altlußheim, finden sich ausgedehnte Pfeifengraswiesen auf Niedermoorböden, die sog. Silzwiesen. Als Teilflächen des Hockenheimer Rheinbogens zählen sie zum Schutzgebiet "Silz".

Niedermoore Oberrhein-Tiefland:
Weitere Informationen
 

Niedermoore Oberrhein-Tiefland: Nutzung

 

Nutzungsansprüche des Menschen verändern die Landschaft

 
Bild: Torfziegeltrocknung
Torfziegel als Energiequelle
(© LUBW, Autor: Hölzer)
Getrocknete, gepresste Torfziegel waren einst ein wichtiger und weit verbreiteter Brennstoff. Sie wurden zum Heizen im häuslichen und gewerblichen Bereich verwendet. Rohtorf wurde als sog. Brenntorf in Zuckerfabriken, Brennereien, und Brauereien eingesetzt. In Bayern wurden im 19. Jahrhundert sogar Dampflokomotiven mit Torf betrieben. Aufgrund der schlechten Energieausbeute wurde diese Nutzung jedoch bald wieder aufgegeben. Nach 1945 hatte der Torfabbau nur noch zur Gewinnung von Gartentorf eine gewisse wirtschaftliche Bedeutung.
 
Bild: Schilfernte Weingartener Moor
Schilfernte im Weingartener Moor
(© Autor: RP Karlsruhe)
Im Weingartener Moor wurde in vergangener Zeit regelmäßig Schilf geerntet. Im Zuge des Winterschnitts wurde vorzugsweise einjähriges Schilf geerntet, das häufig auch zur Dachbedeckung verwendet wurde. Eine ökologisch sinnvolle Schilfbewirtschaftung kann zur Verlangsamung der Verlandung des Moors sowie zur Vitalerhaltung des Schilfgürtels beitragen.

Die meisten Niedermoore der Oberrheinebene sind durch die Tätigkeit des Menschen stark verändert. Eine Reihe von Mooren wurde durch Kiesabbau zerstört. Aber viele Flächen wurden auch Opfer von Siedlungs- und Straßenbau oder unter Deponien begraben. In vielen Gebieten wurde Torf zur Brennstoffgewinnung gestochen, teilweise noch bis in das letzte Jahrhundert. Gepresste Ziegel aus Torf waren über lange Zeit ein preiswertes und somit weit verbreitetes Material zum Heizen.

Die größte Gefahr für Moore stellt jedoch eindeutig die Entwässerung dar. Tiefgreifende Veränderungen begannen um 1790 mit der Rheinbegradigung durch J.G. Tulla (1770-1828). Danach erfolgte ein weiterer Entwässerungsschub in den 1920-er Jahren, bevor schließlich in den 1930-er Jahren der Reichsarbeitsdienst in die letzten noch nicht entwässerten Moore eingriff. Durch die Entwässerung setzte ein massiver Torfschwund ein, der die anstehende Vegetation wie das Landschaftbild der Oberrheinebene umfassend veränderte.

Mit der Entwässerung der Moore begann flächendeckend die forstliche und landwirtschaftliche Nutzung. Nasse, naturnahe Standorte mit Moorvegetation werden nun zur Ausnahme - ein Umdenken beginnt: Letzte, ökologisch wertvolle Moorstandorte werden unter gesetzlichen Schutz gestellt, wie z.B. 1940 die Kernzone des Weingartener Moors.

Die geringsten Veränderungen in Wasserhaushalt und Torfzersetzung verursachen der Anbau von Wildreis und Schilf. Die stärksten Veränderungen werden durch Weidewirtschaft und üblicher Ackerbau mit bis zu 80 cm Entwässerungstiefe verursacht, wobei bis zu 2 cm Torf pro Jahr zersetzt werden können.

Die Erträge im Land- und Forstbau (außer Wiesengrünland) auf Torfflächen sind in Baden-Württemberg niedriger als auf Mineralböden und der Geldertrag wird durch die Kosten für die künstliche Wasserregulierung zusätzlich gemindert. Auch die Nutzung als Wiesengrünland ist wegen der damit verbundenen hohen Subventionen volkswirtschaftlich nicht sinnvoll. Darüber hinaus beträgt die Nutzungsdauer durch Abtrag und Höhenverlust der Oberfläche oft weniger als 50 Jahre.

Volkswirtschaftlich sinnvoll wäre es eigentlich, die land- und forstbauliche Nutzung von Moorflächen aufzugeben. Aus Gründen des Biotop- und Artenschutzes kann eine extensive Nutzung bzw. Pflege in diesen Bereichen jedoch erwünscht sein.