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Moore

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Bild: Langblättriger Sonnentau
Langblättriger Sonnentau (Drosera longifolia)
(© LUBW, Autor: Hölzer)
Der Langblättrige Sonnentau (Drosera longifolia) ist ein typischer Moorbewohner. Die auch als fleischfressend bezeichnete Pflanzenart ist in Baden-Württemberg stark gefährdet (Rote Liste Status 2). In gewissen Regionen sind die Bestände dieser interessanten Pflanze inzwischen verschollen bzw. ausgestorben.

In Baden-Württemberg leben drei Vertreter der Sonnentaugewächse (Droseraceae):

  • Drosera intermedia - Mittlerer Sonnentau
  • Drosera longifolia - Langblättriger Sonnentau
  • Drosera rotundifolia - Rundblättriger Sonnentau
  • Allen drei Arten besitzen die Fähigkeit kleinste Insekten mit ihren klebrigen Drüsenhaaren festzuhalten, um sie dann anschließend zu verdauen. Auf diese Art und Weise verschaffen sich die Pflanzen einen Ausgleich für die ansonsten nährstoffarmen Standortbedingungen im Moor.

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    Bild: Pollen
    Pollen: Zeitzeugen für Klima und Geschichte
    (© LUBW, Autor: Hölzer)
    Moore sind Standorte, in denen Vegetationsreste wie Sporen, Samen und Pollen über die Jahrtausende hinweg akkumuliert wurden. Anhand dieser Pflanzenteile lassen sich Vegetationsgeschichte und Klimaverlauf unseres Landes rekonstruieren. Insbesondere Pollenkörner und Farnsporen sind mechanisch und chemisch sehr stabil. Ihre Zellmembranen bestehen aus sehr widerstandsfähigen Substanzen, die über lange Zeiträume erhalten bleiben können. Mit der heutigen Pollenanalyse erhält man zahlreiche Informationen über die zurückliegende Veränderung der Vegetation, vor allem über die damalige Artenvielfalt .

    ausgewählte Literatur:

    FRIEDMANN, A. (1998c): Die Pollenanalyse: Grundlagen und Methode. -In: Mäckel, R. & Friedmann, A. (Hrsg.): Wandel der Geo-Biosphäre in den letzten 15000 Jahren im südlichen Oberrheintiefland und Schwarzwald. Freiburger Geogr. Hefte 54, S. 157-162.

    als Lebensraum für seltene Pflanzen und Tiere

    Moore sind Standorte mit extremen Bedingungen. Die dort vorkommenden Pflanzen- und Tierarten sind hochspezialisiert und in besonderem Maß an diesen Lebensraum angepasst. Viele von ihnen sind sehr selten und in ihrem Bestand gefährdet. Die meisten Moorflächen in Baden-Württemberg stehen unter Schutz. Überwiegend sind dies Hochmoore, Niedermoore, Moorwälder, Moorgewässer, extensiv genutztes Grünland und Moore unter Wald.

     

    als Archiv der Landschafts- und Kulturgeschichte

    Moore sind einzigartige Zeugen der Vergangenheit. An Zusammensetzung und Schichtung der im Torf eingelagerten Pollen, Sporen, Samen und Pflanzenreste lassen sich die Vegetations-, Klima- und Siedlungshistorie unseres Landes ablesen. Birkenpollen stehen z. B. für kältere Zeiten, Reste von Eichenmischwäldern für wärmeres Klima. Pollen von Getreide und Wildkräutern weisen auf Ackerbau hin, Funde von Werkzeugen oder Überreste von Hausrat auf menschliche Siedlungen.

    Wo Menschen in Landschaften eingegriffen haben, sei es durch Veränderunge in der Vegetation oder des Wasserhaushaltes, wurde die Torfzusammensetzung z. B. auch durch Staubeinwehung aus den umliegenden Ackerflächen beeinflusst. Moore sind also nicht nur für den Natur- und Landschaftsschutz, sondern gerade auch in naturgeschichtlicher und denkmalpflegerischer Hinsicht von überrragender Bedeutung.

     Die am weitesten verbreitete Methode zur Auswertung von Mooren als Archive der Natur- und Kulturgeschichte stellt die Pollenanalyse dar. Geochemische Analysen an Torfen werden eher seltener, Untersuchungen von Großresten in Profilen dagegen werden in den letzten Jahren häufiger durchgeführt. Letzteres eröffnet u.a. die Möglichkeit, Einblicke in die Trophieverhältnisse der Vergangenheit zu rekonstruieren.