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Geotopschutz und seine rechtlichen Grundlagen in Baden-Württemberg

 
Bild: Kalksinterterrasse, Wolfegger Ach
Kalksinterterrasse im Naturschutzgebiet Weißenbronnen (Ldkr. Ravensburg)
(© LGRB, Autor: Burgmeier, Bergner)

Etwa 15 m breiter und bis 3 m hoher Wasserfall am linken unteren Talhang der Wolfegger Ach. Die Wasserfallstufe wird durch eine Kalksinterterrasse gebildet, die als Fortsetzung des Kalksintervorkommens im Naturschutzgebiet Weißenbronnen ca.150 m ostwärts zu sehen ist.

Der Aufschluss gibt einen guten Einblick in die rezente Bildung von Kalksinter unter der Mitwirkung von Pflanzen (Moosen). Größere Kalksintervorkommen sind auf Grund der geologischen Gegebenheiten im Landkreis Ravensburg eher selten und überwiegend im mittleren Lauf der Wolfegger Ach vorzufinden

 
Bild: Erratischer Block  bei Waldburg
Naturdenkmal Findlingsgruppe bei Waldburg (Ldkr. Ravensburg)
(© LGRB, Autor: Burgmeier)

Im Wald nahe dem Schloß Waldburg befindet sich eine der größten Anhäufungen erratischer Blöcke in Oberschwaben. Der ehemals sehr große Block besteht jetzt aus 5 teilweise noch übereinander liegenden Felsen(Höhe ca. 3 m, Grundfläche ca. 5 x 5 m). Bohrlochreste zeigen an, dass der Block einst gesprengt wurde und größere Gesteinsmengen des Findlings entfernt wurden. Das Naturdenkmal liegt im Bereich einer würmeiszeitlichen Seitenmoräne.

 
Bild: Goldshöfer Sande nördlich von Aalen (Ostalbkreis)
Goldshöfer Sande in der Sandgrube am Burgstall, nördlich von Aalen (Aufn. 1985)
(© LGRB, Autor: T. Huth)

Die im Raum Aalen/Ellwangen auf den Höhen des Schwarzen Jura und des Opalinuston vorkommenden „Goldshöfer Sande" sind Ablagerungen eines danubischen Flussnetzes, das im Pleistozän durch den Kocher-Brenz-Einschnitt in die Donau entwässerte und dessen Einzugsgebiet südlich des heutigen Keuperstufenrandes zu suchen ist. Entsprechend bestehen die Ablagerungen aus umgelagerten Keupersedimenten, überwiegend Mittel- und Grobsanden des Stubensandstein.

Hinsichtlich ihrer Ablagerungsform und -geschichte stellen die „Goldshöfer Sande“ ein einzigartiges erd- und landschaftsgeschichtliches Dokument in Baden-Württemberg im Bereich der heutigen europäischen Wasserscheide dar. Zeugnisse aus dem Altquartär sind äußerst selten; ein vergleichbarer Geotop mit Schutzstatus existierte bislang nicht.

Zur Beurteilung der Schutzwürdigkeit der „Goldshöfer Sande“ aus geowissenschaftlicher Sicht wurden 1995 vom ehemaligen Geologischen Landesamt (GLA) sämtliche Bewertungskriterien herangezogen, wie sie der Leitfaden der Geologischen Dienste der Bundesrepublik Deutschland „Arbeitsanleitung Geotopschutz in Deutschland“ (AD-HOC-ARBEITSGRUPPE GEOTOPSCHUTZ 1996) vorgab. Auch wurde empfohlen, im Bereich einer ehemaligen Abbaustelle einen künstlichen Aufschluss zu schaffen und diesen für Exkursionen sowie für künftige Forschungen offen und uneingeschränkt zugänglich zu halten.

 
Bild: Dolinen bei Neulingen, (Enzkreis)
Dolinenfeld bei Neulingen, Blick in Richtung B 294 (Aufn. 1986)
(© Autor: LUBW)

Das Dolinenfeld bei Neulingen befindet sich in unmittelbarer Nähe zu den beiden Eisinger Löchern. Es handelt sich um eine Aneinanderreihung mehrerer trichterförmiger Erdfälle, die ihre Entstehung der Auslaugung der Schichten des Mittleren Muschelkalks verdanken. Fachleute sprechen hier von sog. Schluckdolinen, in denen oberflächlich zufließendes Wasser wieder versickert. Die Neulinger Dolinen sind seit 1981 als Naturschutzgebiet ausgewiesen.

Wie in allen Bundesländern können schutzwürdige Geotope in Baden-Württemberg nach dem Naturschutzgesetz (NatSchG) als Naturschutzgebiet (NSG) oder Naturdenkmal (ND) unter Schutz gestellt werden. Zusätzlich ist ein Schutz möglich für Fossilien oder Fossilfundstellen sowie Naturgebilde wie Findlingen nach dem Denkmalschutzgesetz (DSchG) als Grabungsschutzgebiet oder Kulturdenkmal.

Das Bodenschutzgesetz (BodSchG) von 1998 definiert den Boden im weiteren Sinne – also die Geosphäre – auch in seiner Funktion als „landschaftsgeschichtliche Urkunde“ und als „Archiv der Natur- und Kulturgeschichte“. Im Landes-Bodenschutz- und Altlastengesetz Baden-Württemberg (LBodSchAG) vom 14. 12. 2004 taucht in der Begründung zu den §§ 7 und 8 „Festsetzung von Bodenschutzflächen“ auch erstmalig der Begriff „Geotop“ in Zusammenhang mit dem Schutz von Flächen als landschaftsgeschichtliche Urkunde und als Archiv der Naturgeschichte auf.

Rechtliche Grundlagen in der Praxis Unterschutzstellungen nach dem BodSchG gibt es bislang keine, da die Ermächtigungsgrundlage für eine Unterschutzstellung fehlt. Somit kann vorerst das BodSchG mit seinen Möglichkeiten für den Geotopschutz nur aushilfsweise herangezogen werden. Nach dem DSchG ist der Denkmalbegriff in Baden-Württemberg sehr weit gefasst. So beinhaltet der Begriff „Kulturdenkmal“ neben menschlichen Produkten auch Naturgebilde, weil diese Objekte von „wissenschaftlichem Interesse“ sind.

Bei der Ausweisung von Grabungsschutzgebieten sei hier nur das geowissenschaftliche Paradebeispiel genannt, die Fossilfundstelle „Versteinerungen Holzmaden“. Dort ist das Staatliche Museum für Naturkunde in Stuttgart, das über Fachleute für das Bergen von Funden verfügt, vom Landesdenkmalamt dauerbeauftragt, die Steinbrüche und Gruben zu überwachen.

Rechtliche Defizite beim Geotopschutz

Im BNatSchG sind die Begriffe „Geotop" und „Geotopschutz", die den abiotischen Teil der Natur beinhalten und damit zu einem umfassenden Naturschutz beitragen, nicht aufgeführt. Leider fand der Begriff „Geotop" keinen Eingang in die Novelle des BNatSchG vom 25. 03. 2002 und auch das neue des baden-württembergische Naturschutzgesetzes kennt diesen in Fachkreisen inzwischen etablierten Terminus technicus nicht. Lediglich im neuen Landes-Bodenschutz- und Altlastengesetz von 2004 wird wie bereits oben erwähnt in Zusammenhang mit dem Schutz von Flächen der Begriff Geotop erwähnt. Der Begriff „landschaftsgeschichtliche Urkunde" umfasst im weiteren Sinn ja alle Geotoptypen.

Seit die „Arbeitsanleitung Geotopschutz in Deutschland" (AD-HOC-AG GEOTOPSCHUTZ 1996) der Geologischen Dienste vorliegt, haben die Geowissenschaften ein Instrument in der Hand, mit dem die obere und mittlere Ebene der Naturschutzverwaltung zunehmend für die Anliegen des Geotopschutzes gewonnen werden können. 

Bei der Ausweisung von Geotopen werden folgende Merkmalstypen unterschieden:

  • Wichtige Schichtfolge für nationale und internationale Vergleiche und zur Dokumentation der erdgeschichtlichen Abläufe
  • Fossilfundpunkt zur Dokumentation der Entwicklungsgeschichte des Lebens
  • Besonderer Gesteinstyp und / oder Mineralfundstelle als spezielle Gesteinsvorkommen bzw. eventuelle Lagerstätten / Rohstoffe
  • Besondere Sedimentgefüge (Strukturen, Marken, Spuren) zur Dokumentation der Vorgänge bei der faziellen Ausbildung des Ablagerungsraums
  • Erhaltenswerte Erscheinungsformen von und an vulkanischen Gesteinskörpern zur Dokumentation vulkanischer Vorgänge
  • Tektonische Deformation (Verwerfungen, Falten u. a. ) zur Dokumentation der Vorgänge in den Gesteinen nach Ablagerung bzw. Platznahme
  • Karsterscheinungen (Erdfälle / Dolinen, Höhlen u. a.) zur Dokumentation von Erosions- und Auslaugungsvorgängen in den Gesteinen und im Untergrund
  • Geomorphologische Struktur und Form (Felsen, Blockfelder, Dünen, Flussterrasse u. a.) zur Dokumentation aktueller geologischer Vorgänge bei der Entstehung und Umformung unserer Landschaften