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Spechte (1/11)
Spechte
Schwarzspecht (Dryocopus martius)
(Element 1 von 10: Bild)
Bild: Schwarzspecht (Baumstamm)
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Der Schwarzspecht (Dryocopus martius) ist die größte heimischen Spechtart. Der etwa krähengroße, schwarze Vogel mit seiner roten Kopfplatte und seinen charakteristischen "kliöh" Rufen im Spätwinter und Frühjahr ist einer der unverwechselbaren Vögel ausgedehnter Wälder. Seine Bruthöhlen legt er in hochschaftigen, alten Bäumen mit einem Mindestdurchmesser in Brusthöhe von 55 cm und in einer Höhe zwischen 8 - 16 m an. Seine Nahrung sucht er häufig am Boden, an Baumstümpfen oder liegenden Stämmen (Totholz).

In Schwarzspechthöhlen wurden zahlreiche  Nachmieter festgestellt: Hohltaube, Rauhfußkauz, Blauracke, Wiedehopf, Dohle, verschiedene Kleinvögel, Fledermäuse, Siebenschläfer, Gartenschläfer, Baum- und Steinmarder. Auch Hornissen bauen ihre Waben in Spechthöhlen.

Der Schwarzspecht lebt während des Frühjahrs, Sommers und Frühherbstes vor allem von holz- oder totholzbewohnenden Ameisenarten (z. B. von Rossameisen, Camponotus herculeanus)), deren Gänge und Nester mit wuchtigen Schlägen freigelegt werden. Holzbewohnende Ameisen haben in Fichtenwäldern eine hohe Dichte. Dieses günstige Nahrungsangebot ermöglichte es dem Schwarzspecht seine Lebensräume auszudehnen. Finden sich neben ausreichend vielen Ameisennestern auch ein reiches Angebot an Käferlarven, so sind die Nahrungsansprüche für den Schwarzspecht optimal erfüllt. Man schätzt den derzeitigen Brutbestand in Baden-Württemberg auf etwa 5.000. Ein allzu früher Umtrieb von (Buchen-) Althölzern sowie selektives Entfernen von Höhlenbäumen können seine Brutmöglichkeiten jedoch einengen.


Gefährdung und Schutz

In Baden-Württemberg gilt die Vogelart als nicht gefährdet.

Der Schwarzspecht besitzt aber internationale Schutzrelevanz gemäß Anhang I der EU-Vogelschutzrichtlinie.

Literatur:

Bauer, H.-G., Boschert, M., Förschler, I., Hölzinger, J., Kramer, M. & Mahler, U. (2016): Rote Liste und kommentiertes Verzeichnis der Brutvogelarten Baden-Württembergs. 6. Fassung, Stand 31.12.2013. Naturschutz-Praxis, Artenschutz 11.

 


Spechte in Baden-Württemberg

Wussten Sie, dass in Baden-Württemberg insgesamt neun verschiedene Spechtarten leben? - Spechte spielen eine wichtige Rolle in ihren jeweiligen Lebensräumen. Über 50 Tierarten sind beispielweise auf die Baumhöhlen des Schwarzspechts, den größten europäischen Specht, angewiesen. Die meisten nutzen die geräumigen Höhlen als Wohn- oder Brutstätte. Einige davon sind in ihrem Bestand gefährdet, wie z.B. Wendehals, Raufußkauz, Baummarder, Dohle oder der Große  Abendsegler, eine typische Baumfledermaus, die vorrangig in Wäldern anzutreffen ist. Generell bewahren Spechthöhlen in Wäldern, Parks und Streuobstwiesen die Artenvielfalt. Spechte sind somit ökologische Schlüsselarten.

Obwohl alte Bäume mit Spechthöhlen gesetzlich geschützt sind, kommt es immer wieder vor, dass sie gefällt werden. Meist geschieht dies aus Unachtsamkeit oder Unwissenheit. Das dauerhafte Markieren sowie das Kartieren von Höhlenbäumen kann diese Schäden verhindern.

Muss aus Gründen der Verkehrssicherheit dennoch ein Baum mit einer Spechthöhle gefällt werden, ist vorab zu klären ob die Höhle unbewohnt ist.

 

Vielfalt der Arten

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Vielfalt einheimischer Tiere und Pflanzen Baden-Württembergs

 
Feuersalamander (Salamandra salamandra), Lurch des Jahres 2016
(Autor: M. Linnenbach, C. Ritter)
 
Distelfalter (Cynthia cardui)
(© Autor: C. Ritter)
 
Mitschnitt: Storchenküken (30.04.2009)
(© KIT, Autor: Natura-TV)

Der letzte Video-Mitschnitt von den sechs Storchenküken, aufgenommen bei Dettenheim-Rußheim (Ldkr. Karlsruhe)   am 30.04.2009.

In Baden-Württemberg kommen schätzungsweise rund 50.000 wildlebende Tier- und Pflanzenarten vor. Darunter sind auch Arten, die nur in Baden-Württemberg oder den angrenzenden Bundesländern vorkommen und für deren Schutz und Erhalt unserem Land eine besondere Verantwortung zukommt (z. B. Arten mit Verbreitungsschwerpunkt in Baden-Württemberg).

In den letzten 50 Jahren hat bei vielen Artengruppen die Zahl der vorkommenden Arten abgenommen. Die Bestandsveränderungen schlagen sich in den "Roten Listen", einer auf Landesebene erstellten Auflistung der ausgestorbenen und gefährdeten Arten, nieder. Rote Listen gelten als wissenschaftliche Expertise zur Gefährdungseinschätzung. Aus der Roten Liste Baden-Württembergs folgt, dass etwa 30 % der Landesfauna und -flora als gefährdet einzustufen sind. Jede dritte heimische Tier- und Pflanzenart ist somit im Bestand bedroht. Die Gefährdung der einzelnen Artengruppen ist unterschiedlich hoch. Bei den Säugern sind es etwa 67 %, bei den Wildbienen ca. 46 %.

Die Erwärmung des globalen Klimas im vergangenen Jahrhundert beeinflusst auch die Ökosysteme in Baden-Württemberg stark. Die Veränderungen sind vor allem in den letzten Jahrzehnten festzustellen und betreffen alle ökologischen Ebenen: Populationen, Arten, Ökosysteme. Diese Veränderungen haben folglich auch Konsequenzen für den Artenschutz. Klimaveränderungen können zu Änderungen der Phänologie, Verschiebungen von geografischen Arealen und dem Aussterben kleiner und isolierter Populationen führen. Neue Arten (Neophyten, Neozoen) wandern ein und bislang heimische Arten gehen in ihrem Bestand zurück, - mit der Gefahr aus unserer Landschaft zu verschwinden (z.B. Schmetterlinge, Lurche).

Die Landesregierung von Baden-Württemberg hat beschlossen, einen Aktionsplan zur Sicherung der biologischen Vielfalt aufzustellen. Dieses Vorhaben soll sich nicht in einer Analyse des Ist-Zustandes und weitreichenden Empfehlungen erschöpfen, sondern vor allem dazu beitragen, die Lebensbedingungen unserer heimischen Tier- und Pflanzenarten vor Ort nachhaltig zu verbessern. Der Aktionsplan enthält auch den 111-Arten-Korb, bei dem jeder mitmachen kann, um sich für eine Art zu engagieren.

Positive Bilanz für 64 % der Vogelarten

Als äußerst mobile Tiere vermögen Vögel Klimaveränderungen relativ rasch anzuzeigen. Die Temperturveränderungen im Verlauf der letzten 30 Jahre hatten deutliche Auswirkungen auf Zug- und Brutverhalten sowie auf Artenzusammensetzung und Verbreitungsgebiete von Vögeln in Südwestdeutschland.

In Mitteleuropa brüten derzeit 282 Vogelarten regelmäßig. Von diesen haben seit 1977 insgesamt 181 Arten (64%) stabile Bestandszahlen. Einige Vogelarten haben im Bestand sogar zugenommen oder sind wieder eingewandert. Vielerorts sind die Bestände einst bedrohter Arten wieder im Aufwind. Zu ihnen gehören:

Weißstorch,

Schwarzstorch,

Kranich,

Seeadler, Wanderfalke und

Blaukehlchen

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