Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg
Umweltinformationssystem BW
Baden-Württemberg
BW-Standardkarte
Wählen Sie aus:
Suche
Suche in …
Beispiele zum Thema
Nächstes Beispiel
Europäischer Weißstorch (Ciconia ciconia) (2/11)
Weißstorch (Ciconia ciconia)
Weißstorch (Ciconia ciconia) bei der Landung auf dem Horst
(Element 1 von 8: Bild)
Bild: Weißstorch, Horst
Erstes Element Vorheriges Element Bild vergrößern Nächstes Element Letztes Element

Der Weißstorch (Ciconia ciconia) ist kein ausgesprochener Nahrungsspezialist. Je nach Jahreszeit bevorzugt er die Beute, die am häufigsten in der Landschaft verfügbar ist. Dazu zählen Grillen, Heuschrecken, größere Käfer und deren Larven, Frösche, Fische, Eidechsen, Mäuse, Maulwürfe und Schlangen (meist Ringelnattern). Sehr wichtig sind Regenwürmer, insbesondere während der Aufzucht der Jungstörche. In der Regel zieht ein Storchenpaar drei bis vier Jungstörche pro Jahr groß. Die Jungvögel sind leicht an den noch nicht voll entwickelten Schnäbeln und an den farblosen, grauen Beinen zu erkennen.

Um seinen Lebensraum war es eng geworden. Stehende Gewässer und feuchte Wiesen waren aus der bäuerlichen Kulturlandschaft so gut wie verschwunden. Vielerorts war der Weißstorch ausgestorben. Der Tiefpunkt des Bestandes war 1988 erreicht. In Deutschland (alte Bundesländer) gab es nur noch 2.949 Paare. Umfangreiche und gezielte Hilfsmassnahmen haben dazu beigetragen, diesen dramatischen Rückgang zu stoppen. Im Jahr 2001 wurden bereits wieder 4.290 Brutpaare gezählt. Inzwischen gehört der Weißstorch zu den Brutvogelarten mit Bestandszunahmen über 50%.


Gefährdung:

Rote Liste Baden-Württemberg = Vorwarnliste.

Literatur:

Bauer, H.-G., Boschert, M., Förschler, I., Hölzinger, J., Kramer, M. & Mahler, U. (2016): Rote Liste und kommentiertes Verzeichnis der Brutvogelarten Baden-Württembergs. 6. Fassung, Stand 31.12.2013. Naturschutz-Praxis, Artenschutz 11.

 

Weißstörche in Baden-Württemberg

Der Weißstorch zählt im System der Vögel zu den Schreitvögeln, zu denen auch Reiher, Ibisse und Löffler gehören. Früher waren Störche bei uns weit verbreitet. Im ländlichen Raum gehörte der besetzte Horst auf dem Kirchturm zum normalen Ortsbild. Mit dem allgemeinen Landschaftswandel und den geänderten Anbaumethoden der Landwirtschaft nach dem 2. Weltkrieg verschwanden die imposanten Vögel nahezu völlig.

So gab es 1975 in Baden-Württemberg nur noch 15 brütende Storchenpaare. Allein der Zuzug von gezüchteten und freigelassenen Weißstörchen aus der Schweiz und dem Elsass verhinderte den völligen Zusammenbruch der heimischen Population.

Strenger Schutz sowie ein umfangreiches Artenhilfsprogramm des Landes bewirkten, dass 1993 wieder 101 Paare hierzulande brüteten. Verbreitungszentren waren damals Oberschwaben und die Oberrheinebene.

Seit Mitte der 1990er Jahre steigt der Bestand an Weißstörchen in Baden-Württemberg nun deutlich an. Viele Regionen und Naturräume, aus denen Störche lange Zeit verschwunden waren, konnten neu besiedelt werden. Im Jahr 2004 gab es landesweit 274 Brutpaare - Tendenz weiter steigend.

Inzwischen sind Störche wieder so häufig, dass sie in der Roten Liste Baden-Württemberg nicht mehr als vom Aussterben bedrohte Vogelart sondern nur noch als Art der Vorwarnliste vermerkt sind.

Die schlechte, v.a. feuchte Witterung im Frühjahr 2010 hat allerdings bewirkt, dass deutlich weniger Jungstörche überlebt haben. So brachten es die in Oberschwaben und am Bodensee registrierten 117 Storchenpaare nur auf insgesamt 188 Jungvögel, die flügge wurden. In 2009 waren es noch 230. Man geht davon aus, dass ein Storchenpaar rein statistisch gesehen, 2 Jungvögel pro Jahr erfolgreich aufziehen muss, um die Population stabil zu halten.

Im Rahmen des Naturerlebnisnetzwerkes Natura-TV lassen sich u. a. Weißstörche live beobachten!

 

Vielfalt der Arten

Vorherige Seite Nächste Seite
 

Vielfalt einheimischer Tiere und Pflanzen Baden-Württembergs

 
Feuersalamander (Salamandra salamandra), Lurch des Jahres 2016
(Autor: M. Linnenbach, C. Ritter)
 
Distelfalter (Cynthia cardui)
(© Autor: C. Ritter)
 
Mitschnitt: Storchenküken (30.04.2009)
(© KIT, Autor: Natura-TV)

Der letzte Video-Mitschnitt von den sechs Storchenküken, aufgenommen bei Dettenheim-Rußheim (Ldkr. Karlsruhe)   am 30.04.2009.

In Baden-Württemberg kommen schätzungsweise rund 50.000 wildlebende Tier- und Pflanzenarten vor. Darunter sind auch Arten, die nur in Baden-Württemberg oder den angrenzenden Bundesländern vorkommen und für deren Schutz und Erhalt unserem Land eine besondere Verantwortung zukommt (z. B. Arten mit Verbreitungsschwerpunkt in Baden-Württemberg).

In den letzten 50 Jahren hat bei vielen Artengruppen die Zahl der vorkommenden Arten abgenommen. Die Bestandsveränderungen schlagen sich in den "Roten Listen", einer auf Landesebene erstellten Auflistung der ausgestorbenen und gefährdeten Arten, nieder. Rote Listen gelten als wissenschaftliche Expertise zur Gefährdungseinschätzung. Aus der Roten Liste Baden-Württembergs folgt, dass etwa 30 % der Landesfauna und -flora als gefährdet einzustufen sind. Jede dritte heimische Tier- und Pflanzenart ist somit im Bestand bedroht. Die Gefährdung der einzelnen Artengruppen ist unterschiedlich hoch. Bei den Säugern sind es etwa 67 %, bei den Wildbienen ca. 46 %.

Die Erwärmung des globalen Klimas im vergangenen Jahrhundert beeinflusst auch die Ökosysteme in Baden-Württemberg stark. Die Veränderungen sind vor allem in den letzten Jahrzehnten festzustellen und betreffen alle ökologischen Ebenen: Populationen, Arten, Ökosysteme. Diese Veränderungen haben folglich auch Konsequenzen für den Artenschutz. Klimaveränderungen können zu Änderungen der Phänologie, Verschiebungen von geografischen Arealen und dem Aussterben kleiner und isolierter Populationen führen. Neue Arten (Neophyten, Neozoen) wandern ein und bislang heimische Arten gehen in ihrem Bestand zurück, - mit der Gefahr aus unserer Landschaft zu verschwinden (z.B. Schmetterlinge, Lurche).

Die Landesregierung von Baden-Württemberg hat beschlossen, einen Aktionsplan zur Sicherung der biologischen Vielfalt aufzustellen. Dieses Vorhaben soll sich nicht in einer Analyse des Ist-Zustandes und weitreichenden Empfehlungen erschöpfen, sondern vor allem dazu beitragen, die Lebensbedingungen unserer heimischen Tier- und Pflanzenarten vor Ort nachhaltig zu verbessern. Der Aktionsplan enthält auch den 111-Arten-Korb, bei dem jeder mitmachen kann, um sich für eine Art zu engagieren.

Positive Bilanz für 64 % der Vogelarten

Als äußerst mobile Tiere vermögen Vögel Klimaveränderungen relativ rasch anzuzeigen. Die Temperturveränderungen im Verlauf der letzten 30 Jahre hatten deutliche Auswirkungen auf Zug- und Brutverhalten sowie auf Artenzusammensetzung und Verbreitungsgebiete von Vögeln in Südwestdeutschland.

In Mitteleuropa brüten derzeit 282 Vogelarten regelmäßig. Von diesen haben seit 1977 insgesamt 181 Arten (64%) stabile Bestandszahlen. Einige Vogelarten haben im Bestand sogar zugenommen oder sind wieder eingewandert. Vielerorts sind die Bestände einst bedrohter Arten wieder im Aufwind. Zu ihnen gehören:

Weißstorch,

Schwarzstorch,

Kranich,

Seeadler, Wanderfalke und

Blaukehlchen

.