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NSG Gutenberg
Kalkmagerrasen prägen das ehemalige Steinbruchgelände
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Bild: Naturschutzgebiet Gutenberg, Main-Tauber-Kreis
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NSG Gutenberg (Main-Tauber-Kreis):
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Übersicht

NSG Gutenberg (Main-Tauber-Kreis)

 

Naturschutzgebiet Gutenberg bei Wertheim-Dertingen

 
Bild: NSG Gutenberg, Main-Tauber-Kreis
Naturschutzgebiet Gutenberg bei Wertheim-Dertingen (Main-Tauber-Kreis)
(© B. Flicker)

Ehemalige Steinbruchflächen mit Trockenrasen und Wacholder kennzeichnen das 1984 ausgewiesene Schutzgebiet (Aufn. August 2017). Der anstehende Muschelkalk wurde hier oberirdisch bis zu einer Tiefe von mehreren Metern abgebaut, sodass das Gelände heute noch einen grubenartigen Charakter besitzt.

 
Bild: NSG Gutenberg, Main-Tauber-Kreis, Kalkschutt
Aufgelassene Steinbruchwand mit Kalkschutthalde
(© B. Flicker)

Da die Abtragung des Oberbodens im Steinbruch nicht überall erfolgte, blieben Reste ehemals beweideter Halbtrockenrasen übrig, wie dies durch einige Exemplare von Wacholder (Juniperus communis) angezeigt wird. Am Fuß von Abbruchkanten finden sich offene Schutthalden, die gerne von Reptilien (Zauneidechse, Blindschleiche) besiedelt werden.

Unmittelbar an der Landesgrenze zum Freistaat Bayern, nördlich von Wertheim-Dertingen, liegt in einem Seitental (Gewann Wetschel) das Naturschutzgebiet Gutenberg (s. Karte). Die Ausweisung als Schutzgebiet durch das Regierungspräsidium Stuttgart geht auf das Jahr 1984 zurück. Bis 1970 wurde die Fläche als Steinbruch (Unterer Muschelkalk) intensiv genutzt. Zunächst bauten private Eigentümer das Gestein ab, um daraus Branntkalk zu gewinnen. Nach Ende des 2. Weltkriegs übernahm das Straßenbauamt Tauberbischofsheim die Abbaustätte. Das Gestein fand nun Verwendung als Schotter im Straßen- und Wegebau.

Mit der Nutzungsaufgabe 1970 siedelten sich auf dem Gelände Pflanzengesellschaften mit seltenen Arten (z. B. Küchenschelle, Wimper-Perlgras, Purpur-Knabenkraut) an. Mit den Pflanzen kamen auch zahlreiche Tiere, vor allem wärmeliebende Insekten. So entstand im Laufe der Zeit ein bedeutendes Sekundärbiotop, auf das auch der amtliche Naturschutz aufmerksam wurde.

Bedingt durch den wasserdurchlässigen, verkarsteten Muschelkalk und die geringe Niederschlagsmenge im Jahresmittel beherrschen steinige Böden und extreme Trockenheit die hier lebenden Tier- und Pflanzenarten. Vor Ort sind vier unterschiedliche Pflanzengesellschaften vertreten:

  • Halbtrockenrasen
  • Trockenrasen (Kalkmagerrasen)
  • Ruderalfluren an Wegen und Schutthalden
  • aufgeforsteter Kiefernwald (Schwarz-Kiefer)

Im NSG Gutenberg  finden sich zahlreiche seltene Tagfalter wie Silbergrüner Bläuling, Hauhechel-Bläuling, Zwerg-Bläuling, Esparsetten-Bläuling, Segelfalter, Wachtelweizen-Scheckenfalter, Roter Scheckenfalter und Kronwicken-Dickkopffalterfalter.

Die ursprünglich beheimatete Heidelerche ist aus diesem Gebiet verschwunden, dafür ist der seltene Ziegenmelker noch anzutreffen. Mit etwas Glück ist er in der Dämmerung zu beobachten. Als weitere lebensraumtypische Vogelarten finden sich Dorngrasmücke, Heckenbraunelle und Neuntöter. Sie bevorzugen die dichten Heckenzüge und trockenen Gehölzstrukturen als Sitzwarte und Brutplatz. Das strukturreiche Gelände ist auch für Zauneidechsen und Blindschleichen attraktiv. Bis Mitte der 1980er Jahre dienten die stillgelegten Steinbruchflächen als Schafweide. Derzeit (2017) erfüllen Hausesel die Aufgabe der Landschaftspflege.

Besucherhinweise: Das nördlichst gelegene Naturschutzgebiet Baden-Württembergs erreicht man am besten über das Weindorf Dertingen. An der bekannten Weinlage, dem "Mandelberg", vorbei, benötigt man bis zum Schutzgebiet zu Fuß ca. eine halbe Stunde. Den besten Einblick in die Fläche gewinnt man von einem Pfad aus, der vom ehemaligen Steinbruchgelände diagonal nach Nordwesten durch das Gebiet führt. Der Pfad mündet in einen Feldweg, der gleichzeitig die Landesgrenze zu Bayern darstellt. Die Begehung des stillgelegten Steinbruchs ist nicht barrierefrei.