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Gley, Boden des Jahres 2016
Gley - Boden des Jahres 2016
Gley aus Schwemmsediment
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Bild: Gley, Schwemmsediment Jungmoränenhügelland
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In Muldentälchen und Senken herrscht im Westallgäuer Hügelland häufig hoch anstehendes Grundwasser. Im wasserübersättigten Boden werden die Eisen- und Manganverbindungen beweglich. Im Grundwasserschwankungsbereich (Go-Horizont) kommt es während trockener Phasen zur Ausfällung orangeroter Eisenoxide. Im ganzjährig im Grundwasser liegenden unteren Teil des Bodenprofils (Gr-Horizont) herrschen graue, reduzierte Eisenverbindungen vor. Solche Gleye sind in der Regel erst durch Entwässerung zu ertragreichen Grünlandstandorten geworden.

Grundwasserboden (Gley), Boden des Jahres 2016

Gleye sind durch oberflächennahes Grundwasser geprägte Böden. Die Höhe des Grundwasserstandes schwankt im Laufe der Jahreszeiten. Dies zeigt sich im Oberboden in der Ausbildung eines meist rotorange gefleckten Bodenbereiches (Go-Horizont, Oxidationshorizont) mit jahreszeitlich wechselnder Wassersättigung über einem ständig wasserführenden, grau bis blau gefärbten Horizont (Gr-Horizont, Reduktionshorizont). An der Geländeoberfläche folgt der humose Oberboden (Ah-Horizont).

Gleye reagieren wie alle feuchten Böden sehr empfindlich auf mechanischen Druck mit Bodenverdichtungen. Je nach Bodenmaterial und Beschaffenheit des Grundwassers (sauer oder basisch) können Grundwasserböden im Profil sehr unterschiedlich aussehen (s. Bildergalerie).

Literatur:

Scheffer/Schachtschabel: Lehrbuch der Bodenkunde
Blume, H.-P., Brümmer, G.W., Horn, R., Kandeler, E., Kögel-Knabner, I., Kretzschmar, R., Stahr, K., Wilke, B.-M.
Aufl. 2010, XIV, 570 S. 247 Abb., 167 Abb. in Farbe. 54 €, - auch als E-Book, ISBN 978-3-8274-2251-4
Der Klassiker unter den Bodenkundelehrbüchern im deutschsprachigen Raum.

 

Tag des Bodens 2015 Baden-Württemberg

 

Internationaler Tag des Bodens am Gymnasium Unterrieden in Sindelfingen-Maichingen am 04.12.2015

 
Bild: Tag des Bodens am Gymnasium Unterrieden, 2015
Internationaler Tag des Bodens 2015 am Gymnasium Unterrieden
(© RP Stuttgart, Autor: J. Reiss)

Martina Fuchs, Schulleiterin des Gymnasiums Unterrieden und Dr. Ulrich Mack vom Regierungspräsidium Stuttgart. Herr Dr. Mack überreicht der Schulleiterin ein Bodenprofil aus der unmittelbaren Umgebung der Schule als bleibende Erinnerung an den Tag des Bodens.

 
Bild: Internationaler Tag des Bodens 2015
Schülerprojekt: "Ohne Boden kein Brot"
(© RP Stuttgart, Autor: J. Reiss)
 
Bild: Internationaler Tag des Bodens 2015
Schülerprojekt: "Der Regenwurm"
(© RP Stuttgart, Autor: J. Reiss)
 
Bild: Internationaler Tag des Bodens 2015
Bodenwerkstatt des LGRB
(© RP Stuttgart, Autor: J. Reiss)

Seit dem Jahr 2002 wird alljährlich am 5. Dezember der Internationale Tag des Bodens begangen. 2015 fand bereits zum siebten Mal in Baden-Württemberg eine landesweite zentrale Veranstaltung statt. Das Jahr 2015 stellt zudem eine Besonderheit dar, da es von den Vereinten Nationen zum "Internationalen Jahr des Bodens" erklärt wurde. Die vom Regierungspräsidium Stuttgart zusammen mit dem Gymnasium Unterrieden in Sindelfingen organisierte Veranstaltung bot reichlich Gelegenheit, das Thema Boden stärker ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken.

Nach der Begrüßung durch die Leiterin der Schule, Frau Oberstudiendirektorin Martina Fuchs, den Regierungspräsidenten Johannes Schmalzl und den Sindelfinger Oberbürgermeister Dr. Bernd Vöhringer war bereits klar, dass Boden viel mehr ist, als nur der Dreck unter unseren Schuhen. Und dieser Tatsache wurde die Veranstaltung mehr als gerecht. Die Schülerinnen und Schüler sowie das zahlreiche weitere Publikum erwartete ein vielfältiges, von der SWR-Moderatorin Martina Klein präsentiertes Programm.

Als Leitthema des diesjährigen Tages des Bodens wählten die Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums den Earth Song von Michael Jackson, welcher sich wie ein roter Faden durch die Veranstaltung zog. In dem Titel aus dem Jahr 1995 verurteilt der Interpret den schlechten Umgang der Menschheit mit Mutter Erde aufs Schärfste und stellt unter anderem die Frage: "What about nature's worth?". Die Antwort der Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Unterrieden Sindelfingen ist laut und eindeutig: "We care about!" Dies zeigte sich insbesondere in den zahlreichen und mit viel Herzblut umgesetzten Projekten, die an diesem Tag präsentiert wurden. Dass der Boden unter unseren Füßen auch als feste Unterlage dient, um auf ihm zu turnen, zeigte eine Gruppe von Schülerinnen bei ihrer Performance "Boden in Bewegung". Begleitet vom Earth Song zeigten sie artistische Höchstleistungen. Auch der Schülerchor und die Streicher-AG bereicherten die Veranstaltung mit ihren Darbietungen.

Nach dieser Einstimmung führte Prof. Dr. Hans-Karl Hauffe (Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen) das Publikum in den ersten Fachvortrag des Tages. Unter dem Titel "Unter der Oberfläche - Es tut sich was im Boden" erläuterte der Fachmann die Entstehung der Böden und stellte einige bei der Entstehung von Böden (Bodengenese) wichtige Bodenbewohner mit ihren Lebensansprüchen und ökologischen Leistungen vor. So tragen etwa die verschiedenen Arten der Regenwürmer dazu bei, die hauptsächlich von abgestorbenen Pflanzen stammende organische Substanz mit dem mineralischen Oberboden zu vermischen. Außerdem brachte Prof. Dr. Hauffe dem Publikum verschiedene Stoffkreisläufe im Boden näher und erklärte, unter welchen Bedingungen ein Moor entsteht. Das Ende seines Vortrags bildete die Vorstellung der Böden der Jahre 2015 und 2016: Der Stauwasserboden (2015), ein durch periodischen Wasserstau bei geringer Wasserdurchlässigkeit geprägter Bodentyp und der Gley (2016), ein ganzjährig vom Grundwasser beeinflusster Bodentyp.
In einem weiteren Fachvortrag nahm Frau Dr. Diana Pietsch (Geopark Schwäbische Alb e.V.) das Au-ditorium mit auf eine Reise in den Jemen. Sie stellte Bodentypen und Aspekte der Bodenbildung des vornehmlich durch Wüsten geprägten Landes sowie die unter diesen Bedingungen mögliche Landnutzung vor. Regosole und Yermosole/Wüstenböden sind im heißen und niederschlagsarmen Jemen häufige Bodentypen. Bewässerung, die Anlage von Feldterrassen und Beweidung sind wichtige Merkmale der Landnutzung in der überwiegend kargen Landschaft.

Herr Dr. Ulrich Mack (Regierungspräsidium Stuttgart) gab dem interessierten Publikum in einem dritten Fachvortrag mit dem Titel "1,4 Milliarden und ihre Böden - unterwegs in China" einen Einblick in die Böden der Volksrepublik China. Die Zuhörer lernten, dass die Böden Chinas genauso vielfältig sind, wie die Klimazonen des riesigen Landes und dass in China vier große Bodenregionen unterschieden werden können: siallitisch (= Verwitterung im humiden, gemäßigten Klima), allitisch (= Verwitterung im feuchtwarmen, tropischen bis subtropischen Klima), alpin und arid. Dr. Mack beleuchtete außerdem verschiedene in China übliche Landnutzungen und die Probleme, die mit ihnen einhergehen können. So kann z.B. eine unsachgemäße Bewässerung zur Anreicherung von Salzen und damit zur Wüstenbildung (Desertifikation) führen. Eine stetig wachsende Bevölkerung mit steigenden Konsumansprüchen und Bodenversiegelung durch rege Bautätigkeit üben zusätzlichen Druck auf die Böden des Landes aus. Zwischen den Vorträgen lud eine „aktive Kaffeepause" dazu ein, die zahlreichen Schulprojekte, die in Vorbereitung auf den Tag des Bodens erarbeitet wurden, zu bewundern. Die Projekte waren so vielfältig wie das Thema Boden an sich und wurden von unterschiedlichen Klassenstufen anhand von Plakaten und kreativem Anschauungsmaterial vorgestellt. Die Jugendlichen gaben unter anderem ausführlich Auskunft zum Leben der Regenwürmer unter der Erdoberfläche, zum Abbau von Laubstreu, zu unterschiedlichen Bodenarten, zu Boden als Standort für Pflanzen und zur besonderen Symbiose zwischen Pflanzenwurzeln und Pilzen, Mykorrhiza genannt. Das Publikum konnte sich einerseits auf eine Reise zu den Böden Europas begeben und sich andererseits auf dem Schulgelände über das im Vorfeld angelegte Bodenprofil, welches eine erodierte Parabraunerde zum Vorschein brachte, informieren. Eine Projektgruppe berichtete über ihren Besuch des Bodenlehrpfads in Beuren, eine weitere präsentierte ihr Experiment zum Wurzelwachstum in verglasten Wurzelkästen. Einige Schülerinnen und Schüler hatten später am Tag noch die Gelegenheit, ihre Arbeiten auf der Bühne zu präsentieren. Dies taten sie auf professionelle Weise und zum Teil sogar in englischer Sprache.

Die Pause bot des Weiteren die Gelegenheit, sich anhand der Bodenschutzausstellung der LUBW (Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg) weiterführend mit dem Thema Boden auseinanderzusetzen oder der LUBW und dem Landwirtschaftlichen Technologiezentrum Augustenberg (LTZ) bei der Analyse von Bodenproben über die Schulter zu schauen. Die Experten boten den Besuchern die einmalige Gelegenheit, mitgebrachte Bodenproben auf die Schwermetalle Blei und Kupfer sowie auf Arsen, den Salzgehalt und den pH-Wert untersuchen zu lassen. Das erfreuliche Ergebnis zeigte, dass die mitgebrachten Böden allesamt keine messbaren Belastungen aufwiesen.

Das Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau (LGRB) bereicherte den Tag des Bodens mit ihrer Bodenwerkstatt. In einfachen physikalischen und chemischen Experimenten, mit dem Blick durchs Mikroskop und durch das Erfühlen von Bodenarten über ihre Konsistenz konnten sich Schülerinnen und Schüler die Komplexität der Bodeneigenschaften erschließen. Angeleitet wurden sie dabei unter anderem von Mitschülern, die sich im Vorfeld der Veranstaltung auf diese Aufgabe vorbereitet hatten.
Dass das Thema Boden auch von der künstlerischen Seite erschlossen werden kann, veranschaulichte das Projekt "Farben der Erde". Unter der Anleitung der Künstlerin Renate Vetter stellten Schülerinnen und Schüler Farben aus Boden, Wasser und Kleister her und schufen damit unter dem Motto "Kreise" ein farbenfrohes mannshohes Kunstwerk. In den Kunsträumen der Schule konnten Besucherinnen und Besucher auch selbst zum Pinsel greifen und ihr eigenes kleines Boden-Kunstwerk erschaffen.
Nach den Schlussworten von Ministerialrat Markus Langner (Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg) erhielt Oberstudiendirektorin Martina Fuchs vom Regie-rungspräsidium Stuttgart für das Gymnasium Unterrieden Sindelfingen ein Lackprofil der erodierten Parabraunerde als Dank für die gelungene Veranstaltung. Im Anschluss nutzten noch einige interessierte Gäste die Gelegenheit, das Bodenprofil auf dem Schulgelände, aus dem dieses Lackprofil stammt, zu besichtigen.
Dank des großen Einsatzes der Organisatoren, der Referenten und vieler Unterstützer sowie nicht zuletzt der Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit dem Lehrerkollegium war die Veranstaltung zum Tag des Bodens auch im Jahr 2015 wieder ein großer Erfolg.

Unser Beitrag zum Bodenschutz
Der Boden - Basis für das Leben