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Dornacher und Häckler Ried
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Dornacher und Häckler Ried
Hochmoorkolk Blindsee im Nordosten
(Element 1 von 8: Bild)
Bild: Dornacher Ried, Hochmoorkolk Blindsee
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Dornacher und Häckler Ried:
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Übersicht
 

Dornacher und Häckler Ried im Landkreis Ravensburg

 
Bild: Dornacher und Häckler Ried, Luftbild, Ldkr.  Ravensburg
Häckler Ried mit Häckler Weiher (Aufn. 2013)
(© LUBW, Autor: J. Hofmann)

Das Häckler Ried umschließt den Häckler Weiher nahezu vollständig. Im Nordwesten grenzen die Moorflächen an den touristisch genutzten Buchsee (Campingplatz). Die Flächen gehörten seit dem 14. Jh. zu den Liegenschaften des Kloster Weingarten..Bis 1986 diente der Häckler Weiher als Fischteich (Karpfenzucht).

Das reich strukturierte Gelände des Häckler Rieds ist Lebensraum einer Vielzahl von Schmetterlingen, Heuschrecken und Libellen. Es ist ein wichtiges Rückzugsgebiet für die stark in ihrem Bestand gefährdete Kreuzotter.

 
Bild: Dornacher und Häckler Ried, Winter
Steifseggenried (Caricetum elatae) im Dornacher Ried
(© LUBW, Autor: X. Jutz)

Die Steife Segge (Carex elata) meidet kalte Gewässer. In den sommerwarmen Zwischenmooren bildet sie oft Massenbestände,

Dornacher und Häckler Ried sind mit einer Fläche von insgesamt ca. 160 ha Fläche ökologisch bedeutende Feuchtgebiete im Schutzgebietskomplex Blitzenreuter Seenplatte. Sie befinden sich zwischen den Gemeinden Fronreute und Wolpertswende, eingebettet im voralpinen Jungmoränenhügelland, direkt an der B32 (s. Karte). Bereits 1937 wurden beide Moore sowie der Häckler Weiher und der Buchsee als eines der ersten Naturschutzgebiete im Regierungsbezirk Tübingen ausgewiesen. Heute gehören sie zur FFH-Gebietskulisse „Feuchtgebiete um Altshausen". Als weiteren Schutz genießt der Moorkomplex den Status eines EU-Vogelschutzgebiets.

Das Dornacher Ried hat sich als typisches Regenmoor in den letzten 4.500 Jahren zu einem 2-3 m mächtigen Hochmoor entwickelt, das auf geringmächtigen Lagen von schwach minerotrophen Seggentorfen lagert. In seiner Mitte liegt ein Hochmoorkolk, ein dystropher Braunwassersee, der von einer zumeist intakten Schwingrasenflur umgeben ist.

Das Häckler Ried wird durch den mineralischen Grundwasserzustrom aus den seitlichen Moränenhügeln geprägt. Aus dem verlandeten ehemals eiszeitlichen Schmelzwassersee hat sich ein Grundwassermoor entwickelt. Ein beginnendes Zwischenmoorstadium wurde durch den Aufstau des Häckler Weihers im 14. Jh vorübergehend gestoppt. Erst nach der Absenkung des Wasserspiegels konnten sich in den nährstoffärmeren Bereichen Zwischen- und Hochmoortorfe weiter entwickeln.

Dornacher Ried und Häckler Ried sind durch eine mineralische Zunge in zwei unabhängige Torfkörper getrennt, die bereits im Mittelalter noch zusätzlich  künstlich aufgeschüttet und als sog. „Kirchweg" ausgebaut wurde. Die mineralische Auffüllung ist heute von torfbildender Vegetation überwachsen, so dass die Moore trotz ökologischer Unterschiede als ein zusammenhängender Torfkörper erscheinen. Die stark reliefierten Verhältnisse zeigen sich in unterschiedlichen Torfmächtigkeiten (bis zu 6,5 m im Südosten des Dornacher Riedes und um den Blindsee) sowie den in den beiden Mooren liegenden mineralischen Inseln Stierhölzle und Haselnussinsel.

Trotz umfangreicher Entwässerungsmaßnahmen die bereits im 30-jährigen Krieg (1618-1648) ihren Anfang nahmen und in großem Umfang ab 1874 fortgesetzt wurden, war der Torfschwund im Häckler und Dornacher Ried wegen der fast einheitlichen Höhenlage und dem Aufstau des Häckler Weihers vergleichsweise gering (randlich 50-120 cm, zentral 150-300 cm). Der etwa 30 ha große nördliche Teil des Dornacher Riedes wurde allerdings ab dem 18. Jh. bis Mitte des 20. Jh. in kleinbäuerlichen Torfstichen bis auf die Tonmudde abgetorft, so dass er heute fast 3,5 m tiefer liegt. Die ausgedehnten Flach- und Übergangsmoore dienten den Landwirten bis in die 1950erJahre als Streuwiesen. Heute müssen diese Flächen mit ihrer reichhaltigen Flora und Fauna durch umfangreiche Pflegemaßnahmen offen gehalten werden.

Als weitere Maßnahme wurden die Verbindungsbäche von Buchsee und Vorsee zum Schreckensee naturnah rückentwickelt, teilweise bepflanzt und mit bis zu 40 m breiten, extensiv genutzten Pufferstreifen ausgestattet.