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Zollhausried und weitere Moore
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Zollhausried und weitere Moore
Moorlandschaft im Naturschutzgebiet Birken-Mittelmeß - (Schwarzwald-Baar-Kreis)
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Bild: Moorlandschaft in der Baar
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Im Übergang vom Unter- zum Mitteljura ist eine breite vermoorte Senke entstanden, in der früher Torf abgebaut wurde. Im Hintergrund ist die Baaralb mit dem Fürstenberg zu sehen.

Das Naturschutzgebiet befindet sich östlich der Großen Kreisstadt Donaueschingen (Ortsteil Pfohren) und ist bedeutender Lebensraum zahlreicher seltener Tier- und Pflanzenarten sowie Brut-, Rast- und Überwinterungsgebiet für gefährdete Vogelarten.

 

Zollhausried und weitere Moore:
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Übersicht

Zollhausried und weitere Moore

 

Zollhausried und weitere Moore

 
Bild: Torfabbau
Torfabbau im Zollhausried (Schwarzwald-Baar-Kreis)
(© LUBW, Autor: Hölzer)

Das Zollhausried im Aitrachtal östlich von Blumberg ist ein 1,9 km² großes Versumpfungsmoor auf der Wasserscheide Rhein/Donau. Hier wurde Torf bis ins 20. Jahrhundert vor allem von Hand gestochen. Erst nach dem Ersten Weltkrieg setzte sich der maschinelle Abbau bei der Torfgewinnung endgültig durch. Dabei wurde der Torf nach der maschinellen Planierung der Fläche mit Baggern abgebaut.

 
Bild: Karte Zollhausried im Aitrachtal östlich von Blumberg
Zollhausried im Aitrachtal östlich von Blumberg

Moor auf der Wasserscheide Rhein/Donau; das geköpfte Tal der Feldbergdonau entwässert von der Wasserscheide nach Westen mit dem Schleifebächle in die Wutach und mit der Aitrach nach Osten zur Donau, immer noch deutlich erkennbar sind die alten Torfstiche, vor allem im mittleren Bereich des Zollhausrieds.

Zu erwähnen ist der im frühen 16. Jhd. vor allem aus militärstrategischen Gründen mit zwei beidseitige der Wasserscheide errichteten Dämmen (in der Karte mit 1 u. 3 gekennzeichnet) aufgestaute See, der um 1790 seine Bedeutung verloren hatte und wieder abgelassen wurde; anschließend erfolgte im Zollhausried ein mehr oder weniger planvoller Torfstich in Tagelöhnerarbeit; der Damm 2 ist der alte Straßendamm (heute B27), der in der Zeit des eingestauten Sees die direkte alte Straßenverbindung Zollhaus - Riedböhringen aufrecht erhielt.

 

 
Bild: Karte Moore östlich von Pfohren
Moore östlich von Pfohren

Die größten Moormächtigkeiten liegen bei 4 - 5 m.

 

Das Zollhausried im Aitrachtal östlich von Blumberg ist ein 1,9 km² großes Versumpfungsmoor auf der Wasserscheide Rhein/Donau. Das Aitrachtal ist ein von der Wutach im Hochwürm geköpftes Tal, das nach Westen von der quer durch das Zollhausried führenden Talwasserscheide mit dem Schleifebächle über die Wutach zum Rhein entwässert. Nach Osten entwässert die Aitrach das Zollhausried zur Donau. Im digitalen Höhenmodell sind die Spuren der ehemaligen Torfstiche noch deutlich zu erkennen. Der Torfstich begann, nachdem der vor allem aus militärstrategischen Gründen zum Schutz des württembergischen Blumbergs im frühen 16. Jhd. angestaute Obere und Untere Weiher um 1790, als er seine Bedeutung verloren hatte, wieder abgelassen wurde. Mit dem Blumberger und dem Steppacher Damm wurde der gesamte Talboden des Zollhausrieds bis zu den Talflanken eingestaut. Der Steppacher Damm ist noch gut erhalten und vor Ort zu erkennen. Der Blumberger Damm ist zumindest noch im digitalen Höhenmodell recht gut zu erkennen. Der mittlere Damm, auf dem heute die B27 das Zollhausried quert, hatte immer die Funktion der trockenen Riedquerung, die auch zu Zeiten der aufgestauten Weiher immer möglich war.

Östlich der B27 ist der größte Teil des Zollhausrieds seit 1985 als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Dass Naturschutz nicht gleich Moorschutz ist, kann am Beispiel des Zollhausrieds gezeigt werden. Dem westlichen Teil des Rieds, der bis an den Stadtrand von Blumberg heranreicht, und in den sich die bebaute Stadtfläche schon mit Sportanlagen hineingeschoben hat, fehlt bis auf zwei am Nord- und Südrand ausgewiesene Biotope jeglicher Schutzstatus. Das mag vielleicht zur damaliger Zeit durchaus gängige städtebauliche Realpolitik gewesen sein. Oder aber das vom Torfstich verschonte Moor westlich der B27, das heute vollständig als Grünland genutzt wird, aber dessen Torfkörper noch weitestgehend ungestört erhalten geblieben ist, wurde unter dem Aspekt Naturschutz weit weniger bedeutend eingestuft als das Moor östlich der B27, das nach intensiver Torfstecherei heute moorkundlich betrachtet als stark gestört und in weiten Teilen sogar als zerstört einzustufen ist.

Weitere Moore in der Baar-Region

Die Moore östlich von Pfohren (3,1 km²) können in drei komplexe Moorbildungen gegliedert werden, die auf der wasserstauenden Schicht des Opalinustons in den weiten angedeuteten Muldentälern als Versumpfungsmoore aufgewachsen sind. Die Moore sind heute soweit entwässert, dass eine teilweise Grünlandnutzung möglich ist. Auch wenn diese Moore seit 1996 unter Naturschutz stehen, haben sie doch ihren einstmals natürlicher Zustand durch regellosen bäuerlichen Torfstich schon lange vor dieser Zeit auf großen Flächen verloren.

Das Dürbheimer Moos (0,52 km²), auch öfters Dürbheimer Ried genannt, liegt im Quellgebiet des zur Donau fließenden Faulenbachs und gehört streng genommen nicht mehr zu den Mooren auf der Baar. Da es aber in nicht allzu weiter Entfernung zur Baar liegt, sich ebenfalls im Bereich der Wasserscheide Rhein/Donau befindet und ansonsten in diesem geköpften Tal am Westrand der Schwäbischen Alb eine landschaftliche Besonderheit darstellt, wird es hier kurz erwähnt. Das Versumpfungsmoor ist in seinem nördlichen Teil, der 1976 wieder leicht eingestaut wurde, durch intensiven Torfstich zerstört. Der südliche Teil scheint heute als eher extensives Grünland genutzt zu werden. Das gesamte Moor wurde 1955 unter Naturschutz gestellt. Leider hält sich die Grenze des Naturschutzgebiets ziemlich genau an die Moorgrenze, so dass Nährstoffeinträge von den Rändern durch die umliegenden intensiv genutzten Flächen nur schwerlich durch geeignete Maßnahmen zu verhindern sind.