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Schwenninger Moos
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Schwenninger Moos
Blick vom Besucher-Lehrpfad auf die Moorflächen im südlichen Bereich des Schutzgebiets
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Bild: Schwenninger Moos (3) (Schwarzwald-Baar-Kreis)
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Anmoorige Flächen im Süden mit dichten Röhrichtbeständen, Gruppen von Moorbirken (Betula pubescens) und einzelnen Hängebirken (Betula pendula).

Schwenninger Moos:
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Schwenninger Moos

 
Bild: Schwenninger Moos (3) (Schwarzwald-Baar-Kreis)
Blick vom Besucher-Lehrpfad auf die Moorflächen im südlichen Bereich des Schutzgebiets
(© privat, Autor: M. Schempp)

Anmoorige Flächen im Süden mit dichten Röhrichtbeständen, Gruppen von Moorbirken (Betula pubescens) und einzelnen Hängebirken (Betula pendula).

 
Bild: Schwenninger Moos (Schwarzwald-Baar-Kreis)
Torfstich im Schwenninger Moos mit angehäuften Torfziegeln (Aufn. 1920)
(© LUBW, Autor: M. Reitz)

Getrocknete Torfziegel waren einst ein wichtiger und weit verbreiteter Brennstoff. Sie wurden zum Heizen im häuslichen und gewerblichen Bereich verwendet. Rohtorf wurde als sog. Brenntorf in Zuckerfabriken, Brennereien, und Brauereien eingesetzt. In Bayern wurden im 19. Jahrhundert sogar Dampflokomotiven mit Torf betrieben.

 
Bild: Schwenninger Moos und Kugelmoos, Höhenmodell
Schwenninger Moos und Kugelmoos bilden die Europäische Wasserscheide Rhein/ Donau
(© LGRB)

Die Reliefkarte (Höhenmodell) verdeutlicht, dass das Schwenninger Moos unmittelbar auf der Wasserscheide von Rhein und Donau lokalisiert ist. Die Wasserscheide war früher zugleich die Landesgrenze zwischen dem Königreich Württemberg und dem Großherzogtum Baden.

Das Schwenninger Moos ist das größte, bekannteste und am besten untersuchte Moor auf der Riedbaar. Zusammen mit dem benachbarten Kugelmoos hat es eine Fläche von 1,2 km². Es ist ein Verlandungsmoor, das vermutlich aus einer in Folge von Gipsauslaugung entstandenen Einsenkung aufgewachsen ist. Das Moor erstreckt sich heute beidseitig der Wasserscheide Rhein/Donau und bildet das Quellgebiet des Neckars. Da das oberirdische Einzugsgebiet im Bereich der Wasserscheide nur wenig randlichen Zufluss mit Nährstoffeintrag gewährt, konnte das Schwenninger Moos zu einem mehrere Meter mächtigen Hochmoor, das alleine von nährstoffarmen Regenwasser gespeist wird, aufwachsen. In jüngerer Zeit werden Hochmoore insbesondere in der Fachliteratur auch als Regenmoore bezeichnet.

Der heutige Zustand des Schwenninger Moos kann aus moorkundlicher Sicht nach zweihundert Jahren Torfstich als stark gestört bezeichnet werden. Das einstige ausladende Hochmoorschild ist nahezu vollständig dem Torfstich zum Opfer gefallen. Aus diesem Grunde ist heute das Schwenninger Moos im Moorkataster Baden-Württemberg als Niedermoor aufgeführt. Im Frühjahr 1946, es herrschte nach dem 2. Weltkrieg allenthalben Brennstoffmangel, wurde eine verbissen geführte Diskussion zwischen der Stadt Schwenningen und Vertretern des Forstamtes Rottweil zur abermaligen Freigabe des Schwenninger Moos zum vorübergehenden Torfabbau ausgetragen. Die Vertreter der Stadt Schwenningen wollten unter keinen Umständen das am 9.9.1939 durch Verordnung zum Naturschutzgebiet erklärte Schwenninger Moos einer weiteren Zerstörung preisgeben, da es ein erhaltenswertes „Kleinod" sei. In einem Aktenvermerk aus dem Jahre 1946 ist dazu eine Stellungnahme der Vertreter der Stadt Schwenningen im Duktus jener Zeit zu lesen:

"Das Moos ist durch jahrhundertelangen Torfstich seines Bleichmooses und Waldtorfs beraubt, heute ist nur noch Flachmoortorf mit geringem Brennwert vorhanden. Das Moos ist in gewisser Hinsicht nur noch eine Ruine."

(Zitat entnommen aus: Landesstelle für Naturschutz und Landschaftspflege Baden-Württemberg in Verbindung mit der Stadt Schwenningen am Neckar [Hrsg.]: Das Schwenninger Moos. - Der Neckarursprung: S. 36; Ludwigsburg, 1968.)

Die Forstverwaltung argumentierte dagegen, dass mit der Brenntorfgewinnung wertvoller Buchenhochwald in der Größenordnung von 50 ha pro Jahr geschont werden könne. Schließlich einigte man sich auf einen vorübergehenden Torfabbau ab dem 4.7.1947, der aber bereits Ende 1948 mit nachfolgender Begründung wieder eingestellt wurde:

„Maßgebend für die Entscheidung war die Tatsache, dass sich der Wasserspiegel im Naturschutzgebiet gesenkt hat, wodurch Flora und Fauna leiden; die mutwilligen Zerstörungen im Naturschutzgebiet, die der Torfstich außerhalb der für diesen Zweck freigegebenen Fläche mit sich bringt, sowie die Tatsache, dass durch die entstandene Unruhe das Wild fast gänzlich aus dem Naturschutzgebiet vertrieben wurde und Naturfreunde infolge des gesteigerten Betriebs zu keinem Naturgenuss mehr kommen. Dass sich die Brennstofflage noch nicht grundlegend gebessert hat, konnte gegenüber diesen Gründen nicht den Ausschlag für die weitere Zulassung des Torfstichs geben."

(Zitat wie oben, hier S. 53f). Die zitierte Monographie zum Schwenninger Moos gibt nicht nur den heute in der Landesverwaltung mit Naturschutz betrauten Bediensteten einen Einblick in die frühen Jahre des amtlichen Naturschutzes, sie hat darüber hinaus auch viele Zeitdokumente aus früherer Zeit zum Moorschutz und zur Moorkultivierung zusammengetragen, die auch heute noch lesenswert sind.