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Pfrunger Ried
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Pfrunger Ried
Pfrunger-Burgweiler Ried, Renaturierungsflächen
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Bild: Pfrunger-Burgweiler-Ried
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Blick ins Pfrunger-Burgweiler Ried. Im Vordergrund sind die Renaturierungsflächen im Bereich des Oberen Schnöden zu sehen. Hier wurde der Tiefenbach um ca. 60 cm angestaut, um eine Renaturierung der Flächen zu ermöglichen.

Pfrunger Ried:
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Pfrunger Ried zwischen Ostrach und Wilhelmsdorf

 
Bild: Pfrunger-Burgweiler Ried, Renaturierungen
Pfrunger-Burgweiler Ried, Renaturierungen
(© Autor: LUBW)

Blick von der Aussichtsplattform auf Renaturierungen im Pfrunger-Burgweiler Ried. Im Zuge der Renaturierung wurde der Wasserstand im Moorkörper durch technische Baumaßnahmen angehoben.

 
Bild: Ehemaliger Torfstich Pfrunger-Burgweiler Ried
Ehemaliger Torfstich im Pfrunger-Burgweiler Ried
(© Autor: LUBW)

Neben den großen Moorwäldern prägen die Wasserflächen der ehemaligen Torfstiche aus dem 19. und 20. Jahrhundert den Kernbereich des Pfrunger-Burgweiler Rieds.

 
Bild: Moorschwund Pfrunger Ried
Moorschwund im Pfrunger Ried
(© Autor: LGRB/LUBW)

Mittlerer jährlicher Moorschwund im Pfrunger Ried als gemessene Höhendifferenz zwischen 1952 (einzelne Nachmessungen bis 1955) und 2011 infolge von Entwässerungsmaßnahmen im 19. und 20. Jhd.; der Moorschwund beruht bei weit zurückliegenden Entwässerungsmaßnahmen auf Torfmineralisation und kann in CO2-Emission (Treibhausgas) umgerechnet werden; die abgeschlossenen Maßnahmen zur Moorrenaturierung werden auf lange Sicht den Moorschwund reduzieren.

 

Mit 25 km² ist das Pfrunger Ried nach dem Federseemoor das zweitgrößte Moor in Baden-Württemberg. Im Vergleich zum Federseemoor ist es jedoch in einem weit besseren Erhaltungszustand. Der bäuerliche Torfstich wurde, wie in allen Oberschwäbischen Mooren, bis in die 60er Jahre des letzten Jahrhunderts an vielen Stellen mehr oder weniger planvoll betrieben. Das ehemalige Torfwerk förderte hier noch bis Ende 1996 auf der Gemarkung Pfrungen und hatte nach mehr als 100 Jahren ca. 1,8 km² Abbaufläche hinterlassen, in der zahlreiche Torfseen mit zusammen 60 ha Wasserfläche liegen. Davon, dass Torf auch überregional ein begehrter Brennstoff war, zeugt die heute noch erhaltene Industrieruine der Torfbrikettfabrik am südlichen Rande von Ostrach, die mit einer Torfbahn (Spurweite 600 mm) aus dem Torfwerk im Pfrunger Ried in der Zeit zwischen 1897 und 1926 beliefert wurde und Gleisanschluss an die Strecke Schwackenreute - Altshausen der Großherzoglich Badischen Staatsbahnen hatte.

Im vergangen Jahrzehnt wurden im Pfrunger Ried größere Wiedervernässungs- und Renaturierungsmaßnahmen durchgeführt, die mittlerweile abgeschlossen sind. Ziel dieser Maßnahmen war, die großflächigen Eingriffe in den Moorwasserhaushalt zur Torfgewinnung und Verbesserung der Produktionsbedingungen für Land- und Forstwirtschaft soweit zurückzubauen, dass der auf die Moorentwässerung folgende Moorschwund künftig weitestgehend unterbunden wird und sich die natürliche Moorvegetation auf lange Sicht sich ihren einstigen Lebensraum wieder zurückerobern kann. Mehrere Biberfamilien, die sich seit einiger Zeit  hier angesiedelt haben, unterstützen quasi die Bemühungen des Naturschutzes, indem sie Bäume fällen und Dämme bauen.

Als größtes Moorrenaturierungsprojekt in Baden-Württemberg ist das Pfrunger Ried in die Liste der bedeutenden  Naturschutzgroßprojekte Deutschlands aufgenommen. Trägerin ist die Stiftung Naturschutz Pfrunger-Burgweiler Ried mit Sitz in Wilhelmsdorf. Eine Aufgabe im Naturschutzgroßprojekt Pfrunger-Burgweiler Ried ist die Erarbeitung eines Besucherkonzeptes. Das Ried soll für die Bevölkerung erlebbar sein, ohne die Natur zu beeinträchtigen. Bereits bei Beginn des Projekts (2002) konnten dort ca. 600 Schmetterlingsarten, 12 Fledermausarten und um die 100 Brutvogelarten nachgewiesen werden.

Geologie und Hydrologie

Die geologische Besonderheit des Pfrunger Rieds ist seine Lage in einem verlandeten würmzeitlichen Zungenbecken. Die zurückgebliebenen Zungenbecken aus der letzten Eiszeit liegen in der Regel südlich der Wasserscheide Rhein/Donau und leiten mit einem starken Gefälle von mehr als 200 Höhenmetern auf einer Distanz von etwa 20 Kilometern das Wasser aus der Landschaft schnell in den Bodensee (MW: 395 m NN) ab. Der schnelle Wasserabfluss unterbindet hier größere zusammenhängende Moorbildung. Eine andere Situation finden wir im Pfrunger Ried. Hier wurde das Zungenbecken gegen Ende der Würmeiszeit durch einen letzten kleinen Gletschervorstoß bis zum heutigen Ort Wilhelmsdorf mit Grund- und Endmoränenablagerungen plombiert. Der Bereich nördlich von Wilhelmsdorf führt deshalb sein Wasser über die Ostrach zur Donau ab. Allerdings mit deutlich geringerem Gefälle. Zwischen südlichem Pfrunger Ried (Eulenbruch: 615 m NN) und der Einmündung der Ostrach in die Donau bei Hundersingen (540 m NN) besteht auf eine Distanz von ca. 20 km ein Höhenunterschied von nur 85 m. Aufgrund des geringen Gefälles mäandrierte einst die heute in ihrer vollen Länge begradigte Ostrach. Das Tal der Ostrach versumpfte und es bildete sich ein etwa 4 km langes und 200 bis 500 m breites Talmoor zwischen dem Ortsteil Rosna (Stadt Mengen) und Hohentengen (Oberschwaben). Dieses Talmoor, im Moorkataster unter „Ostrachmoor" geführt, hat eine durchschnittliche Mächtigkeit von unter 1 m. Der Oberlauf der Ostrach zwischen Wilhelmsdorf und dem äußeren Endmoränenwall bei dem Ort Ostrach entwässert heute das Pfrunger Ried, das nach der Verlandung eines flachen Eisrandsees aufgewachsen ist.

Hinweise für Besucher: Seit 2013 bietet die Stiftung Naturschutz eine Wanderkarte mit vier Rundwegen durch das Pfrunger-Burgweiler Ried an. Diese sind über das gesamte Gebiet verteilt. Die Wanderwege sind mit gelben Schildern und dem Logo der „Wilden Moorlandschaft" gekennzeichnet. Beliebt sind die Besucherplattformen am Vogelsee, den Hundschen Teichen und dem Fünfeckweiher.

Übersicht:

1 Pfrunger Ried zwischen Ostrach und Wilhelmsdorf