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Federseebecken, Federseemoor
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Der Federsee (Ldkr. Biberach)
Federsee - Blick auf Bad Buchau
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Bild: Federsee - Bad Buchau (Ldkr. Biberach)
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In der späten Bronzezeit lag rund 2 km südöstlich der heutigen Stadt Bad Buchau eine vom Wasser umgebene, befestigte Siedlung, die heute sogenannte "Wasserburg".

Federseebecken, Federseemoor:
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Übersicht
 

Federseebecken und Federseemoor

 
Bild: Bodenexkursion 2005, NSG Federsee, Ldkr. Biberach
Blick in das Federseemoor (Aufn. 2005)
(© KIT, Autor: C. Düpmeier)

Auf insgesamt 2.920 ha finden sich hier besonders schutzwürdige Lebensräume wie kalkreiche Sümpfe, regenerierungsfähige Hochmoore, Übergangsmoore und Moorwälder. Daneben ist das Federseemoor Heimat bedeutsamer Populationen europaweit gefährdeter Tier- und Pflanzenarten (sog. FFH-Arten).

Begleitende Projekte sind neben Renaturierung und Wiedervernässung auch die Besucherlenkung sowie die Öffentlichkeitsarbeit. Die EU finanziert die Hälfte des Projektvolumens von 1,3 Millionen Euro und würdigt damit die internationale Bedeutung des Federseemoors als bedeutenden Lebensraum für seltene Tiere und Pflanzen. Intakte Moore wirken vielfältig auf die Umwelt. Die abgestorbenen Pflanzenreste sind Senken für Kohlenstoff und Nährstoffe und beeinflussen über die Bildung von Sumpfgas (Methan) auch unser Klima.

 
Bild: Federsee, historische und heutige Seegrenze
Federsee, historische und heutige Seegrenze
(© Autor: LGRB)

Das wassergesättigte Hochmoor stellte im Mittelalter für die Anwohner eine Gefahr dar. Im Frühjahr wurden die angrenzenden Felder regelmäßig durch große Wassermassen zerstört. Um dem Prozess entgegenzuwirken, wurden ab 1765 Abflussgräben gezogen und neue Flächen zur Kultivierung gewonnen. Der Wasserspiegel wurde abgesenkt. Der weitere Verlandungsprozess führte bis ins frühe 20. Jahrhundert zu einer Verkleinerung der Wasserfläche. Der trockengelegte Seeboden wurde in gleichmäßige Parzellen an die Bewohner der umliegenden Gemeinden aufgeteilt. Die Karte zeigt die Landaufteilung nach der Seefällung.

Das Federseebecken bei Bad Buchau wurde vom Rheingletscher in der vorletzten Eiszeit, der Rißeiszeit (300.000 -130.000 Jahre vor heute) von einer mächtigen Gletscherzunge ausgeräumt. Zurück blieb ein Dammsee*, der gegen Ende der letzten Eiszeit noch eine stattliche Größe von etwa 30 km² hatte und in der Folgezeit durch Verlandung und anschließender Moorbildung auf 11 km² eingeengt wurde. Gegen Ende des 18. Jh. begann man unter dem Aspekt der Landgewinnung den größten Moorsee im Königreich Württemberg mit zwei Seefällungen (1788/89 und 1808/09) gewissermaßen „abzulassen". Der heute vorhandene Restsee besitzt nur noch eine Fläche von 1,4 km². Die entwässerten Seeflächen brachten aber entgegen den Erwartungen nur wenig fruchtbare Böden zum Vorschein. Sie eigneten sich lediglich zur extensiven Grünlandnutzung. Brachte die Seefällung auch keinen landwirtschaftlichen Segen, war sie dennoch der Wegbereiter für die um 1850 planmäßig vorangetriebene Brenntorfgewinnung, die nach dem Anschluss von Bad Schussenried an die Südbahn sehr schnell industrielle Ausmaße annahm. Fern ab der Steinkohlevorkommen war Torf für mehrere Jahrzehnte der preisgünstigere Brennstoff für die Dampflokomotiven der Südbahn und für die Schwäbischen Hüttenwerke in Schussenried (heute: SHW Automotive GmbH).

Bis in die 1960er Jahre baute das Staatliche Torfwerk Schusseried kontinuierlich Torf ab. Dann waren nach 100 Jahren die Vorräte bis auf einen kleinen Rest erschöpft. Was heute als Federseemoor bezeichnet wird ist in großen Teilen eine begrünte Moorruine. Die Ausdehnung des einstmals großen Hochmoorschilds konnte wegen kompletter Abräumung bei der landesweiten Moorkartierung durch Prof. Göttlich im Jahre 1964 nicht mehr nachgewiesen werden. Ein Teil der Torfabbauflächen wurde mittlerweile aufgeforstet. Da der Torfabbau bis an den abgesenkten Moorwasserspiegel vorangetrieben wurde, wird heute die Bewirtschaftung des Grünlands von einem Schöpfwerk am Federbach sichergestellt, das den Moorwasserspiegel auf etwa 40 bis 80 cm unter Flur einregelt. Mit der Unterschutzstellung  des Federsees (1939,1994) und der Einleitung von Wiedervernässungsmaßnahmen (1996) konnten erste wichtige Schritte zum Erhalt der einzigartigen Moorlandschaft durch das Land umgesetzt werden.

Seit 1987 betreut das NABU-Naturschutzzentrum Federsee im Auftrag des Regierungspräsidium Tübingen das Federseemoor. Im Oktober 1999 konnte mit Unterstützung der EU und der Stadt Bad Buchau ein archäologischer Moorlehrpfad eingerichtet werden. Der Pfad führt zu den Originalschauplätzen der Forschungsarbeiten mitten durch das Schutzgebiet "Südliches Federseeried"


*) Glaziale Dammseen bilden sich dort, wo Schmelzwasser durch Moränenrücken aufgehalten bzw. aufgestaut wird.