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Egenhäuser Kapf mit Bömbachtal - Pflanzen und Tiere
Silberdistel (Carlina acaulis)
(Element 1 von 48: Bild)
Bild: NSG Egenhäuser Kapf (Ldkr. Calw)
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Die Gemeinde Egenhausen trägt in ihrem Wappen, die am Kapf landschaftstypische Silberdistel. Sie steht auch als Symbol für die Schafbeweidung.

Egenhäuser Kapf:
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Übersicht

Egenhäuser Kapf

 

Naturschutzgebiet Egenhäuser Kapf mit Bömbachtal - Silberdisteln und Kalkgestein

 
Bild: NSG Egenhäuser Kapf
Egenhäuser Kapf, stillgelegte Bohnerzgrube
(© M. Linnenbach)

Blick in die ehemalige Abbaustätte. Heute ein wichtiger Sekundärlebensraum.

 
Bild: NSG Egenhäuser Kapf (Ldkr. Calw)
Verwitterte Muschelkalkwand am Kapf
(© M. Linnenbach)

In den stark verwitterten Gesteinsschichten wurde früher Bohnerz abgebaut. Heute stellen die Spalten und Klüfte ideale Lebensräume für Reptilien und Wildbienen dar.

 
Bild: Beweidung mit Hausschafen, Egenhäuser Kapf
NSG Egenäuser Kapf, traditionelle Beweidung mit Hausschafen (Ovis orientalis aries)
(© M. Linnenbach)

Seit vielen Jahren beweidet ein Schäfer mit seiner Herde im Hutebetrieb die ökologisch wertvollen Kalk-Magerrasen am Kapf (Aufn. 2015).

 
Bild: NSG Egenhäuser Kapf (Ldkr. Calw)
Angrenzende Freizeitanlage Kapf
(© LUBW, Autor: M. Linnenbach)

Träger der Anlage ist das Evangelische Jugendwerk Württemberg.

Kontakt: Tel: 07453 95610 - Fax: 07453 9561 20

Das 1992 ausgewiesene Naturschutzgebiet im Oberen Nagoldtal erhebt sich am östlichen Ortsrand Egenhausen in östliche Richtung über den langgestreckten Höhenzug des Kapfs bis zum Sattel an der Straße von Walddorf nach Altensteig (s. Karte). Der Höhenzug ist geprägt von einer Muschelkalkstufe, die sich über den Plattensandstein des Oberen Buntsandsteins, der im Untergrund ansteht, abgelagert hat.

Blickt man vom Egenhäuser Kapf nach Westen (Egenhausen, Altensteig) erkennt man die ansteigenden, bewaldeten Schwarzwaldrandplatten, Schaut man nach Osten, eröffnet sich der Naturraum der Oberen Gäue. Der Kapf verbindet somit diese beiden bedeutenden baden-württembergischen Naturräume.

Im Zentrum des Schutzgebiets, nahe dem evangelischen Sport- und Freizeitheim, befindet sich in einer tiefen Mulde eine stillgelegte Bohnerzgrube, in der über längere Zeit der anstehende Muschelkalk mit seinen erzhaltigen Einschlüssen (Eisen-Mangan) abgebaut wurde. Bohnerze entstehen, wenn durch intensive Verwitterung Eisen in sauren Wässern gelöst wird und anschließend eine Ausfällung, wie hier in den abgelagerten Kalkschichten, erfolgt. Bohnerz ist für die Verhüttung ideal, da es leichter und schneller schmilzt als herkömmliche Eisenerze. Am Kapf findet sich noch eine weitere Abbaustätte. Im Südosten, unmittelbar an der K 4339, liegt ein stillgelegter Kalksteinbruch, der allerdings nur noch als Deponie genutzt wird. Neben der Bohnerzgrube war diese Abbaustätte früher eine wichtige Einnahmequelle für Egenhausen (s. Ortschronik Egenhausen).

Das heutige Landschaftsbild am Egenhäuser Kapf ist geprägt von den Einflüssen jahrhundertelanger Nutzung und Bewirtschaftung, insbesondere durch Beweidung. Der zeitlich begrenzte, aber stets wiederkehrende Weidegang sowie das selektive Fressverhalten der Weidetiere (Schafe und Ziegen) haben über lange Zeit eine bestimmende Auslesefunktion auf die Lebensgemeinschaften der Pflanzen und Tiere bewirkt. So entstand auf den Flächen eine gewisse Einförmigkeit und Einheitlichkeit in der Artenzusammensetzung. Wichtigste Voraussetzungen für diese Arten sind: dem einschneidenden Eingriff des sich in ihrem Lebenszyklus beliebig oft wiederholenden Schafbisses widerstehen zu können bzw. dem gewachsen zu sein.

Zu den weideresistenten Gräsern gehören Schafschwingel, Aufrechte Trespe, Fiederzwenke, Schillergras und das Zittergras.Weitere nektar- und pollenspendende Schmetterlingsblütler sind ebenso diesen extremen Lebensbedingungen angepaßt: Der gelbblühende Gewöhnliche Hornklee, Hufeisenklee, die Dornige und die Kriechende Hauhechel (s. Bildergalerie). Darüber hinaus finden sich Flügelginster, das seltene zweihäusige Katzenpfötchen sowie die rosarot blühende Futter-Esparsette.

Die Blütenpracht der Trockenrasen beginnt im Frühjahr mit dem gelbblühenden Frühlings-Fingerkraut, gefolgt vom blaublütigen Frühlingsenzian. Im Sommer treten die giftige Zypressen-Wolfsmilch, die Ästige Graslilie, das Gelbe Sonnenröschen und der Wilde Dost die Nachfolge an. Im Spätsommer entfalten die Karthäuser-Nelke und die Kleine Bibernelle ihre Schönheit, um dann im Herbst dem Deutschen Enzian und dem Fransen-Enzian den Vortritt zu lassen. Von dem Blütenreichtum leben Tagfalter wie das Weißbindige Wiesenvögelchen, der Hainveilchen-Perlmutterfalter, der Ehrenpreis-Scheckenfalter sowie das Purpur-Widderchen und das Veränderliche Widderchen als Vertreter der Nachtfalter. Die ausgedehnten Heckenzüge an den Kanten und Böschungen am Stufenrand des Muschelkalkes bestehen aus Schlehen-Liguster-Rosen-Gesellschaften bzw. aus den hochwüchsigen Haselhecken. Hier nisten bevorzugt Neuntöter, Zaunkönig und Dorngrasmücke.

Ein wesentliches Element des Schutzgebiets ist der im Südosten gelegene Muschelkalk-Steinbruch, der allerdings nicht öffentlich zugänglich ist. Offene Felsformationen, Geröll- und Schutthalden sowie mehrere Kleingewässer mit wechselndem Wasserstand sind ideale Lebensräume. Hier haben einige seltene und gefährdete Säugetier-, Amphibien- und Reptilienarten überlebt, deren Vorkommen z. T. einmalig für den Landkreis Calw ist, wie z. B. der Kleine Abendsegler und die Bartfledermaus, die Schlingnatter, die Kreuzkröte und die Wechselkröte. Aufgrund dieser bedeutenden Vorkommen bedarf es hier besonderer Schutz-, Entwicklungs- und Pflegemaßnahmen, um die Erhaltung dieses speziellen Lebensraumes auch langfristig sicherstellen zu können.

Weitere wertvolle Lebensräume bieten die alten Streuobstwiesen am Ortseingang von Egenhausen und im westlichen Teil des Naturschutzgebietes die steinigen, flachgründigen und extensiv bewirtschafteten Ackerflächen und die großflächigen Wirtschaftswiesen.

Hinweise für Besucher: Von einem Rundwanderweg aus bietet der Egenhäuser Kapf ein eindrucksvolles Naturerlebnis mit zahlreichen Aussichtspunkten über die Wälder des Nordschwarzwaldes im Westen und die Gäulandschaften im Osten. Mehrere Infotafeln machen den Besucher auf die besondere Tier- und Pflanzenwelt der unterschiedlichen Lebensräume aufmerksam.