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Moosalbtal - Seltene Arten
Gewöhnlicher Teufelsabbiss (Succisa pratensis) - Blume des Jahres 2015
(Element 1 von 33: Bild)
Bild: Teufelsabbiss (Succisa pratensis), Blüte
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Moosalbtal:
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Übersicht
 

Im Moosalbtal - von Fischweier nach Moosbronn

 
Bild: Moosalb, Ldkr. Rastatt
Die Moosalb im NSG Albtal und Seitentäler (Aufn. 2015)
(© LUBW, Autor: R. Kober-Moritz)

Naturnaher, unverbauter Lauf der Moosalb. Erlen und Eschen folgen der Uferlinie.

 
Bild: Blick  auf das Moosalbtal, Ldkr. Rastatt
Weitläufige Wiesenflächen prägen das Moosalbtal (Aufn. 2015)
(© LUBW, Autor: R. Kober-Moritz)
 
Bild: Wanderweg entlang der Moosalb
Wanderweg entlang der Moosalb (Herbst 2015)
(© LUBW, Autor: R. Kober-Moritz)
 
Bild: Moosbron, Ldkr. Rastatt
Blick auf Moosbronn (Aufn. 2015)
(© LUBW, Autor: R. Kober-Moritz)

Moosbronn gehört zusammen mit Mittelberg zum Gaggenauer Stadtteil Freiolsheim. Die frühere Landesgrenze zwischen dem Großherzogtum Baden und dem Königreich Württemberg verlief hier mitten durch den Ort. Eigentlich ist egal es zu welcher Jahreszeit man nach Moosbronn kommt, der Weiler mit der Wallfahrtskirche „Maria Hilf“ verzaubert immer wieder von neuem. Blühende Obstbäume, bunte Wiesen, rot schimmerndes Laub oder glitzernder Schnee bilden über das Jahr hinweg abwechslungsreiche Kulissen.

Die Moosalb ist ein ca. 10 Kilometer langer Mittelgebirgsbach im Nordschwarzwald, der westlich der Gemeinde Fischweier in die Alb mündet. Das von ihr geschaffene Tal ist Teil des Naturschutz- und FFH-Gebietes „Albtal und Seitentäler", sowie des Landschaftsschutzgebiet „Albtalplatten und Herrenalber Berge". Die Albtalplatten bilden hier nordöstlich des Unteren Murgtals eine tektonische Treppe, die sanft Richtung Eisingen und Bauschlotter Platte zur Kraichgausenke hinunterführt. Zum Rheingraben dagegen fallen sie im Westen mit einer im Mittleren Buntsandstein liegenden Bruchstufe steil ab. Geologisch und kulturgeografisch bilden die Albtalplatten eine Übergangszone zwischen dem Buntsandstein-Schwarzwald im Süden und dem lößbedeckten Kraichgau im Norden. Zur dominierenenden Formation des Buntsandsteins tritt nördlich von Bad Herrenalb als Besonderheit noch das Rotliegende zutage. Die aufgeschlossenen Schichten zeigen sich an den steilen Talflanken der Alb.

Im Moosalbtal sind vor allem die Wässerwiesen sehenswert. Die einst vom Menschen geschaffene Kulturlandschaft wird, trotz längerer Nutzungsaufgabe (ca. seit 1960), noch immer durch eine hohe Biodiversität geprägt. Jedoch sind die typischen Pflanzen- und Tiergesellschaften selten geworden. Vor allem außerhalb des Naturschchutzgebiets gehen vielerorts die nährstoffarmen und artenreichen Wiesenflächen durch Düngung und Einsatz von Pestiziden verloren. Auf den geschützten Feuchtwiesen an der Moosalb dagegen wird derzeit durch den amtlichen Naturschutz die historische Landschaftspflege beispielhaft weiter betrieben, um diesen Lebensraum mit seinem Arteninventar weitgehend in seinem ursprünglichen Zustand zu erhalten.

Besonders gut lassen sich die Wässerwiesen bei einer Wanderung von Fischweier nach Moosbronn besichtigen. Am Rand des ca. 11 km langen Weges liegen die Wiesenflächen und die verlandeten Grabenstrukturen entlang der Moosalb. Im Sommer sind vor allem die Pfeifengraswiesen um die Weimersmühle sehenswert. Auf ihnen wachsen seltene Pflanzen wie der Teufelsabbiss und das Gefleckte Knabenkraut, das zu den Orchideen gehört. Auf den ungedüngten Wiesen trifft man viele Falterarten, wie zum Beispiel den Großen Feuerfalter (Lycaena dispar), den Helle Wiesenknopf-Ameisen-Bläuling (Phengaris teleius) und den Dunklen Wiesenknopf-Ameisen-Bläuling (Phengaris nausithous) - s. Bildergalerie. Die Tagfalter sind durch die FFH-Richtlinie der EU als gefährdete und europaweit geschützte Arten deklariert. Daher dürfen die Wiesen im Schutzgebiet auch nicht vor September gemäht werden. Eine frühere Mahd würde die Nahrungsgrundlage (Großer und Kleiner Wiesenknopf, Skabiosen) der Bläulinge und anderer blütenbesuchender Insekten vernichten.

Auch der Sumpfgrashüpfer (Chorthippus montanus) ist hier inzwischen selten. Das Insekt steht auf der Vorwarnliste der gefährdeten Heuschrecken Baden-Württemberg. Er bevorzugt insbesondere die feuchten, halbhohen Wiesenflächen des Moosalbtals. Zahlreiche seltene Vogelarten brüten hier, wie z. B. die Wasseramsel, die ihre Nester unmittelbar in Gewässernähe baut. In de letzten Jahren wurden mehrere Horste des Rot-Milans in den umliegenden Buchenwäldern entdeckt. Die geschützten Greifvögel benötigen zur Jagd offene Flächen und für die Brut hohe, alte Bäume. Sogar Schwarzstörche (Ciconia nigra) wurden im Albtal gesichtet, im Gegensatz zum Weißstorch sind diese sehr scheu und suchen ihre Brutplätze in dicht geschlossenen Wäldern mit Zugang zu Gewässern.

Selten gewordene Säugetierarten sind im Tal der Moosalb ebenfalls beheimatet. Eine Vielzahl von Mäusen (Waldspitzmaus, Schabrackenspitzmaus, Wasserspitzmaus), die unter den Begebenheiten der modernen Landwirtschaft keine Lebensgrundlage mehr haben, bietet das Tal Zuflucht. Die Feldermausarten, Bechsteinfledermaus und Großes Mausohr haben im Moosalbtal, ebenfalls ihre Heimat, beide sind FFH-Arten und ebenfalls europaweit geschützt. Vor allem die Bechsteinfledermaus ist inzwischen selten geworden, da sie ruhige, abgelegene Wälder zur Aufzucht ihrer Jungtiere benötigt. Doch die massive holzwirtschaftliche Nutzung der Wälder hat inzwischen dazu geführt, dass der Höhlenreichtum und damit die Anzahl der Quartiere rapide abgenommen haben.

Mehrere Amphibienarten fühlen sich im Moosalbtal besonders wohl. In den sauberen, kühlen Seitenarmen des Mittelgebirgsbachs kann man an strömungsschwachen Stellen Feuersalamander-Larven finden. Erwachsene Exemplare leben tagsüber versteckt und sind nur nach Regenfällen zu sehen. Der Feuersalamander (Salamandra salamandra, Vorwarnstufe der Roten Liste BW, keine FFH-Art) ist vor allem durch Kahlschläge und Aufforstung von Nadelhölzern gefährdet. Im zeitigen Frühjahr zeigen sich Grasfrösche und Bergmolche, die in der Moosalb ihr Laichgeschäft vollziehen.

Die schnellfließende Moosalb bietet auch seltenen Fischen und Rundmäulern einen idealen Lebensraum, darunter auch einigen FFH-Arten. So wurden in den Jahren 2001 - 2012 zahlreiche Lachsfänge registriert. Am Anfang des 20. Jahrhunderts, gingen die Populationen des Atlantischen Lachses (Salmo salar) hier stark zurück. Grund dafür war das Eingreifen des Menschen in das Ökosystem des Flusses sowie eine starke Überfischung. Die Moosalb eignet sich für diese Fische sehr gut zum Laichen. Auch die Groppe (Cottus gobio) und die Bachforelle kann man in den strömungs- und sauerstoffreiche Fließgewässern finden. In ihrem Lebensraum ist sie auf vielfältige Substrate wie Kies, Totholz und Wurzeln angewiesen, da sie die Gewässersohle bewohnt. Auch Bachneunaugen (Lampetra planeri) leben in den Seitenarmen der Moosalb. Die meiste Zeit ihres Lebens verbringen sie als augenlose Larve (auch Quedern) eingegraben in sandig-schlammigen Ablagerungen am Grund des Baches. In den untersuchten Sandablagerungen der Moosalb wurden zahlreiche Queder gefunden.

Auch kulturhistorisch ist der Wanderweg interessant. So landet man am Ende der Wanderung im kleinen, idyllischen Wallfahrtsort Moosbronn mit seiner berühmten Wallfahrtskirche „Maria Hilf!". Die Wanderung durch das Moosalbtal ist aufgrund der meist unbefestigten Wege nicht barrierefrei.

Hinweise für Besucher: Anfahrt mit der Albtalbahn von Karlsruhe über Ettlingen nach Bad-Herrenalb-Kullenmühle (33 min.) und von dort mit dem Regionalbus (RB 113) nach Moosbronn (11 min.). Mit dem Pkw von Karlsruhe bzw. von der A5 Ausfahrt Ettlingen über Ettlingen und Fischweier nach Moosbronn. Rückfahrt mit der S1 von Fischweier über Ettlingen nach Karlsruhe (24 min.) oder nach Bad-Herrenalb-Kullenmühle und mit dem RB 113 zurück zur Moosbronner Kirche (insgesamt rund 30 min.).