Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg
Umweltinformationssystem BW
Grundgebirgs-Schwarzwald
Karte
Kartenlegende
Wählen Sie aus:
Suche
Suche in …
Landschaften im Grundgebirgsschwarzwald II
Grünlandwirtschaft am Talausgang des Zastlertals bei Oberried
(Element 1 von 22: Bild)
Bild: TP_BGL1_160 Grünlandwirtschaft am Talausgang des Zastlertals
Erstes Element Vorheriges Element Bild vergrößern Nächstes Element Letztes Element
Grundgebirgs-Schwarzwald:
Weitere Informationen
 

Grundgebirgs-Schwarzwald

Vorherige Seite Nächste Seite
 

Bodennutzung einst und heute

 
Bild: TP_BGL1_059 Durbachtal
Blick vom Staufenberg ins Durbachtal und links hinten zum Mooskopf (Buntsandstein)
(© Autor: K. Rilling)

Normalerweise bringt man den Schwarzwald nicht als erstes mit Weinbaugebieten in Verbindung. Besonders im Weinbaubereich Ortenau, wie hier bei Durbach, werden aber weite Bereiche der klimatisch begünstigten unteren Grundgebirgshänge weinbaulich genutzt. Die hohe Durchlässigkeit und das geringe Wasserspeichervermögen der überwiegend granitischen Böden werden durch die hohen Niederschläge ausgeglichen.

 

 

 
Bild: TP_BGL1_095 Weidfelder östlich von Wieden
Weidfelder östlich von Wieden
(© Autor: K. Rilling)

Die Weidfelder sind ein typisches Landschaftselement der Hochlagen des Südschwarzwalds. Die früheren gemeinschaftlich genutzten Allmendweiden sind auch heute oft noch Gemeinde- oder Genossenschaftseigentum. Der Artenreichtum auf kleinräumig wechselnden Standortsverhältnissen mit Fels- und Schuttböden sowie mit vernässten Hangmulden und Humusbraunerden machen die extensiv genutzten Weideflächen zu wertvollen Ökosystemen.

 
Bild: TP_BGL1_062 Waldkalkung bei Triberg
Waldkalkung auf versauerten Granit-Böden bei Triberg
(© LGRB, Autor: K. Rilling)

In unzugänglichen Gebieten werden Waldkalkungen mit dem Hubschrauber vorzugsweise mit schwach befeuchtetem Dolomitkalk durchgeführt. Man versucht damit den durch die Bodenversauerung bedingten Waldschäden entgegenzutreten. Die langsame Versauerung der Böden ist ein natürlicher Prozess. Die Braunerden aus basenarmen Ausgangsgesteinen des Schwarzwaldes haben von Natur aus niedrige pH-Werte. Kommen nutzungs- und immisionsbedingte Faktoren dazu (frühere Streuentnahme, Fichtenmonokulturen, "saurer Regen"), welche die Versauerung weiter fördern, hat dies negative Auswirkungen auf die Bodeneigenschaften und das Waldwachstum (Nährstoffverarmung, Zerstörung des Bodenlebens...).

Wein, Wald, Wiesen und Weiden

Das zu 66 % bewaldete Mittelgebirge Schwarzwald hat seinen Namen von den ausgedehnten Wäldern, insbesondere den dunklen Nadelwäldern. Im frühen Mittelalter, als der Schwarzwald seinen Namen erhielt, war jedoch der Nadelholzanteil noch nicht so hoch und der Schwarzwald damit sozusagen weniger schwarz als heute. Die heutige Baumartenzusammensetzung der Wirtschaftswälder ist größtenteils durch den Menschen bedingt. Den höchsten Wald- und Nadelholzanteil findet man auf den nährstoffarmen Böden des Buntsandsteinschwarzwalds. Der Grundgebirgsschwarzwald ist dagegen in weiten Bereichen eine offenere und abwechslungsreichere Landschaft mit einem hohen Anteil an Wiesen und Weiden. In vielen Bereichen, v. a. am klimatisch begünstigten westlichen Anstieg, finden sich Laub- und Mischwälder an die sich in den tieferen Lagen im Übergang zur Vorbergzone Obstwiesen und Weinberge anschließen.


Der Mensch hat den Schwarzwald wegen des raueren Klimas im Vergleich zu den umgebenden Landschaften sehr viel später und in geringerem Maße verändert. Dennoch handelt es sich bei dem im Wesentlichen seit dem Mittelalter besiedelten Mittelgebirge um eine alte Kulturlandschaft, auch wenn in Tourismusbroschüren oft der Eindruck vermittelt wird, dass in der äußerst beliebten Urlaubsregion nahezu unberührte Natur zu finden ist. Die Menschen haben seit jeher durch unterschiedlichste Nutzungsarten in die Schwarzwaldlandschaft eingegriffen, was nicht zuletzt auch Auswirkungen auf die Böden hatte. Dabei gibt es sicherlich regionale Unterschiede zwischen den dünn und spät besiedelten höchsten Lagen des Südschwarzwalds und den Tallandschaften und tief gelegenen Randzonen, die schon früher genutzt wurden.

Der hohe Bedarf an Brennmaterial und Baustoff führte dazu, dass der Schwarzwald bis zur Einführung der geregelten Forstwirtschaft in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in weiten Bereichen entwaldet war. Große Städte wie Basel, Freiburg, Straßburg und Karlsruhe wurden mit Brennholz aus dem Schwarzwald versorgt, das durch Wildflößerei (Trift) die Flüsse hinabtransportiert wurde. Auch der mittels Langholzflößerei betriebene Export von Bauholz hatte im Mittel- und Nordschwarzwald ausgedehnte entwaldete Flächen zur Folge. Eine Naturverjüngung wurde durch anschließende Beweidung vielfach verhindert. An den steilen Talhängen förderte dieser Raubbau die Bodenerosion. Große Holzmengen wurden u. a. zur Herstellung von Holzkohle benötigt, die wiederum in den vielen Bergbaurevieren des Schwarzwalds zur Verhüttung verwendet wurde oder in den zahlreichen Glashütten zum Einsatz kam. Daneben hatten auch Waldweide und Streuentnahme negative Auswirkungen auf den Nährstoffhaushalt der Waldböden. Die früher autark wirtschaftenden Schwarzwaldhöfe besaßen Flurstücke an steilen Hängen, an denen Ackerland im mehrjährigen Rhythmus mit Grünland, Brache oder Niederwald abwechselte. Von unbewachsenen Flächen konnte bei Starkregenereignissen Bodenmaterial abgeschwemmt werden, das z. T. von den Bauern in mühevoller Arbeit wieder den Hang hinauf getragen wurde. Heute findet sich ackerbauliche Nutzung fast nur noch in begünstigten Hochflächenlagen des Hotzenwalds oder in den tiefsten Lagen auf Terrassenflächen der breiteren Täler. Entlang der landwirtschaftlich genutzten Hänge wurden früher oft Grabensysteme angelegt, die der Wiesenwässerung dienten. Diese hatte unter anderem den Effekt, dass das Grünland im Frühjahr früher schneefrei war und im Sommer bewässert wurde. Wo die Bäche Abwasser oder mineralisches Bodenmaterial mitführten, gab es auch einen Düngeeffekt und eine Sedimentation von Bodenmaterial auf den Wiesen.

Auf beweideten Flächen können Trittschäden die Grasnarbe verletzen und so Ansatzstellen für die linienhafte Erosion schaffen. Ein ähnliches Problem gibt es heute in den beliebten Gipfelregionen des Feldbergs und Belchens, verursacht durch Touristen, die die ausgeschilderten Wege verlassen.
Der im Grundgebirgs-Schwarzwald seit der Römerzeit weit verbreitete Bergbau hatte durch die Aufschüttung von Halden in der Umgebung der Betriebe Bodenveränderungen zur Folge. Ein Problem stellen heute die aus den Halden und Verhüttungsrückständen ausgeschwemmten Schwermetalle dar, die von Fließgewässern weiter transportiert und mit den Auensedimenten in den Überschwemmungsbereichen der Täler wieder abgelagert wurden.
Die dominierende Baumart bei der Aufforstung des Schwarzwaldes war lange Zeit die Fichte, die als Nadelbaum eine schwer zersetzbare Streu liefert, welche die Bodenversauerung fördert. Verstärkt wurde die Waldbodenversauerung durch die immisionsbedingten sauren Niederschläge seit dem Beginn des Industriezeitalters. Während die Sulfatbelastungen (aufgrund von Schwefeldioxidemissionen) vor allem aus Industrie und Gewerbe inzwischen stark reduziert werden konnten, bewegen sich die Stickstoffeinträge weiterhin auf hohem Niveau. Der durch die Waldbodenversauerung hervorgerufenen Verschlechterung der Bodenqualität versucht man mit Waldkalkungen zu begegnen.