Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg
Umweltinformationssystem BW
Grundgebirgs-Schwarzwald
Karte
Kartenlegende
Wählen Sie aus:
Suche
Suche in …
Landschaften und Böden im Südschwarzwald
Gipfelregion des Feldbergs im Sommer 2006
(Element 1 von 25: Bild)
Bild: Gipfelregion des Feldbergs im Sommer 2006
Erstes Element Vorheriges Element Bild vergrößern Nächstes Element Letztes Element

Man blickt nach Westen über die Gipfelregion des Feldbergs und über den Oberrheingraben hinweg bis zum Schwestergebirge des Schwarzwalds, den Vogesen. Hinten links ist der Belchen zu erkennen. Der Feldbeg besitzt drei Gipfel: links den Seebuck (1448 m NN), rechts hinten der Höchsten (1493 m NN) und schräg rechts davor der Baldenweger Buck (1460 mNN). Im vorderen Bereich ist der Feldsee zu sehen, ein Karsee mit steiler, felsiger Rückwand. Zwischen dem Feldsee und dem weiter vorne zu sehenden Raimartihof befindet sich das Feldseemoor.

weiterführende Literatur: Regierungspräsidium Freiburg (Hrsg.) 2012: Der Feldberg - supalpine Insel im Schwarzwald. - Ostfildern. Jan Thorbecke Verlag

Grundgebirgs-Schwarzwald:
Weitere Informationen
 

Grundgebirgs-Schwarzwald

Vorherige Seite Nächste Seite
 

Böden im Südschwarzwald

 
Bild: TP_BGL1_016 Im Präger Gletscherkessel
Im Präger Gletscherkessel
(© Autor: K. Rilling)

Der Blick geht vom Prägtal in das Tal des Hinteren Wildbodenbächles. Der gesamte Talkessel wurde in der letzten Eiszeit von mächtigen Gletschern ausgeschürft. Harte Gesteine, wie die karbonzeitlichen Vulkanite im Vordergrund sind dabei als Felsen stehen geblieben. Im Hintergrund rechts ist der Hochkopf (1263 m NN) zu sehen, auf dem sich ein Aussichtsturm befindet.

 
Bild: TP_BGL1_043 Weidbuche im Südschwarzwald
Alte Weidbuche im Südschwarzwald, südlich von Horben
(© Autor: K. Rilling)

Die Buche steht auf einer Braunerde aus gneisähnlichen Gesteinen (Diatexite). Die charakteristische Wuchsform der Weidbuchen ist eine Folge des Verbisses durch die Weidetiere im Jugendstadium des Baumes.

 
Bild: TP_BGL1_099 Blick zum Feldberg
Blick zum Feldberg von Nordwesten
(© Autor: K. Rilling)

Im Vordergrund liegen Flasergneisblöcke im Gipfelbereich des Toten Manns (1298 m NN). Typisch sind die in nordostexponierten Hangnischen liegenden Schneeflecken, die sich dort bis in den Sommer hinein halten können. Oft ist der Feldberggipfel aber um diese Jahreszeit, Ende Mai, noch von einer großen Schneekappe überzogen.

Wo der badische Riesenregenwurm zuhause ist

Die für den Nordschwarzwald und Mittleren Schwarzwald beschriebenen Bodenverhältnisse gelten in groben Zügen auch für den Südschwarzwald. Zusätzlich kommen dort weitere Besonderheiten vor:

Einen eigenen Landschaftscharakter haben die Tallandschaften des ehemals vergletscherten Hochschwarzwalds. Die verbreitet vorkommenden Moränensedimente können unterschiedlich zusammengesetzt sein. Auf sandig-lehmigen Sedimenten entwickelten sich vorwiegend Braunerden und podsolige Braunerden, während auf sandigem und grob-blockigem Material eher Podsol-Braunerden und Podsole mit Rohhumusauflage vertreten sind. Typischerweise wechseln diese Böden kleinräumig mit grund- und stauwasserbeeinflussten Böden in den Hohlformen (Stagnogley, Gley, Anmoorgley). Stauender Untergrund ist dabei die vom Gletscher abgehobelte Felsoberfläche. Aber auch die Moränensedimente selbst können dicht gelagert und schwer wasserdurchlässig sein. Oft werden die glazialen Hohlformen von Mooren eingenommen. Bei den größeren von ihnen, wie z. B. beim Hinterzartener Moor, wird Niedermoor im Randbereich von Übergangsmoor und Hochmoor im Zentrum abgelöst.

Ein wichtiger Mitgestalter der Böden im Hochschwarzwald ist im Tierreich zu suchen. Es handelt sich um einen Regenwurm, der den Namen „Lumbricus badensis" trägt. Er ist ein sogenannter Neoendemit, der nur im Südschwarzwald vorkommt und sich dort in einem relativ kurzen Evolutionszeitraum seit dem Ende der letzten Eiszeit entwickelt hat. Außergewöhnlich im Vergleich zu anderen mitteleuropäischen Regenwürmern ist seine Größe. Er kann bis zu 60 cm lang und 35 g schwer werden. Er gehört zu den tiefgrabenden Regenwürmern und baut Wohnröhren, die bis in 2,50 m Tiefe reichen können. Seine Größe ermöglicht es dem Lumbricus badensis mit sauren Waldböden, schwer zersetzbarer Nadel- und Heidelbeerstreu und dem kühl-feuchten Hochlagenklima zurechtzukommen. Seine Aktivitäten haben einen schnellen Streuumsatz und den Einbau der organischen Substanz in den Mineralboden zur Folge. Häufig findet sich im Wald daher die Humusform Mull, die auf sauren Braunerden in diesen Hochlagen eigentlich nicht zu erwarten wäre. Das heißt die Pflanzenstreu reichert sich nicht als Moder oder Rohhumus an der Oberfläche an, sondern wird mit dem Mineralboden vermischt. Typisch für die verbreitet auftretenden Humusbraunerden ist ein mächtiger humoser Oberboden sowie viele dunkle humose Flecken im Unterboden, die eine Folge des Zusammenwirkens von Wurmröhrenbau und Wurzelwachstum über längere Zeiträume sind. Dazu kommen die oft bis in große Tiefe reichenden aktuellen, mit Humus ausgekleideten Wurmröhren. Wo große Regenwurmdichten vorhanden sind, gibt es auch oft viele, im Wald sonst eher seltene Maulwürfe, die den Würmern nachstellen. Ihre grabende Tätigkeit hat eine weitere Durchmischung des Bodens zur Folge. Wo die Humusbraunerden tief entwickelt und nicht allzu steinig sind, handelt es sich wegen des lockeren Bodengefüges um gute Waldböden mit günstigem Wasser- und Lufthaushalt.

Stärker podsolierte Böden kommen im Südschwarzwald im Bereich der grobkörnigen Granite (Bärhalde-Granit, Schluchsee-Granit) im Umkreis von 5–10 km um den Schluchsee vor (Podsol-Braunerde bis Podsol). Humose Böden im Verwitterungsmaterial dieser Granite zeigen aber, dass Lumbricus badensis auch diese Standorte besiedelt. Bei stark gefleckten Podsolen, die große humose Abschnitte im Unterboden besitzen, wird angenommen dass diese Böden früher von Lumbricus badensis geprägte humose Braunerden waren. Bedingt durch mehrere Generationen Fichtenreinanbau, setzte die starke Podsolierung demnach erst später ein.

Wo die Gletscher und Schmelzwasserflüsse steile Hänge geschaffen haben, kommen in harten Gesteinen oft Felsbildungen mit hangabwärts anschließenden, z. T. baumfreien Blockschutthalden vor. Dort sind Böden verbreitet, bei denen über dem Fels oder Schutt nur eine dünne Humusauflage liegt (Ranker, Regosole, Syroseme, Fels- und Skeletthumusboden). Solche Bereiche sind z. B. an steilen, von Kargletschern geformten Hängen der Hochlagen zu finden, aber auch in den vom Feldberggebiet zur Dreisam führenden Täler (Höllental, Zastlertal usw.) sowie in den zum Hochrhein gerichteten Talschluchten (Alb, Schwarza). Mancherorts sind die scheinbar aus reinem Gesteinsmaterial bestehenden Schutthalden von hohen Bäumen bewachsen. Was sich dadurch erklärt, dass es sich um einen sehr jungen, geringmächtigen Schutt handelt, der die zuvor gebildete Braunerde überlagert, welche genug Wurzelraum für die Bäume bietet.

Die Talmulden der gefällsarmen Hochflächen im Süden, im Hotzenwald, sind meist vernässt (Anmoorgleye, Gleye) oder vermoort. Außerhalb der grundwasserbeeinflussten Bereiche dominieren auf den Hotzenwald-Hochflächen Braunerden, die auf Granit unter Wald oft podsolig ausgebildet sind. Auf Lumbricus badensis zurückzuführende humose Braunerden sind nur lückenhaft noch im nördlichen Hotzenwald zwischen Wehra und Alb festzustellen. Lumbricus badensis hat in diesem Bereich seine südöstliche Arealgrenze, weil die Talschluchten der Alb und der oberen Schwarza sowie das nach Osten und Südosten zunehmend kontinentalere bzw. trockenere Klima ihn an einer weiteren Ausbreitung hinderten.

Sowohl in den tiefer gelegenen z. T. schon ackerbaulich genutzten Hochflächen im Süden als auch in den unteren Hanglagen im gesamten Südschwarzwald ist in den Braunerden ein erhöhter Schluffgehalt durch Lösseintrag festzustellen. Im Übergang zum Hochrheintal zwischen Laufenburg und Bad Säckingen sowie bei Wehr treten schließlich Parabraunerden auf, die sich in lösslehmreichen Fließerden entwickelt haben, die oft nur noch wenig Kristallingestein mit sich führen. Am Westrand des Südschwarzwalds gibt es einen ähnlichen Übergang zum Lössgebiet der Oberrheinebene, der aber deutlich weniger breit ausgebildet ist.

weiterführende Literatur: Regierungspräsidium Freiburg (Hrsg.) 2012: Der Feldberg - supalpine Insel im Schwarzwald. - Ostfildern. Jan Thorbecke Verlag