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Grundgebirgs-Schwarzwald
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Böden im nördlichen und mittleren Grundgebirgsschwarzwald
Podsolige Braunerde aus Gneisschutt führenden Fließerden über Gneiszersatz
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Bild: TP_BGL1_120 Podsolige Braunerde aus Gneisschutt
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Das zwischen Buchenbach und St. Märgen gelegene Bodenprofil befindet sich im schwach hängigen Bereich einer flachen Kuppe, im Übergang zum Steilhang. Die Schuttdecke zeigt den für diese Reliefposition typischen zweigeteilten Aufbau und eine Mächtigkeit von nur 80 cm. Darunter folgt das stark zersetzte Gneisgestein. Oberhalb 40 cm Tiefe handelt es sich um eine relativ locker gelagerte lehmig-sandige Fließerde mit vielen Steinen. Darunter folgt eine stark steinige, dicht gelagerte Schuttdecke. Die Moderauflage des sehr stark sauren Bodens ist von Heidelbeeren bewachsen. Gebleichte Bereiche im obersten Abschnitt des humosen Oberbodens weisen auf eine schwache Podsolierung hin.

Grundgebirgs-Schwarzwald:
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Grundgebirgs-Schwarzwald

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Böden im nördlichen und mittleren Grundgebirgsschwarzwald

 
Bild: TP_BGL1_148 Blick über Haslach durchs Kinzigtal
Blick über Haslach nach Nordwesten durchs Kinzigtal
(© Autor: K. Rilling)

Klimatisch und morphologisch zeigt sich der Schwarzwald in diesem Bereich von seiner milderen Seite. Das Kinzigtal wird an seinem Unterlauf z. T. recht breit und die Berge erreichen nur noch selten Höhen über 600 m NN.

 
Bild: TP_BGL1_105 Haqngschutt im Höllental
Wegaufschluss am nördlichen Hang des Höllentals südlich von Breitnau
(© LGRB, Autor: W. Fleck)

An stark gewölbten Hangrücken sind die Hangschuttdecken meist nur sehr geringmächtig, so dass das Festgestein (Migmatite) nahe an die Oberfläche tritt.

 
Bild: TP_BGL1_030 Bodenaufschluss im Triberger Granit
Bodenaufschluss im Triberger Granit
(© Autor: K. Rilling)

Zwischen großen Blöcken und Felsen ist der Granit stark vergrust und in Oberflächennähe verbraunt (Braunerde).

Mittelgebirge mit braunen Wald- und Wiesenböden

Die Bodenvielfalt im Grundgebirgs-Schwarzwald ist nicht besonders groß, was an dem deutlichen Vorherrschen von Gneisen und Graniten liegt. Bei der Verwitterung der silikatischen Kristallingesteine werden die Mineralien aus ihrem Verband gelöst. Neben Quarzsand entstehen aus den Feldspäten und Glimmern Tonminerale und braun färbende Eisenoxide. Man spricht auch von Verlehmung und Verbraunung. Das Ergebnis sind mehr oder weniger steinige, lehmig-sandige Böden die als Braunerden bezeichnet werden. Die Braunerden haben sich aber überwiegend nicht aus anstehendem Felsgestein entwickelt, sondern aus oft mehrschichtigen Schuttdecken, die durch Frostverwitterung und verschiedene Verlagerungsprozesse in der letzten Eiszeit entstanden. Diese Deckschichten sind auf Hochflächen und an Oberhängen geringmächtig und können an Unterhängen viele Meter mächtig werden. Wandert man hangparallele Wege im Schwarzwald entlang, so ist an Aufschlüssen oft festzustellen, dass an Konvex gewölbten Spornen und Hangrippen häufig der Fels zutage tritt und die Schuttdecken sehr gering mächtig werden oder fehlen. Entsprechend sind dort auch die Braunerden viel flacher entwickelt als in anderen Bereichen und mit sogenannten Rankern vergesellschaftet, bei denen der humose Oberboden direkt dem Gestein aufliegt. Ähnliches gilt für gewölbte Scheitelbereiche schmaler Bergrücken und Kuppen. Eigenschaften und Entwicklungstiefe der Böden korrespondieren also eng mit der Mächtigkeit der Schuttdecken und den Reliefverhältnissen.

Ein wichtiges Merkmal, mit dem die Braunerden sich weiter differenzieren lassen, ist der Grad der Podsolierung. Bei diesem Prozess werden bei sauren, nährstoffarmen und durchlässigen Böden Humus- und Eisenverbindungen aus dem Oberboden ausgewaschen und nach unten verlagert, was eine mehr oder weniger starke Bleichung des Oberbodens zur Folge hat. Bei den Böden aus Paragneis-Material ist die Podsolierung i. d. R. nur schwach (podsolige Braunerde) oder garnicht ausgeprägt, da sie im Vergleich zu den Granitböden meist in etwas lehmigeren und basenreicheren Substraten entwickelt sind. In den meisten Granitgebieten dominieren podsolige Braunerden, die örtlich mit stärker podsolierten Böden vergesellschaftet sind (Podsol-Braunerde, Braunerde-Podsol). Besonders grobkörnige und quarzreiche Granite wie der Eisenbacher Granit in dem Gebiet zwischen Titisee-Neustadt und Villingen neigen zu sandig-grusiger Verwitterung und zur starken Versauerung. In diesem Raum können auch im mittleren Grundgebirgsschwarzwald voll entwickelte Podsole vorkommen, wie sie sonst nur für den Buntsandsteinschwarzwald typisch sind. Sie besitzen einen hellen gebleichten Oberboden, Anreicherungshorizonte von Humus und Eisenoxiden im Unterboden und eine meist mit Heidelbeeren bewachsene Auflage aus schwarzem Rohhumus.

Das unter den Schuttdecken lagernde Festgestein tritt nicht überall als harter Fels in Erscheinung. Auf Hochflächen oder Flächenresten, besonders dort, wo die alte Auflagerungsfläche des Deckgebirges wieder aufgedeckt wurde, ist es meist tiefreichend zersetzt und gelockert. Die Braunerden sind in diesen Bereichen oft tief entwickelt, z. T. nur schwach steinig und örtlich mit staunassen (Stagnogleye) oder vermoorten Böden vergesellschaftet. Solche flachen Hochlagen finden sich z. B. in dem Raum zwischen Furtwangen, St. Peter und Breitnau im Süden des Mittleren Schwarzwalds.

Der größte Teil des im Schwarzwald reichlich vorhandenen Niederschlagswassers versickert in dem durchlässigen Hangschutt und fließt im Untergrund auf dichter gelagerten Schuttdecken oder auf dem Festgestein oberflächenparallel abwärts. Wo das Hangwasser sich nahe der Oberfläche bewegt oder als Quelle austritt sind Hanggleye bzw. Quellengleye anzutreffen. In den unzähligen, verzweigten, schmalen Tälchen des Mittleren Schwarzwalds, in denen sich das Wasser schließlich sammelt, sind grundwasserbeeinflusste Böden vorherrschend (Gleye, Kolluvium-Gleye), deren Substrat oft aus dem von den Hängen abgeschwemmten Bodenmaterial besteht. Auch die immer wieder in Mulden, an Unterhängen und auf Schwemmfächer vorkommenden Kolluvien ohne hydromorphe Merkmale weisen auf Phasen der Bodenerosion in historischer Zeit hin. In Talmulden mit geringem Gefälle, im danubischen Relief, im Wasserscheidenbereich und auf alten Hochflächenresten im Südosten des Mittleren Schwarzwalds sind die Böden am stärksten vernässt. Neben Gleyen, Anmoorgleyen und Moorgleyen kommen dort kleinflächig auch Niedermoore und Hochmoore vor.

Die trockensten und flachgründigsten Böden finden sich dort, wo harte Gesteine wie Granite, Ganggranite, Flasergneise oder Quarzporphyre auftreten und an steilen Hängen von der jungen rheinischen Erosion angeschnitten wurden. In solchen Bereichen mit Felsfreistellungen und Schutthalden sind Anfangsstadien der Bodenbildung verbreitet, die nur eine geringe Humusansammlung über Fels oder Gesteinsschutt aufweisen (Ranker, Regosol, Syrosem, Skeletthumusboden).

Die günstigsten Böden sind in den tieferen Lagen am Westrand des Grundgebirgsschwarzwalds zu finden. Den Schuttdecken und Fließerden ist dort in unterschiedlichem Maße Lösslehm beigemischt (Braunerden mit Übergängen zur Parabraunerde). Sie sind meist steinärmer und lehmiger und können mehr Nährstoffe speichern als die Braunerden aus Hangschuttdecken. Örtlich führen dicht gelagerte Unterbodenhorizonte zu zeitweiliger Staunässe in den Böden (Pseudogley-Parabraunerde). Häufig sind diese Bereiche landwirtschaftlich genutzt oder werden von Reben und anderen Sonderkulturen eingenommen. Im breiten unteren Kinzigtal und Elztal sowie in deren Nebentälern kommen solche lössbeeinflussten Böden auf flacheren Unterhängen und älteren Flussterrassen noch bis in 15 km Entfernung vom Westrand des Schwarzwalds vor.