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NSG Apfelberg (Werbach)
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NSG Apfelberg bei Werbach, Fauna, Flora
Silbergrüner Bläuling (Polyommatus coridon) auf Skabiosen-Flockenblume
(Element 1 von 35: Bild)
Bild: Silbergrüner Bläuling, NSG Apfelberg
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Der Silbergrüne Bläuling (Polyommatus coridon) erreicht eine Flügelspannweite von 30 bis 35 Millimeter. Die Flügeloberseiten der Männchen sind hell silbrig- bis grünblau gefärbt (s. Foto). Die Weibchen zeigen mehr bräunliche Farben. Insekt des Jahres 2015

NSG Apfelberg (Werbach):
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NSG Apfelberg bei Werbach - auf den Spuren von Erich Oberdorfer*

 
Bild: NSG Apfelberg bei Werbach (Main-Tauber-Kreis)
Blick auf den Apfelberg bei Werbach
(© M. Linnenbach)

Blick vom Kahlberg auf die geschützte Wacholderheide am Südhang des Apfelbergs (Aufn. Juli 2015).

 
Bild: NSG Apfelberg bei Werbach
Naturschutzgebiet Apfelberg bei Werbach (Main-Tauber-Kreis)
(© B. Flicker)

Nordwestlich von Werbach erstreckt sich die flach gewölbte "Wertheimer Hochfläche". Hier ragt über dem Taubertal der markante Apfelberg auf. Das bedeutende Kalk-Magerrasen-Schutzgebiet ist das älteste NSG im Tauberland (ausgew. 1941) und verfügt über einen bemerkenswerten Orchideenbestand, hier: Orchis militaris (Aufn. Juni 2014).

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Bild: NSG Apfelberg bei Werbach, Main-Tauber-Kreis
Stillgelegter Muschelkalksteinbruch im Südwesten des Schutzgebiets
(© M. Linnenbach)

Am südwestlichen Hangfuß des Apfelbergs ist der Untere Muschelkalk (hier: Wellenkalk) eindrucksvoll aufgeschlossen (Aufn. 2015).

 
Bild: Zwergzebus
Zwergzebus (Bos taurus indicus) als Weidetiere am Apfelberg
(© B. Flicker)

Ursprünglich stammen Zwergzebus aus Südasien, heute sind sie auch in Europa verbreitet. Durch ihr relativ geringes Körpergewicht verursachen die Huftiere in der Landschaft kaum Trittschäden.

Nordwestlich der Gemeinde Werbach im Main-Tauber-Kreis, erstreckt sich die flach gewölbte "Wertheimer Hochfläche". Hier ragt über dem engen Taubertal der markante, 379 m hohe Apfelberg auf. Wie am Haigergrund bei Königheim ist das heutige Landschaftsbild in erster Linie durch menschliche Nutzung entstanden. Bereits ab dem 9. Jh. betrieb man am Süd- und Südwesthang des Apfelbergs Weinbau, der bis Ende des 19. Jh. andauerte. Infolge des Vordringens der aus Nordamerika eingeschleppten Reblaus (Viteus vitifoliae), kam der historische Weinbau im Tauberland nahezu vollständig zum Erliegen. Lediglich Gesteinsabbau (Muschelkalk) sowie Weidewirtschaft und Ackerbau spielten noch eine gewisse wirtschaftliche Rolle. Im Laufe Zeit verschwanden die Weinberge, Brach- und Ödland breiteten sich großflächig aus. Heute besteht fast die Hälfte des 23 ha großen Naturschutzgebiets aus Wald, ein Drittel aus Kalkschutthalden, Kalk-Magerrasen und Wacholderheiden. Die übrigen Flächen setzen sich aus Gebüschen und Halbtrockenrasen zusammen.

Die wesentlichen Pflanzengesellschaften des Schutzgebiets mit ihren Leitarten werden in einem ersten umfassenden Gutachten zur Unterschutzstellung im Jahre 1941 von dem bekannten Botaniker Professor Dr. E. Oberdorfer († 23.09.2002) beschrieben. Während seiner wissenschaftlichen Laufbahn wird Oberdorfer 1937 von Freiburg nach Karlsruhe berufen. Er tritt dort eine Stelle bei der damaligen Badischen Naturschutzstelle in Karlsruhe an. Im Rahmen seiner Tätigkeiten erstellt er Gutachten und Gebietsbeschreibungen über die Naturschutzgebiete zwischen Bodensee und Tauberland. Durch seine zahlreichen Bereisungen gelangt er so zum profunden Kenner der natürlichen Vegetation und ihrer Verbreitung im damaligen Land Baden, später auch für ganz Baden-Württemberg.

Ursache für die besondere Flora und Fauna am Apfelberg ist das trockene und warme Lokalklima, vor allem an dem sonneneichen, südexponierten Trockenhang. Der anstehende, teilweise auch aufgeschlossene Untere Muschelkalk lässt die Niederschläge aufgrund seiner Verkarstung schnell versickern, sodass hier nur xerophile (= trockenheitsliebende) Tier- und Pflanzenarten verbreitet sind. Im Frühjahr ist vor allem der Orchideenreichtum beeindruckend. Im Sommer zeigt sich großflächig ein Massenvorkommen der Ästigen Graslilie, wie es wohl einmalig für Baden-Württemberg sein dürfte. Am bewaldeten, kühleren Nordhang besteht der geologische Untergrund aus pleistozänem (= eiszeitlichem) Löss. Dort ist die Artenvielfalt entsprechend geringer.

Am Westhang befinden sich heute Weiden, die mit asiatischen Zwergzebus aus Gamburg gepflegt werden. In den tieferen Hanglagen finden sich bewirtschaftete Äcker (Mais, Getreide, Raps). Lediglich die Kuppe des Apfelbergs war schon immer mit Eiche, Hainbuche und der im Tauberland endemischen Badischen Mehlbeere bewaldet. Die im letzten Jahrhundert angepflanzte Schwarzkiefer, beeinträchtigt das naturnahe Gesamtbild des Schutzgebiets erheblich. Sinn und Zweck der damaligen Maßnahme erscheinen unklar, da das Holz wegen des hohen Harzgehalts eigentlich wertlos ist.

Etwa 80 Schmetterlingsarten sind mittlerweile bekannt, darunter auch Schwalbenschwanz und Segelfalter, der allerdings seit mehreren Jahren nicht mehr im Gebiet beobachtet wurde (B. Flicker, mündl. Mitt. 2015). Eine Charakterart der Trockenhänge im Tauberland ist der Langfühler-Schmetterlingshaft, ein seltener Netzflügler mit durchsichtigen Flügeln, der an eine Libelle erinnert und beim Flug im Sonnenschein zugleich ein schmetterlingsartiges Aussehen besitzt (s. Bildergalerie).

19 Heuschreckenarten haben am Apfelberg ihren Lebensraum, darunter der Warzenbeißer und die Italienische Schönschrecke, die im Tauberland nur noch von einem weiteren Standort bekannt sind. Typisch für das Gebiet ist auch die Zauneidechse, die in größerer Anzahl vertreten ist und der Schlingnatter als Hauptnahrung dient.

Das Naturschutzgebiet Apfelberg zählt seit 2004 zur FFH-Gebietskulisse Untere Tauber und Main (Nr.: 6323341).

Hinweise für Besucher: Der Apfelberg zählt zu den beliebtesten Wanderzielen im Taubertal. Er ist von Gamburg oder vom Kahlberg, westlich von Werbach, gut erreichbar (s. Karte). An seiner Westseite führt der Europäische Fernwanderweg »Nordsee-Rhein-Main-Donau« (E8) vorbei. Ein Rundweg zweigt von diesem Weg ab und führt um die Kuppe des Apfelbergs durch die charakteristischen Lebensräume. Der Weg darf nicht verlassen werden. Auch Zelten, Lagern sowie Reiten sind im Schutzgebiet untersagt.


* Erich Oberdorfer (1905-2002) deutscher Botaniker aus Freiburg, spezialisiert auf Morphologie und Pflanzensoziologie. Träger des Verdienstordens des Landes Baden-Württemberg. Auf ihn geht die Erich-Oberdorfer-Stiftung zurück.Sie fördert wissenschaftliche Projekte von Biowissenschaftler/inne/n im Bereich Vegetationskunde und Vegetationsgeschichte, insbesondere Südwestdeutschlands

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1 NSG Apfelberg bei Werbach - auf den Spuren von Erich Oberdorfer*