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NSG Haigergrund: Flora, Fauna
Rotmilan (Milvus milvus)
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Bild: Rotmilan
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Mit einer Flügelspannweite von bis zu 180 Zentimetern ist der Rotmilan (Milvus milvus) etwas größer als ein Mäusebussard. Der fremdartig klingende Name "Milan" kommt übrigens aus dem Französischen. "Red Kite", roter Drachen, nennen ihn die Engländer. In Süddeutschland heißt der Rotmilan auch "Gabelweih". Seinen Namen verdankt er einem auffälligen Merkmal - einem langen rostroten, tief gegabelten Schwanz. Rotmilane jagen hauptsächlich kleinere Säugetiere wie Kaninchen oder Feldmäuse. Auch große Regenwürmer werden gerne verzehrt wenn nichts Besseres zur Verfügung steht. Die Horste liegen relativ hoch, meist in starken Bäumen. Gerne wählen die Greifvögel auch Nistbäume entlang steiler Abhänge oder Felsklippen, bevorzugt in Randlagen von Wäldern. Das Gelege besteht meist aus drei Eiern.

Gefährdung und Schutz

  • Die Bundesrepublik Deutschland trägt eine besondere Verantwortung für diesen Greifvogel. Mehr als die Hälfte des europäischen Bestandes lebt hierzulande, etwa 10% davon in Baden-Württemberg.
  • M. milvus ist international geschützt durch die EU-Vogelschutzrichtlinie, Anhang I
  • Verbreitugskarte Rotmilan (pdf) mit Darstellung der bisher vorliegenden Kartierungsergebnisse und Geodaten (Shapefiles) mit Informationen zu den bearbeiteten TK25-Quadranten.

Literatur:

Bauer, H.-G., Boschert, M., Förschler, I., Hölzinger, J., Kramer, M. & Mahler, U. (2016): Rote Liste und kommentiertes Verzeichnis der Brutvogelarten Baden-Württembergs. 6. Fassung, Stand 31.12.2013. Naturschutz-Praxis, Artenschutz 11.

NSG Haigergrund:
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Naturschutzgebiet Haigergrund, botanisches Kleinod im Main-Tauber-Kreis

 
Bild: NSG Haigergrund
Blick auf das NSG Haigergrund im Main-Tauber-Kreis (Aufn. Mai 2015)
(© C. Antesberger)

Trockener, ehemalig bewirtschafteter Hang mit seltener Flora und Fauna. Der schroff abfallende Südwesthang weist eine durchschnittliche Neigung von bis zu 35° auf. Als Reste des Weinanbaus stocken stellenweise noch verwilderte Weinreben in den Magerrasenflächen.

 
Bild: NSG Haigergrund, Rundweg
Unbefestigter Rundweg durch das Schutzgebiet (Aufn. September 2014)
(© M. Linnenbach)

Das Schutzgebiet ist nur zu Fuß begehbar. Schmal und stellenweise steil folgt der Weg  dem Hang.


 
Bild: NSG Haigergrund, Trockenmauer
Alte Weinbergsmauer aus Muschelkalk
(© M. Linnenbach)

Überreste der historischen Weinbergslandschaft im Gewann "Lange Helle". Die Nutzung wurde hier vor ca. 80 Jahren aufgegeben.

Nordwestlich der tauberfränkischen Gemeinde Königheim befindet sich das 1994 ausgewiesene Naturschutzgebiet Haigergrund. Noch heute zeigt die 60 ha große Schutzgebietsfläche Spuren der ehemals historischen Weinbergnutzung. Neben zahlreichen Resten von Trockenmauern, finden sich auf dem steilen Gelände ausgedehnte Magerrasen sowie mehrere kleinere Aufschlüsse des anstehenden Muschelkalks. Der nördliche Bereich des Schutzgebiets wird dem Buschberg, der mittlere Teil dem Teufelsberg und der südliche Teil dem Gewann "Lange Helle" zugeordnet (s. Karte des Gebiets). Ein schmaler Rundweg (ehemaliger Wirtschaftsweg) zieht sich oberhalb am Waldrand, parallel zur Hangkante entlang.

Haigertal mit Haigerbach haben sich etwa 80 m tief in die „Fränkische Muschelkalkplatte" eingekerbt, wodurch die geologischen Schichten des Unteren und Mittleren Muschelkalks angeschnitten wurden, die hier zu Tage treten. Die geologische Formation zieht sich als breites, ca. 40 bis 50 m mächtiges Band am Steilhang entlang. Am Hangfuß ruht eine dicke Schicht erodierten Gesteins, das sich im Laufe der Zeit als Schutt abgelagert hat. Der gesamte Talgrund wird intensiv landwirtschaftlich genutzt, sodass die Grenzlinie zum Schutzgebiet deutlich sichtbar am Hangfuß verläuft.

Als Relikte des historischen Weinanbaus finden sich vor allem unterhalb des Rundwanderwegs noch zahlreiche Überreste von Trockenmauern und Steinriegel. Die Anlagen sind heute aufgrund der Nutzungsaufgabe überwiegend in schlechtem, teilweise eingestürztem Zustand. Eine größere Trockenmauer, existiert noch im Gewann "Lange Helle". Sie ist direkt auf dem felsigen Untergrund der Muschelkalkbank aufgesetzt und hat dadurch dem Verfall besser widerstanden.

Auf den steilen, südwestexponierten Trockenhängen hat sich ein Komplex verschiedenster Biotoptypen entwickelt. Artenreiche Magerrasen, die den größten Teil davon einnehmen, finden sich vor allem auf den flachgründigen, steinigen Muschelkalkböden. Neben den Charakterarten wie Gold-Aster, Ästige Graslilie, Stauden-Lein und Küchenschelle gesellen sich noch Wimper-Perlgras, Blauer Lattich, Kugel-Blume und Fransenenzian im Bereich der Schutthalden hinzu. Insbesondere die botanischen Raritäten wie Frauenschuh, Purpur-Knabenkraut und Diptam ziehen alljährlich viele Besucher an. Die Blüten des Diptam sollten keinesfalls berührt werden, dies kann auf der Hautoberfläche zu Verbrennungen führen.

Hinsichtlich der Fauna ist das Vorkommen des seltenen Segelfalters, des Bergkronwicken-Widderchens sowie der beiden Arten Libelloides coccajus und Libelloides longicornis aus der seltenen Familie der Schmetterlingshafte (Ascalaphidae) erwähnenswert (s. Bildergalerie). Die felsigen Magerrasen im Schutzgebiet sind eines der letzten Lebensstätten der Italienischen Schönschrecke in Baden-Württemberg. Sie ist akut vom Aussterben bedroht (Rote Liste 1).

An einigen Stellen haben im letzten Jahrhundert Aufforstungen mit Kiefer und Fichte stattgefunden. Die Bäume stehen hier trockenheitsbedingt an ihrer Standortsgrenze und zeigen aufgrund der fehlenden Bodenfeuchte ein unterentwickeltes Wachstum. Somit ist Totholz im NSG Haigergrund keine Seltenheit und die Brandgefahr in den Sommermonaten nicht zu unterschätzen, da immer wieder wilde Feuerstellen im Schutzgebiet anzutreffen sind.

Das Naturschutzgebiet Haigergrund wurde im Rahmen des Forschungsprojektes "Herausforderung Klimawandel Baden-Württemberg" des KIT* als Referenzfläche ausgewählt (s. weiterführender Link).

Hinweise für Besucher: Im Jahr 2000 wurde ein beschilderter Rundwanderweg durch das NSG angelegt. Zum Schutz der empfindlichen und seltenen Pflanzen ist das Verlassen des Wegs nicht gestattet. Festes Schuhwerk ist empfehlenswert, da man auf dem feingeriebenen Muschelkalkschotter leicht ausrutschen kann. An heißen Tagen sollte man einen Sonnenschutz mit sich führen.


*KIT= Karlsruher Institut für Technologie

Kartenansicht Google.maps

Übersicht:

1 Naturschutzgebiet Haigergrund, botanisches Kleinod im Main-Tauber-Kreis