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Tauberland, Böden und Landschaft
Parabraunerde aus Löss über Muschelkalk-Fließerde
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Bild: Parabraunerde aus Löss über Muschelkalk TP_BGL9_10_71
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Das Profil bei Grünsfeld-Krensheim zeigt unten gebankte Kalksteine des Oberen Muschelkalks, darüber eine durch Tonmergelstein- und Kalksteinverwitterung sowie durch eiszeitliches Bodenfließen entstandene steinig-tonige Fließerde. Dieses Material bildet überall dort, wo die Lössbedeckung fehlt, die Oberfläche, mit unterschiedlichen Stadien der Bodenentwicklung (Rendzina, Terra fusca, Pararendzina, Pelosol). Aus der an dieser Stelle vorhandenen Überdeckung aus ca. 80 cm Löss hat sich eine erodierte Parabraunerde entwickelt. Die obersten 25 cm sind künstlich aufgebracht.

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Tauberland

 
Bild: Taubertal bei Lauda-Königshofen TP_BGL9_10_9
Taubertal bei Lauda-Königshofen
(© LGRB, Autor: K.Rilling)

Vom Turmberg bei Königshofen (unterer Bildrand) geht der Blick über das Taubertal nach Lauda und in ein Nebental der Tauber bei Oberlauda. Die steilen Hangabschnitte sind vorwiegend vom Unteren Muschelkalk gebildet. Wie am Altenberg bei Lauda, rechts hinten, werden sie z. T. noch weinbaulich genutzt. Typisch für den Talabschnitt sind ackerbaulich genutzte lange, flach auslaufende Unterhänge, an denen sich ein Gemisch aus Löss und Kalksteinschutt befindet (Pararendzinen), sowie lehmiges, von den Oberhängen abgeschwemmtes Bodenmaterial (Kolluvisole). In der Talsohle sind lehmige Auenböden vorherrschend, die erst in größerer Tiefe Grundwassereinfluss aufweisen. Aufgrund einer Schichtaufwölbung hat sich das Taubertal bei Lauda bis in den Oberen Buntsandstein eingeschnitten. Die roten Ton- und Sandsteine sind in der ehemaligen Ziegeleigrube von Lauda aufgeschlossen.

 
Bild: TP_BGL9_10_10 Zertaltes Muschelkalk-Hügelland bei Boxberg-Un
Zertaltes Muschelkalk-Hügelland bei Boxberg-Unterschüpf
(© LGRB, Autor: K.Rilling)

Der Blick geht von einem Nebentälchen der Umpfer über Ober- und Unterschüpf bis zum Wasserturm von Bad Mergentheim. Der Raps im Vordergrund steht auf einem nordostexponierten schwach geneigten Unterhang mit tiefgründigen Lössböden. Der ehemals weinbaulich genutzte Gegenhang im Unteren Muschelkalk (links) ist steil und war immer der Abtragung ausgesetzt. Trockene, flachgründige Kalksteinböden sind dort vorherrschend. Solche asymmetrischen Tälchen sind im Tauberland oft zu finden. Der Wasserturm im Hintergrund steht bereits auf der Hochfläche des Oberen Muschelkalks.

 
Bild: Gäulandschaft östlich von Tauberbischofsheim TP_BGL9_10_11
Flachwellige Gäulandschaft östlich von Tauberbischofsheim
(© LGRB, Autor: K.Rilling)

Von Grünsfeld-Krensheim nach Westen erstreckt sich eine überwiegend landwirtschaftlich genutzte Gäulandschaft. Hinter dem Waldgebiet am Horizont links liegt das Taubertal. In der durch flach eingetiefte Täler gegliederten welligen Landschaft findet sich ein Bodenmosaik aus mehr oder weniger steinigen, tonig-mergeligen Muschelkalkböden, steinfreien Böden aus Löss oder aus angeschwemmtem Bodenmaterial in den Trockentalmulden. Das Gebiet östlich von Krensheim wird naturräumlich bereits zu dem größtenteils in Bayern liegenden Ochsenfurter Gau mit seinen fruchtbaren Lössböden gerechnet.

Muschelkalk, Löss und Frankenwein

Als Tauberland wird die vom Taubertal und seinen Nebentälern stark zerschnittene Muschelkalklandschaft im Raum Tauberbischofsheim-Bad Mergentheim-Creglingen bezeichnet. Die Höhen liegen meist bei 300–400 m NN. Die Talsohle der Tauber liegt i. d. R. rund 100-150 m tiefer. Auf den vom Muschelkalk und örtlich vom Lettenkeuper gebildeten Gäuflächen westlich und südlich der Tauber setzen sich die für das Bauland, und die Kocher-Jagst-Ebenen beschriebenen Bodenverhältnisse fort. Östlich der Tauber, im Übergang zum Ochsenfurter Gau, spielt zunehmend die Lössbedeckung eine Rolle. Die durch Entkalkung, Verlehmung und Tonverlagerung entstandenen Parabraunerden sind hervorragende Ackerstandorte. In hängigen Lagen sind die Böden z.T. erodiert, so dass der kalkhaltige Rohlöss an die Oberfläche gelangt (Pararendzinen).

 

Im „lieblichen“ Taubertal sind die Talformen weniger schroff als in den jüngeren Flusssystemen von Jagst und Kocher. Es wechseln sanft ansteigende Talhänge im Bereich ehemaliger Flussterrassen mit steilen Hangabschnitten im Bereich des Wellenkalks (Unterer Muschelkalk). Auch im Niveau der leicht ausräumbaren Gesteine des Mittleren Muschelkalks sind die Hänge oft nur schwach geneigt und werden ackerbaulich genutzt. Die obersten Hangabschnitte im Oberen Muschelkalk sind wiederum steiler ausgebildet. Die flachgründigen, steinigen Böden in den oft bewaldeten oder durch Obstwiesen genutzten Steillagen sind durch Bodenerosion entstanden (Rendzina). Häufig anzutreffende Lesesteinhaufen (Steinriegel) zeugen von dem in früheren Zeiten weit verbreiteten Weinbau an den Talhängen. Heute ist dieser auf wenige kleine Lagen beschränkt. An langgestreckten, flach auslaufenden Unterhängen finden sich günstige Ackerböden, deren Substrat meist aus einem Gemisch aus Löss und Kalksteinschutt (Pararendzina) oder aus holozänen Abschwemmmassen besteht (Kolluvisol).

 

Dominierender Bodentyp in der Talsohle der Tauber ist der kalkhaltige Braune Auenboden (Vega). Böden mit deutlichem Grundwassereinfluss sind selten. Der Auenlehm besteht aus Bodenmaterial, das von den Äckern abgeschwemmt, von Fließgewässern weitertransportiert und bei Überschwemmungsereignissen schließlich in der Talsohle abgelagert wurde. Dieser Prozess vollzieht sich v. a. seit der Rodung der Wälder im Mittelalter, und dauert heute noch an. Bei den Braunen Auenböden handelt es sich aufgrund ihrer Bodeneigenschaften um hochwertige Ackerstandorte. Wegen der Überflutungsgefahr wird aber vielerorts der Grünlandnutzung der Vorzug gegeben.

 

Der unterste Abschnitt des Taubertals, von Werbach bis zur Mündung in den Main bei Wertheim, zeigt ein völlig anderes Bild als talaufwärts. Wegen einer Schichtaufbiegung hat sich die Tauber dort tief in den Buntsandstein eingeschnitten. An den steilen, meist bewaldeten Hängen des engen Tales dominieren steinige, rotbraune, lehmig-sandige Böden aus Hangschutt (Braunerden). An ehemals weinbaulich genutzten Hängen fallen die zahlreichen Kleinterrassen mit roten Sandsteinmäuerchen auf. Als Böden sind dort Rigosole (Weinbergsböden) verbreitet. Meist handelt es sich um kalkfreie, tief umgegrabene Böden aus Buntsandsteinmaterial. Stellenweise wurde aber auch Muschelkalkmaterial eingemischt. Das Gebiet zwischen Main, Tauber und bayrischer Grenze östlich von Wertheim wird landschaftlich bereits zur Marktheidenfelder Platte gerechnet. Weite Bereiche sind mit Löss oder Lösslehm überkleidet. Als Bodentypen sind Parabraunerden und Pseudogley-Parabraunerden verbreitet. Wo die Deckschichten fehlen, sind oft kalkhaltige, wenig entwickelte Böden aus Kalkstein- und Mergelmaterial des Unteren Muschelkalks anzutreffen (Rendzina und Pararendzina). An den Hochflächenrändern tritt der Obere Buntsandstein in Erscheinung. Es dominieren zweischichtige Böden mit lösslehmhaltigem Oberboden und rotem Ton der Rötton-Formation im Unterboden (Pelosol-Braunerde). Örtlich sind auch steinige, sandige Braunerden aus Sandstein verbreitet.