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NSG Haigergrund: Flora, Fauna
Frauenschuh (Cypripedium calceolus)
(Element 1 von 50: Bild)
Bild: Frauenschuh, NSG Haigegrund
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Der Gelbe Frauenschuh (Cypripedium calceolus) kommt bevorzugt in lichten, trockenen Kalk-Buchenwäldern, im Saum von Kiefernwäldern und Gebüschen wärmebegünstigter Lagen vor. Die Pflanze wächst bevorzugt auf kalkreichen Böden, an wärmebegünstigten Standorten in mittleren und höheren Lagen. Generell werden Laub- und Nadelwälder trockenwarmer Standorte besiedelt. Die Pflanze bildet wie andere Orchideenarten zahlreiche winzige Samen aus, die vom Wind weit verbreitet werden können.

In Baden-Württemberg liegen die Hauptvorkommen des Frauenschuhes auf der Baar, im Alb-Wutach-Gebiet und im Südwesten der Schwäbischen Alb. In diesen Gebieten sind mit rund 12.000 Pflanzen etwa 70 % des Bestandes von Baden-Württemberg vertreten. Kleinere Populationen sind auch in anderen Naturräumen des Landes mit kalkreichen Standorten anzutreffen (z. B. im Tauberland).


Gefährdung und Schutz

Rote Liste Baden-Württemberg - Kategorie 3 Gefährdet

Der Frauenschuh ist europaweit geschützt  in der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie, Anhang II (Richtlinie 92/43/EWG des Rates der Europäischen Gemeinschaft vom 21. Mai 1992).

NSG Haigergrund:
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Naturschutzgebiet Haigergrund, botanisches Kleinod im Main-Tauber-Kreis

 
Bild: NSG Haigergrund
Blick auf das NSG Haigergrund im Main-Tauber-Kreis (Aufn. Mai 2015)
(© C. Antesberger)

Trockener, ehemalig bewirtschafteter Hang mit seltener Flora und Fauna. Der schroff abfallende Südwesthang weist eine durchschnittliche Neigung von bis zu 35° auf. Als Reste des Weinanbaus stocken stellenweise noch verwilderte Weinreben in den Magerrasenflächen.

 
Bild: NSG Haigergrund, Rundweg
Unbefestigter Rundweg durch das Schutzgebiet (Aufn. September 2014)
(© M. Linnenbach)

Das Schutzgebiet ist nur zu Fuß begehbar. Schmal und stellenweise steil folgt der Weg  dem Hang.


 
Bild: NSG Haigergrund, Trockenmauer
Alte Weinbergsmauer aus Muschelkalk
(© M. Linnenbach)

Überreste der historischen Weinbergslandschaft im Gewann "Lange Helle". Die Nutzung wurde hier vor ca. 80 Jahren aufgegeben.

Nordwestlich der tauberfränkischen Gemeinde Königheim befindet sich das 1994 ausgewiesene Naturschutzgebiet Haigergrund. Noch heute zeigt die 60 ha große Schutzgebietsfläche Spuren der ehemals historischen Weinbergnutzung. Neben zahlreichen Resten von Trockenmauern, finden sich auf dem steilen Gelände ausgedehnte Magerrasen sowie mehrere kleinere Aufschlüsse des anstehenden Muschelkalks. Der nördliche Bereich des Schutzgebiets wird dem Buschberg, der mittlere Teil dem Teufelsberg und der südliche Teil dem Gewann "Lange Helle" zugeordnet (s. Karte des Gebiets). Ein schmaler Rundweg (ehemaliger Wirtschaftsweg) zieht sich oberhalb am Waldrand, parallel zur Hangkante entlang.

Haigertal mit Haigerbach haben sich etwa 80 m tief in die „Fränkische Muschelkalkplatte" eingekerbt, wodurch die geologischen Schichten des Unteren und Mittleren Muschelkalks angeschnitten wurden, die hier zu Tage treten. Die geologische Formation zieht sich als breites, ca. 40 bis 50 m mächtiges Band am Steilhang entlang. Am Hangfuß ruht eine dicke Schicht erodierten Gesteins, das sich im Laufe der Zeit als Schutt abgelagert hat. Der gesamte Talgrund wird intensiv landwirtschaftlich genutzt, sodass die Grenzlinie zum Schutzgebiet deutlich sichtbar am Hangfuß verläuft.

Als Relikte des historischen Weinanbaus finden sich vor allem unterhalb des Rundwanderwegs noch zahlreiche Überreste von Trockenmauern und Steinriegel. Die Anlagen sind heute aufgrund der Nutzungsaufgabe überwiegend in schlechtem, teilweise eingestürztem Zustand. Eine größere Trockenmauer, existiert noch im Gewann "Lange Helle". Sie ist direkt auf dem felsigen Untergrund der Muschelkalkbank aufgesetzt und hat dadurch dem Verfall besser widerstanden.

Auf den steilen, südwestexponierten Trockenhängen hat sich ein Komplex verschiedenster Biotoptypen entwickelt. Artenreiche Magerrasen, die den größten Teil davon einnehmen, finden sich vor allem auf den flachgründigen, steinigen Muschelkalkböden. Neben den Charakterarten wie Gold-Aster, Ästige Graslilie, Stauden-Lein und Küchenschelle gesellen sich noch Wimper-Perlgras, Blauer Lattich, Kugel-Blume und Fransenenzian im Bereich der Schutthalden hinzu. Insbesondere die botanischen Raritäten wie Frauenschuh, Purpur-Knabenkraut und Diptam ziehen alljährlich viele Besucher an. Die Blüten des Diptam sollten keinesfalls berührt werden, dies kann auf der Hautoberfläche zu Verbrennungen führen.

Hinsichtlich der Fauna ist das Vorkommen des seltenen Segelfalters, des Bergkronwicken-Widderchens sowie der beiden Arten Libelloides coccajus und Libelloides longicornis aus der seltenen Familie der Schmetterlingshafte (Ascalaphidae) erwähnenswert (s. Bildergalerie). Die felsigen Magerrasen im Schutzgebiet sind eines der letzten Lebensstätten der Italienischen Schönschrecke in Baden-Württemberg. Sie ist akut vom Aussterben bedroht (Rote Liste 1).

An einigen Stellen haben im letzten Jahrhundert Aufforstungen mit Kiefer und Fichte stattgefunden. Die Bäume stehen hier trockenheitsbedingt an ihrer Standortsgrenze und zeigen aufgrund der fehlenden Bodenfeuchte ein unterentwickeltes Wachstum. Somit ist Totholz im NSG Haigergrund keine Seltenheit und die Brandgefahr in den Sommermonaten nicht zu unterschätzen, da immer wieder wilde Feuerstellen im Schutzgebiet anzutreffen sind.

Das Naturschutzgebiet Haigergrund wurde im Rahmen des Forschungsprojektes "Herausforderung Klimawandel Baden-Württemberg" des KIT* als Referenzfläche ausgewählt (s. weiterführender Link).

Hinweise für Besucher: Im Jahr 2000 wurde ein beschilderter Rundwanderweg durch das NSG angelegt. Zum Schutz der empfindlichen und seltenen Pflanzen ist das Verlassen des Wegs nicht gestattet. Festes Schuhwerk ist empfehlenswert, da man auf dem feingeriebenen Muschelkalkschotter leicht ausrutschen kann. An heißen Tagen sollte man einen Sonnenschutz mit sich führen.


*KIT= Karlsruher Institut für Technologie

Kartenansicht Google.maps

Übersicht:

1 Naturschutzgebiet Haigergrund, botanisches Kleinod im Main-Tauber-Kreis