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Hirschenmoor
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Hirschenmoor
Aufwuchs von Moorkiefern (Pinus mugo subsp. rotundata)
(Element 1 von 14: Bild)
Bild: Hirschenmoor, Breisgau-Hochschwazwald
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Zwischen Braunseggen, Schmalblättrigem Wollgras und Rosmarinheide wachsen im Hirschenmoor auch junge Moorkiefern, auch Spirken genannt. Die dunkelgrünen, spitzen Nadeln stehen paarweise an den Kurztrieben und sind ca. 5 cm lang.


Hirschenmoor:
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Übersicht

Hirschenmoor

 

Hirschenmoor, Hochmoor bei Breitnau im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald

 
Bild: NSG Hirschenmoor, Ldkr.Breisgau-Hochschwarzwald
Hirschenmoor im Hochschwarzwald (Aufn. Oktober 2013)
(© LUBW, Autor: J. Schaber)

Die noch intakten Hochmoorflächen des Hirschenmoores befinden sich südöstlich von Breitnau (Ldkr. Breisgau-Hochschwarzwald) nördlich des Ortsteils Birklehof.  Das als Naturschutzgebiet ausgewiesene Moor hat eine Größe von rd. 9,8 ha.

 
Bild: Hirschenmoor, Breisgau-Hochschwazwald
Hirschenmoor, Blick nach Süden (Aufn. Juni 2014)
(© LUBW, Autor: J. Schaber)
 
Bild: NSG Hirschenmoor  im Hochschwarzwald
Hirschenmoor, ehemaliger Entwässerungsgraben (Aufn. Oktober 2013)
(© LUBW, Autor: J. Schaber)

Mitten durch das Hochmoor verläuft ein alter, inzwischen fast völlig zugewachsener Entwässerungsgraben. Der Grabenverlauf ist anhand der abgestorbenen Bäume jedoch noch gut erkennbar.


Das Hirschenmoor liegt auf 880 m Höhe im Hochschwarzwald, zwischen Hinterzarten und Breitnau nördlich vom Breitnauer Ortsteil "Birklehof" nahe der Straßenkreuzung von B 31 und B 500 (s. Karte). Das Moor entstand als Verlandungsmoor in einem kleinen Gletscherbecken auf einem fast ebenen Sattel zwischen der Ravennaschlucht und dem Löffeltal.

Zum Ende der letzten Eiszeit (Würmglazial) bildete sich nach dem Rückzug der Gletscher auf dem flachen Sattel ein See, auf dessen Boden sich zuerst rosafarbener, dann hellgrauer Ton ablagerte. Über dem Ton lagerten sich auf dem Seeboden während der Klimaerwärmung in der Nacheiszeit organische Sedimente (Mudden) ab. In den bis zu über 3 m mächtigen Mudden konnte in etlichen Bohrprofilen eine ca. 1 cm dicke Ablagerung aus vulkanischer Asche (Tephra) gefunden werden. Die Asche läßt sich zeitlich dem Laacher Vulkanausbruch (ca. 10.900 v. Chr.) zuordnen. Beim diesem schweren Vulkanausbruch der jüngeren Erdgeschichte Mitteleuropas traten gigantische Aschewolken aus und überzogen die Landschaft Westeuropas nahezu vollständig. Im Hirschenmoor liegt heute der Laacher Bimstuff in einer Tiefe zwischen 13 und 15 m (s. Fachliche Details). Als geologische Formation steht hier Rotliegendes (Perm) an.

Die eigentliche Moorbildung begann am Ufer des Sees. Von der Verlandungszone im Uferbereich ausgehend breiteten sich Torfmoose (Sphagnen) allmählich über die gesamte Wasseroberfläche aus. Sie bildeten im Verlauf von Jahrtausenden einen geschlossenen Schwingrasen, der in der Moormitte zwar begehbar, aber stellenweise nur etwa 3 - 4 m dick ist. Darunter befindet sich immer noch der See mit einer ca.7 m tiefen Wassersäule.

Das 8,6 ha große Hirschenmoor besteht heutzutage aus einem ca. 1,5 ha großen, von wenigen feuchten bis nassen Vertiefungen (Schlenken) und leicht erhöhten, trockeneren Bulten geprägten Kernbereich der von einem 3 ha großen, teils schmalen, teils breiteren Saum mit Moorkiefern (Spirken) und Birken umgeben ist. Der äußerste Moorrand ist teils mit Fichten und Birkengruppen teils auch mit Kleinseggenriedern, Rauschbeer- und Heidelbeergruppen und mit üppig wachsenden Laubmoospolstern (Frauenhaarmoos) bestanden. Im Kernbereich wachsen außer verschiedenen Torfmoosen (Sphagnen) nur Pflanzen, die ausschließlich in nährstoffarmen (oligotrophen) Hochmooren vorkommen: Rosmarinheide, Schlammsegge, Blasenbinse und Rasenbinse sowie Scheidiges Wollgras, Sonnentau, Moosbeere, Besenheide und niedrigwüchsige Spirken.

Durch die Moormitte verläuft ein alter, inzwischen weitgehend verlandeter und zugewachsener Entwässerungsgraben. Aufgrund der Verlandung und des angestiegenen Wasserstands sind die dort einst höhergewachsenen Spirken wieder abgestorben. Benachbart finden sich kleinere Bereiche mit Zwischenmoorcharakter. Hier wachsen neben einigen der erwähnten Hochmoorpflanzen vermehrt Seggen (Carex), Moorbirken, Schmalblättriges Wollgras, Weißes Schnabelried und Fieberklee. In den umgebenden Spirkenbeständen besteht die Bodendeckung aus Torfmoosen und Laubmoosen, in der Krautschicht wachsen hier Rauschbeeren und Heidelbeeren.

Trotz des alten Entwässerungsgrabens im Moorzentrum und einiger Eingriffe am Moorrand (Entwässerungsgräben, Deponie) vermittelt das Gebiet den Eindruck eines weitgehend naturnahen Hochmoores. Das Moor ist auch ein bedeutender Lebensraum für Libellen (z. B. Torf-Mosaikjungfer, Arktische Smaragdlibelle) und für Schmetterlinge (Hochmoorgelbling, Hochmoorbläuling). Das Hirschenmoor ist seit 1983 als Naturschutzgebiet ausgewiesen.