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Scheibenlechtenmoos
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Scheibenlechtenmoos
Scheibenlechtenmoos am Fuß des Spießhorns
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Bild: Scheibenlechtenmoos
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Das 1,7 ha große Scheibenlechtenmoos liegt in 1.097 m Höhe im Spießhornkar. Auf der Westseite des Hochmoores steigt die Karwand bis zum Gipfel des 1.349 m hohen Spießhorn an.

Scheibenlechtenmoos:
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Übersicht

Scheibenlechtenmoos

 

Scheibenlechtenmoos, Karmoor im Hochschwarzwald (Ldkr. Waldshut)

 
Bild: Scheibenlechtenmoos (Ldkr. Waldshut)
Blick vom der Karwand auf das Moor (Aufn. Oktober 2013)
(© LUBW, Autor: J. Schaber)

Blick vom höchsten Punkt der Karwand auf das Moor. Das aus der Karwand und von den umliegenden Berghängen abfließende Regenwasser sammelt sich im Lagg des Moores. Der Abfluß aus dem Moor erfolgt an einem Einschnitt in der Karschwelle über das Schwinbächle in die Menzenschwander Alb.

 
Bild: Scheibenlechtenmoos, Karmoor
Scheibenlechtenmoos, Karmoor im Hochschwarzwald (Ldkr. Waldshut)
(© LUBW, Autor: J. Schaber)

Bis 1991 war das Scheibenlechtenmoos als eigenes Naturschutzgebiet ausgewiesen. Dann wurde das Karmoor in das erweiterte Naturschutzgebiet Feldberg eingegliedert. Die Grenze des Naturschutzgebiets Feldberg befindet sich seit 1991 unmittelbar südlich des Scheibenlechtenmoos. Der einstige, heute verlandete Karsee ist auf diesem Bild noch gut erkennbar.

 
Bild: Karsee, Entstehung, Grafik
Entstehung eines Karsees
(© public domain)

Das Scheibenlechtenmoos liegt im südöstlichen Teil des Feldbergmassivs, westlich von Menzenschwand-Hinterdorf (Gemarkung St. Blasien) in 1.097 m.ü.NN, etwa 230 m über dem Talboden der Menzenschwander Alb. Das fast kreisrunde, 1,7 ha große Karmoor entwickelte sich gegen Ende der letzten Eiszeit (Würmglazial) durch die Verlandung eines Karsees. Der Karsee hatte sich nach dem Rückzug eines vom Spießhorn (1.349 m.ü.NN) zum Albtal hinziehenden Gletschers in einem typisch, lehnsesselartig ausgeformten Wannenkar gebildet.

Das Kar weist auf der Südostseite eine durch die Endmoräne entstandene Karschwelle auf. Die Endmoräne wurde in einer Stillstandsphase des Gletschers (Feldseestand I) abgelagert. Auf der Westseite des Kares steigt die steile, 250 m hohe Karwand bis zum Gipfel des Großen Spießhorns an.

Die Entwicklung des Moores begann, nachdem sich auf dem Seeboden zuerst tonig-sandige, anschließend organische Sedimente (Mudden) abgelagert hatten. Das tonig-sandige Sediment ist etwa 1 m dick, die darüber liegende Mudde ist bis zu 1,7 m dick. In den Sedimenten ist auch eine dünne Schicht aus vulkanischer Asche vorhanden. Die Asche lagerte sich zur Zeit des Laacher Vulkanausbruchs (ca. 10.900 v. Chr.) ab. Sie wird als "Laacher Bimstuff" bezeichnet.

Die eigentliche Moorentwicklung begann vermutlich durch Verlandungsprozesse. Über der organischen Mudde im Moorzentrum wuchs mit Schilf, Laubmoosen und Fieberklee anfänglich eine typische Niedermoorvegetation. Erst als das Niedermoor über den grundwasserbeeinflussten Bereich auf ca. 1,5 m Höhe aufgewachsen war, änderte sich das Erscheinungsbild des Moores. Von nun an entwickelte sich mit dem Wachstum von Torfmoosen (Sphagnen) und Scheidigem Wollgras (Eriophorum vaginatum) ein Übergangs- und Hochmoor das größtenteils nur noch vom nährstoffarmen Regenwasser ernährt wird. Die Torfmoosschicht ist im Verlauf der letzten Jahrtausende im Moorzentrum auf über 3 m Höhe angewachsen. Die maximale Torfmächtigkeit (Niedermoor- und Hochmoortorf) beträgt ca. 5 m.

Das Hochmoor ist schwach gewölbt und im Kernbereich durch ein Bult-Schlenkensystem geprägt. Die leicht erhöhten und trockeneren Bulten sind mit scheidigem Wollgras, Besenheide, Moosbeere und Rauschbeere bewachsen. In und am Rand der längerzeitig feuchten bis nassen Schlenken wachsen Blasenbinse, Rasenbinse, Rosmarinheide, Torfmoose und Sonnentau. In längeren niederschlagsfreien Zeiten können die Schlenken vorübergehend austrocknen, während der Schneeschmelze und nach stärkeren Niederschlägen sind sie wieder randvoll gefüllt. Zu den Moorrändern hin verliert sich die Hochmoorvegetation. Hier wachsen vorwiegend Pfeifengras, Seggen, Heidelbeere, Laubmoose und Schmalblättriges Wollgras. Allseitig versuchen sich auch Jungfichten zu etablieren. 2002 wurden am Moorrand die hochgewachsenen Fichten im Rahmen einer Pflegemaßnahme gefällt. Das Moor und seine nähere Umgebung sind Brut- und Nahrungslebensraum des Auerhahns.

Hinweise für Besucher: Das Scheibenlechtenmoos ist von Menzenschwand aus auf zwei verschiedenen Routen nach einer etwa 1- 2 stündigen Wanderung zu erreichen. Um das Moor herum verläuft ein Rundweg. Das Scheibenlechtenmoos wurde 1939 als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Seit 1991 ist es in das über 4.000 ha große Naturschutzgebiet Feldberg integriert.