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Schwarzwaldmoore
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Schwarzwaldmoore
Blick auf den Hohlohsee, Kaltenbronn (Ldkr. Rastatt)
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Bild: Hohlohsee, Hochmoor
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Typisches, aber durch Eingriffe des Menschen stark verändertes Hochmoor. Durch intensive Flößerei und Köhlerei wurden die Kaltenbronner Waldungen rund um das Moor abgeholzt und verwüstet. Nach starken Regenfällen durchbricht der Hohlohsee 1880 sein Nordufer und laüft über den angrenzenden Kegelbach leer. Seither wird der Moorsee künstlich aufgestaut. 1940 erfolgt die Ausweisung als Naturschutzgebiet.

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Schwarzwaldmoore:
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Schwarzwaldmoore

 

Moore im Schwarzwald

 
Bild: Hirschbäder Moor (Ldkr, Waldshut)
Hirschbäder Moor bei Menzenschwand (Ldkr. Waldshut)
(© LUBW, Autor: J. Schaber)

Im Flachwasser zwischen den abgestorbenen Fichten leuchtet das Scheidige Wollgras.

 
Bild: Hochmoor Kaltenbronn
Moorschlenke mit Schwingrasen im Wildseemoor (Ldkr. Calw u. Rastatt)
(© UM, Autor: R. Wirth)

Das Wildseemoor im Naturraum Grindenschwarzwald und Enzhöhen, ist mit einer Gesamtfläche von 187 ha das größte Moor des Schwarzwaldes. Das durch einen Besuchersteg erschlossene Moor befindet in plateauartiger Lage auf einem flachen Sattel nordöstlich von Kaltenbronn. Die größten Torfmächtigkeiten von 7-8 m liegen südlich und südöstlich vom Wildsee. Der Torfkörper ist in diesem Gebiet von Wollgras durchsetztem Sphagnumtorf aufgebaut.

In den Mooren von Baden-Württemberg sind geschätzte 30 Millionen Tonnen Kohlenstoff gespeichert. Naturnahe, wachsende Moore entziehen der Atmosphäre Kohlenstoffdioxid (CO2) und legen den Kohlenstoff dauerhaft im Torfkörper fest. Ändern sich die Umgebungsbedingungen oder wird ein Moorkörper für eine land- bzw. forstwirtschaftliche Nutzung entwässert, kommt es zum chemischen und mikrobiellen Abbau des Torfes. Die Moore geben den zuvor gespeicherten Kohlenstoff relativ rasch als CO2 wieder frei.

 
Bild: Blindenseemoor
Blick auf das Blindenseemoor (Schwarzwald-Baar-Kreis)
(© C. Düpmeier)

Der Schwarzwald erstreckt sich mit einer Länge von 150 km und einer Breite von 30 bis 50 km von seiner nördlichen Grenze, die etwa auf der Linie Karlsruhe-Pforzheim liegt, in südsüdwestlicher Richtung bis zum Hochrhein und nimmt dabei eine Fläche von 6.000 km² ein. Der Schwarzwald setzt im Übergang zur Rheinebene westlich von Baden-Baden bei etwa 150 m NN an und erreicht in den Kammlagen knapp die 1.500 m-Grenze (Feldberg 1493 m). Die Höhenlagen über 1.000 m sind mit vergleichsweisen milden Wintern und kühlen Sommern subatlantisch getönt und weisen Jahresniederschläge bis über 2.000 mm auf. Insgesamt eigentlich günstige klimatische Voraussetzungen für das Aufwachsen von Mooren. In der Summe sind jedoch im gesamten Schwarzwald nur ca. 26 km² Moorfläche zu finden, was 0,4% seiner tatsächlichen Fläche entspricht. Damit sind die Schwarzwaldmoore etwas ganz Besonderes und Seltenes, wodurch es sich lohnt, deren Entstehung zu verstehen, sie wertzuschätzen und zu schützen.

Der Nordschwarzwald hat mit 87 Einzelvorkommen eine gesamte Moorfläche von 5 km², davon 1,75 km² (29%) Hochmoor. Hier finden wir viele weit verstreute kleine Verlandungsmoore in ehemaligen Karseen entlang der in den Eiszeiten punktuell vergletscherten Hochlagen mit ihren Kargletschern, die diese zahlreichen und heute noch landschaftsprägenden halbrunden, zur Talseite geöffneten Hohlforme - die Kare - ausräumten. Als Beispiel sei hier das Moor am Schurmsee (2,6 ha) genannt, das im Moorkataster Baden-Württemberg als Niedermoor ausgewiesen ist. Es liegt in einem Kar, aus dem der Vordere Seebach entspringt und nach Osten über die Schönmünz zur Murg das Tal entwässert. Auf einigen wenigen kleinen Plateaus des Mittleren Buntsandsteins, meist im Bereich kleiner Wasserscheiden, befinden sich Versumpfungsmoore, die oftmals auf podsolierten Böden mit wasserstauender Ortsteinbildung aufsetzen. Zu den fünf größten Mooren dieses Typs mit einer Größe über 10 ha zählen das Wildseemoor (64 ha), das Moor auf dem Altsteiger Kopf (45 ha), Bruckmüsse (15 ha), das mit dem Breitlohmüß (12 ha) zusammengewachsen ist und das Moor auf der Hornisgrinde (13 ha).

Besonders bekannt ist das Wildseemoor, ein Versumpfungsmoor auf der über ein kleines Plateau ziehenden Wasserscheide Eyach/Enz. Das heutige Naturschutzgebiet Wildseemoor umfasst eine Fläche von 181 ha und erstreckt sich mit einem Durchmesser von 2 km über die Hochflächen von Kaltenbronn. Im Zentrum der geschützten Moorflächen finden sich die beiden Moorseen Wildsee und Hornsee. Das NSG Hohlohsee ist mit 36 ha deutlich kleiner. Es beinhaltet den Kleinen und den Großen Hohlohsee. Am Hohloh befinden sich noch zwei weitere Moorflächen, die Breitlohmiss und die Öllachen. Anfang der 1990er Jahre wurde hier ein attraktives Rundwegekonzept entwickelt, das dem Schutz der Moore Rechnung trägt. Im Jahr 2000 wurde ein großer Teil des Gebietes am Kaltenbronn zum Natur- und Waldschutzgebiet "Kaltenbronn" erklärt. Auch die Schwarzwald-Höhenwege Westweg und Mittelweg sowie der Europäische Fernwanderweg führen über Kaltenbronn, am Hohlohsee vorbei.

Im Mittleren Schwarzwald konzentrieren sich die Moore auf einer Länge von etwa 11 km von der Schönwalder Hochebene in nordwestlicher Richtung entlang der Kammwasserscheide zwischen Elz und Kinzig. Die Talmoore am sich verflachenden und zur Versumpfung neigenden Oberlauf der Elz südlich des Rohrhardsbergs ziehen sich über 4 km bis über die Wasserscheide Rhein/Donau in den Bereich der Elz- und Bregquelle. Die Talmmoore setzen sich dann im flachen Talboden östlich von Furtwangen fort und folgen der Breg auf ein Länge von 4 km Richtung Vöhrenbach. Zusammen nehmen die Moore des Mittleren Schwarzwalds eine Fläche von 3,6 km² ein. Davon sind ca. 10% als Hochmoor ausgewiesen. Alle Moore setzen hier auf Granit oder Paragneis auf. Das bekannteste und bedeutendste Moor in dieser Region ist das sagenumwobene Hochmoor um den Blindensee.

Der kristalline Südschwarzwald hat mit ca. 17 km², davon 1,3 km² Hochmoor (8%) den größten Anteil an der Moorfläche innerhalb des Schwarzwalds. Das größte Moor des gesamten Schwarzwalds ist hier das Hinterzartener Moor mit 82 ha. Es entstand auf dem glazial überformten ebenen Talboden beidseitig der Wasserscheide des nach Westen entwässernden Einzugsbereichs der Dreisam und des nach Osten entwässernden Einzugsgebiets der Wutach. Beidseitig der Wasserscheide sind zwei Hochmoorschilde von zusammen 25 ha aus dem heute noch umfassenden Niedermoor herausgewachsen.

Vom Hinterzartener Moor bis zum Hochrhein finden wir auf einer Länge von etwa 50 km und einer Breite von 10 bis 15 km eine Vielzahl kleiner und weit verstreuter Moore in einer glazial überformten kleinräumigen Landschaft, die oft in von eiszeitlichen Gletschern ausgeräumten und von Moränen umgebenen Hohlformen liegen. Einen Schwerpunkt mit hoher Moordichte bildet die Hochfläche zwischen den Oberläufen von Wehra und Alb. Die Hochfläche weist noch eine vergleichsweise geringe Reliefenergie auf und verlangsamt den Wasserabzug aus dem Gebiet mit der Folge, dass vor allem um die Quellbäche der Alb Versumpfungsmoore entstehen konnten.

Der Anteil der Moore im Schwarzwald an der Moorfläche Baden-Württembergs liegt nur bei etwas über 6 %. Der Reiz dieser vielen, eher kleinen Moore, deren Name oftmals in keiner Karte verzeichnet ist und auf die man bei Wanderungen nur zufällig stößt, ist ihr vergleichsweiser guter Erhaltungszustand. Drei glückliche Umstände in historischer Zeit mögen dazu geführt haben, dass sich das Interesse an ihrer Nutzung in Grenzen hielt. Zum einen konnte im waldreichen und dünn besiedelten Schwarzwald der Energiebedarf einfacher, effektiver und auf kürzeren Transportwegen durch Brennholz gedeckt werden, so dass nur in eingeschränkten Maßen bäuerlicher Torfstich stattfand. Zum anderen war die Entwässerung der Moore und ihre Nutzung als Grünland in den regenreichen Hochlagen des Schwarzwalds, mit seiner ohnehin kurzen Vegetationszeit, den umliegenden Wiesen und Weiden in der Futterleistung des Aufwuchses deutlich unterlegen. Hinzu kommt, dass der Landhunger auf weniger ertragreiche und vermoorte Grenzstandorte aufgrund des Anerbenrechts bei geschlossenen Hofgütern aus dem Jahre 1898, das auch heute noch seine regionale Gültigkeit in den ehemals badischen Amtsbezirken des Schwarzwalds hat, deutlich geringer war als in den Realteilungsgebieten.

Heute mag die scheinbar unberührte Schönheit der Moore dem Wanderer floristische und faunistische Besonderheiten bieten. Wissenschaftler und Politiker richten in jüngster Zeit ihr Auge auf die weltweit sehr bedeutende Rolle der Moore im Kohlenstoffkreislauf. Moore haben unter all unseren Böden die einzigartige Eigenschaft, dass sie mit ihrem pflanzlichen Aufwuchs der Atmosphäre Kohlendioxid (CO2) entziehen und einen Teil der abgestorbenen Pflanzenreste in Form von Torf dauerhaft sicher einlagern können. Im Idealfall, der bei den Mooren im Schwarzwald weit öfters anzutreffen ist als in den übrigen Mooren Baden-Württembergs, tragen die Moore zu einer negativen CO2-Bilanz bei. Es wird also der Atmosphäre mehr CO2 entzogen als durch Zersetzung von abgestorbenen Pflanzenteilen an die Atmosphäre zurückgegeben wird. Auch dies ist ein Grund dafür, dass unseren Mooren unter dem Aspekt der Klimaveränderung ein besonderer Schutzstatus eingeräumt wird.