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Grundgebirgs-Odenwald
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Böden, Landschaft und Gesteine im Grungebirgs-Odenwald
Wegböschung oberhalb des Weiten Tals nördlich von Stamberg: Mittlere Braunerde aus schluffhaltiger Decklage über Zersatz aus Granit
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Bild: TP_BGL3_12 Braunerde aus Decklage über Granit
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Unter einer dünnen humosen Auflage (Mullmoder) folgt ein ca. 7 cm mächtiger humoser Oberboden (Ah) aus feinsandigem Schluff mit mittlerer Skelettführung (Granitgrus). Ein bis 33 cm tief reichender verbraunter Unterboden (Bv) besteht aus schwach sandigem Lehm und mittlerer Granitgrus-Führung, die nach unten bei deutlich zunehmendem Skelettgehalt in einen Unterboden/Zersatzbereich bis 40 cm übergeht (Bv/Cv). Darunter folgt bis zur Grabsohle ein hellgelblichgrauer schwach lehmiger Granitgrus (lCv). weitere Informationen

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Grundgebirgs-Odenwald

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Böden im Grundgebirgs-Odenwald

 
Bild: TP_BGL3_37 Braunerde auf Quarzporphyr
Mittlere Braunerde aus schluffhaltiger Decklage über Zersatz aus Quarzporphyr des Rotliegend
(© LGRB, Autor: T. Huth)

Unter einem nur 1-2 cm mächtigen Auflagehumus (Hagerhumus, Mullmoder) beginnt das Profl mit einem bis 6 cm reichender grusig-steinigen Oberboden aus sandig-lehmigem Schluff (Ah), unter dem ein bis 45 cm tief reichender verbraunter Unterboden (Bv) folgt, ebenfalls aus sandig-lehmigem Schluff, allerdings stark grus- und steinhaltig mit einzelnen größeren Blöcken aus Quarzporphyrt. Dieser Bv geht in eine stein- und blockreiche Schutt-Fließerde (Basislage, lCv) über. Das Profil befindet sich an einem flachen Nordwesthang östlich oberhalb von Dossenheim.

 
Bild: TP_BGL3_11 Biotitgranit
Granitaufschluss an der Straße zur Abtei Stift Neuburg, Heidelberg-Ziegelhausen
(© LGRB, Autor: T. Huth)

Auf dem Büchsenacker ragen Felsen aus der Straßenböschung, die einen grobkörnigen Biotitgranit mit Schlieren aus feinkörnigem Aplitgranit zeigen. Das Gestein ist relativ frisch und wenig verwittert, weshalb es sich zur Beobachtung/Untersuchung besonders eignet.

Arme Waldböden auf Urgestein

Bedingt durch die kristallinen Ausgangsgesteine (tiefgründig vergruste Granite, aber auch grobkörnig verwitterte Quarzporphyre) finden sich im Grundgebirgs-Odenwald meist wenig fruchtbare Böden, die großflächig dem Wald überlassen blieben. Höhere Anteile an Schieferverwitterung führen zu besseren Bodenbedingungen, auch die verwitterten Tuffe erhöhen Wasserkapazität und Nährstoffangebot. In Bereichen, wo Lösse und Lösslehme in die Verwitterungsböden eingemischt wurden, sind die Bodeneigenschaften deutlich günstiger, was  sich auch in der Zunahme der landwirtschaftlichen Nutzung zeigt. Von Lösslehm und  Abschwemmmassen geprägte Flächen leiten über zu den landwirtschaftlich sehr günstigen Böden aus nährstoffreichen Braunerden, Parabraunerden und Kolluvien.

Die verbreitet vorkommenden Granite und verwandten Gesteine unterliegen bei der Verwitterung starker Vergrusung, die mehrere Meter tief reichen kann (an freiliegenden Felsen als „Wollsackverwitterung" deutlich erkennbar). Die Bodenentwicklung auf diesem Grus führt zu grobkörnigen, lehmig-sandigen, nährstoffarmen, stark durchlässigen, mittel bis mäßig tief entwickelten Böden mit meist starker Oberbodenversauerung (Podsolierung) und ungünstigen Humusformen (Podsol-Braunerde, Braunerde). Exponierte Lagen und steile Sonnhänge zeigen dagegen nur flach bis mittel tief entwickelte Ranker, Ranker-Braunerden und Braunerden. Geringe Lössbeimengung im Oberboden führt zu deutlicher Bodenverbesserung und bei schwacher Lessivierung zur Entwicklung von Parabraunerde-Braunerden.

Die harten und verwitterungsträgen Quarzporphyre lösen sich zu sehr stark steinigen Schuttböden auf, die vor allem an den Steilhängen nur mehr arme Hangschuttböden entstehen lassen (Regosol, Lockersyrosem oder Ranker). Die tiefgründig verwitterten Schuttböden lassen dort nur Waldnutzung zu - oberhalb von Handschuhsheim und Dossenheim auf geringer Fläche allerdings auch Weinbau. In flacherer Lage, auf Rücken und Kuppen bilden sich skelettreiche, lehmig-sandige Braunerden unterschiedlicher Entwicklungstiefe mit meist stärkerer Versauerung, die bei Beteiligung von Lösslehm aber auch bessere Eigenschaften aufweisen (podsolierte Braunerde, lessivierte Braunerde).

Hangmulden, Verflachungen oder Unterhanglagen zeichnen sich durch etwas günstigere Bodenverhältnisse aus, da hier Feinmaterial aus höheren Schichten abgelagert wurde, mehr Lösslehm erhalten blieb und eingearbeitet werden konnte. Die überwiegend lehmigeren Böden zeigen höheres Nährstoffangebot, bessere Wasserkapazität und geringere Skelettgehalte (lessivierte Braunerde, Parabraunerde-Braunerde).

Auf schmalen Bergrücken, sonnexponierten Steillagen, felsigen Bereichen und Blockhalden dominieren dagegen sehr flache, wenig entwickelte Anfangsstadien der Bodenbildung  (Syrosem, Ranker und Regosol). 

Lapillituffe und Sandtuffe verwittern zu unterschiedlich skeletthaltigen, lehmig-grusigen Verwitterungsböden, die einen etwas höheren Tongehalt aufweisen können, was Wasserkapazität und Durchlässigkeit gegenüber den übrigen Kristallin-Böden etwas begünstigt. Die Nährstoffgehalte sind ähnlich ungünstig zu bewerten, die Versauerung der Oberböden ist vergleichbar. Mittel bis mäßig tief entwickelte Podsol-Braunerde, bei geringer Lösslehmbeimengung im Oberboden auch podsolige lessivierte Braunerde oder Parabraunerden-Braunerde, sind die verbreiteten Böden auf diesen Flächen, die auch hier nahezu ausschließlich mit Wald bestockt sind. 

Bei deutlich höherer Beteiligung von Lösslehm in den Fließerden nördlich von Leutersberg bildeten sich tiefgründige Parabraunerden und lessivierte Braunerden, die im Gegensatz zu den Böden auf Kristallin-Gesteinen deutlich bessere Eigenschaften aufweisen: Tiefgründige Durchwurzelbarkeit, gute Nährstoffversorgung und mittlere Wasserkapazität haben zur Folge, dass neben Waldnutzung verstärkt Landwirtschaft (v.a. Grünlandnutzung) betrieben wird. Stellenweise blieben in geschützter Lage kalkhaltige Lösse der Würmeiszeit mit Pararendzina oder Braunerde-Pararendzina erhalten. 

Breite Talmulden, besonders die der Weschnitz sowie kleinerer Bäche (Kanzelbach) beinhalten schmale grundwasserbeeinflusste Auen (Auengley, Auengley-Brauner Auenboden) und breite Kolluvien (Gley-Kolluvium und Kolluvium-Gley) aus sandig-schluffigen Substraten. Zahlreiche Waldmulden und -tälchen sind mit schluffreichen sandig-lehmigen Fließerden erfüllt. Die zugehörigen Böden zeigen meist nur geringen Grund- oder Stauwassereinfluss. Mulden im landwirtschaftlich genutzten nördlichen Bereich tragen tiefe Kolluvien, die stellenweise schwach staunass sind und - im Einzugsbereich von kalkreichem Würmlöss -  unterschiedliche Kalkgehalte aufweisen können.

Übersicht:

2 Böden im Grundgebirgs-Odenwald