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Kalkofen Neckarburken
Kalkschachtofenanlage an der Klappersteige südöstlich von Neckarburken
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Bild: Kalkofen Neckarburken, Neckar-Odenwald-Kreis
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Kalkschachtofenanlage an der Klappersteige südöstlich von Neckarburken mit Schutzhütte und Infotafel.

Kalkofen Neckarburken:
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Übersicht

Kalkofen Neckarburken

 

Historischer Kalkofen Neckarburken - vom Muschelkalk zum Kalkmörtel

 
Bild: Kalkofen Neckarburken, Neckar-Odenwald-Kreis
Historischer Kalkofen bei Neckarburken (Aufn. 2014)
(© M. Linnenbach)

Der im Jahr 2006 restaurierte Kalkofen bei Neckarburken.

 
Bild: Kalkofen Neckarburken, Neckar-Odenwald-Kreis
Blick in den aus Sandstein gemauerten Trichter
(© M. Linnenbach)

Zum Kalkbrennen wird die ca. 3m hohe Ofenröhre wird sowohl mit Brennstoff als auch mit Kalksteinen aufgefüllt.

Unweit der römischen Kastelle Neckarburken befindet sich der historische Kalkschachtofen Neckarburken (s. Karte). Er stammt ursprünglich aus dem 19 Jh.. Die Technik des Kalkbrennens mit Hilfe von Steinöfen reicht allerdings schon über 4.000 Jahre zurück. Bei uns wurde sie erst im Zuge der römischen Besiedelung im 1. Jh. n. Chr. bekannt. Gebrannter Kalk diente in früheren Zeiten als man Zement noch nicht kannte, als wichtiger Werkstoff zum Verputzen und Verfugen von Mauerwerk. Kalk ist bereits in der Bibel ein fester Begriff. An mehreren Stellen werden der Kalkmörtel und die Kalktünche erwähnt und in Gleichnissen verwendet - ein Zeichen für die allgemeine Bekanntheit der Kalkverwendung schon in biblischen Zeiten.

Branntkalk (Calciumoxid) findet bis heute vielseitige Verwendung, u. a. zur Düngung sowie zur Herstellung von Mörtel, Kalkputz oder Kalkfarbe. Voraussetzung für den Betrieb eines Kalkofens war, dass Kalkgestein wie z. B. Muschelkalk oder Weißer Jura als geologische Formation in der unmittelbaren Umgebung vorkam. Die Beschaffung des Gesteins war für die Menschen vor der Motorisierung sehr aufwändig. Im Elztal beispielsweise wurden die im Muschelkalksteinbruch Dallau gebrochenen Steine mit Pferdefuhrwerken zu den jeweiligen Kalköfen transportiert werden. Dort wurden sie in nahezu gleichgroße, faustgrosse Brocken zerschlagen und anschliessend in die trichterförmig nach unten verlaufenden Kalkofentrichter eingefüllt.

Was geschieht beim Kalkbrennen? - Dem gebrochenen Kalkgestein (CaCO3) wird durch mehrtägiges Erhitzen auf ca. 900 bis 1.000 °C, Wasser (H2O) und Kohlendioxid (CO2) entzogen. Übrig bleibt Branntkalk bzw. Calciumoxid (CaO), der durch die Prozedur nahezu die Hälfte seines bisherigen Gewichts verloren hat. Kommt der gebrannte Kalk anschließend wieder mit Wasser in Berührung, nimmt er die Flüssigkeit auf und zerfällt dabei gleichzeitig unter Hitzeentwicklung. Man unterscheidet die Branntkalke jeweils nach ihrer Reaktionsgeschwindigkeit mit Wasser:

  • bis 2 Minuten Reaktionsdauer → Weichbranntkalk
  • 2 bis 6 Minuten Reaktionsdauer → Mittelbranntkalk
  • mehr als 6 min Reaktionsdauer →  Hartbranntkalk

Um Mörtel herzustellen, vermischt man Branntkalk mit Sand im Verhältnis 3:1, unter Hinzugabe von Wasser. Bis vor dem 2. Weltkrieg waren Kalköfen weit verbreitet. Insbesondere in der waldreichen Neckar-Odenwald Region verfügten zahlreiche Gemeinden, aber auch private Betriebe, über solche Anlagen.

Für den Bau der Kalköfen bevorzugte man einen mit Sandsteinen doppelwandig gemauerten Trichter. Um die mehrtägige, ununterbrochene Befeuerung zu gewährleisten, benötigte man große Mengen an Brennholz und Holzkohle. Die günstige Lage des Neckarburkener Kalkofens an der Böschung der Klappersteige ermöglicht sowohl eine ebenerdige Füllung von oben als auch eine Entleerung unterhalb am Weg.

Hinweise für Besucher, Anfahrt: In den Ortsteilen Neckarburken, Dallau und Auerbach liegen drei Haltepunkte der Bahnstrecke Neckarelz-Osterburken, die von der S-Bahn RheinNeckar bedient werden. Die Linie S 1 stellt eine stündliche Verbindung in die Richtungen Heidelberg sowie Osterburken her. Neben dem Kalkofen bei Neckarburken existiert ein weiterer restaurierter Ofen im benachbarten Dallau (s. Bildergalerie). Die beiden Kulturdenkmale sind über den ausgeschilderten Kalkofenwanderweg gut erreichbar.