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NSG Tongrube Gochsheim
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Tongrube Gochsheim
NSG Tongrube Gochsheim, Blick in Richtung Norden (Aufn. 2014)
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Bild: Tongrube Gochsheim, Kraichtal
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NSG Tongrube Gochsheim:
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Übersicht
 

Naturschutzgebiet Tongrube Gochsheim, Kraichtal

 
Bild: Tongrube Gochsheim
Ehemalige Tongrube bei Gochsheim (Ldkr. Karlsruhe)
(© LUBW)

Ehemalige Tongrube bei Kraichtal-Gochsheim. Heute Naturschutzgebiet mit einer Vielzahl von unterschiedlichen, strukturreichen Lebensräumen wie Steilwände, Teiche, Halden und Heckenraine. (Luftbild der LfU aus den 1990er Jahren).

Kartenansicht Google.Maps


 
Bild: Tongrube Gochsheim, Kraichtal
NSG Tongrube Gochsheim (Aufn. 2014)
(© M. Linnenbach)

Ehemalige Tongrube bei Kraichtal-Gochsheim. Abgelegenes Stillgewässser im Kraichgau, Heimat vieler Amphibien und Wasservögel. Seit 1987 Naturschutzgebiet (Aufn. 2014).

 
Bild: Europäische Seekanne
Europäische Seekanne (Nymphoides peltada)
(© M. Linnenbach)

Die Europäische Seekanne (Nymphoides peltada) oder auch Teichkanne, bildet bis 150 cm lange, flutende Stängel aus, an deren oberem Ende sich wechselständige Laubblätter befinden, die auf der Wasseroberfläche schwimmen. Die gelben, trichterförmigen Blüten dagegen ragen aus dem Wasser empor. Bienen und Hummeln fungieren als Bestäuber.

Die 1987 als Schutzgebiet ausgewiesene Tongrube Gochsheim befindet sich nordwestlich der Verbandsgemeinde Kraichtal-Gochsheim im Kraichgauer Hügelland. Aufgrund eiszeitlicher Ablagerungen von kompaktem Lösslehm über dem anstehenden Muschelkalk, entstand hier in der Mulde des Berntalergrunds eine großflächige Abbaustätte, die über viele Jahre intensiv als Ton- und Lehmgrube betrieben wurde (s. Karte). Um das Jahr 1976 erfolgte deren Schließung, da die Weiterführung des Betriebs aufgrund der ständig steigenden Anzahl von grobkörnigen, harten Kalkeinschlüssen im Tonsubstrat letztendlich nicht mehr lohnend war. Eine Renaturierung erfolgte nicht. Somit blieb das zeitweise noch als Deponie genutzte Grubengelände offen und füllte sich allmählich mit Regen- und Grundwasser.

Einige Jahre nach ihrer Stillegung stießen Mitarbeiter der landesweiten Amphibienkartierung zufällig auf das Gewässer und entdeckten dabei eines der größten Kammmolchvorkommen Baden-Württembergs. Auch andere Amphibien- und Reptilienarten hatten hier zwischenzeitlich ihr Zuhause gefunden. So kam es, dass die Naturschutzverwaltung Baden-Württemberg im Jahr 1986/87, quasi 10 Jahre nach der Schließung, die Unterschutzstellung des wertvollen Sekundärbiotops veranlasste.

Durch die frühere Nutzung bedingt, entstanden in der Tongrube eine Vielzahl unterschiedlichster Kleinstlebensräume wie Tümpel, eingebettet in die Verbuschungszone eines ehemaligen Hohlweges mit Streuobstbau und Heckenrainen. Diese Vielgestaltigkeit ist inzwischen leider verloren gegangen. Mit nur wenigen Ausnahmen ist das Ufer des Stillgewässers nahezu mit dichtem Gehölz, stellenweise bereits mit Niederwald zugewachsen. Sämtliche Klein - bzw. Kleinstgewässer in den Randzonen sind inzwischen verschwunden (trockengefallen) und verbuscht. Bereits nach Einstellung des Abbaus wurde das konkurrenzstarke Land-Reitgras (Calamagrostis epigejos) als Erosionsschutz angesät. Seither breitet es sich aus. Auch Neophyten wie die Kanadische Goldrute haben sich auf den einstigen Ruderalböden flächendeckend eingestellt.

Im Gewässer der aufgelassenen Tongrube selbst, sind Kamm- Teich- und Fadenmolch sowie Erdkröte, Grasfrosch und Grünfrösche heute noch gut vertreten. Gelbbauchunke und Laubfrosch dagegen, sind ist aufgrund fehlender Kleingewässer aus diesem Lebensraum verschwunden. An Singvogelarten ist das Vorkommen von Rohr- und Grauammer, Teichrohrsänger, Feldschwirl, Dorngrasmücke, Klappergrasmücke und Uferschwalbe erwähnenswert. Schwarz- und Blaukehlchen haben das Gebiet wegen des dichten Gehölzaufwuchses mittlerweile verlassen. An Wasservogelarten finden sich Stockenten, Blässhühner, Haubentaucher und Graureiher häufiger am Gewässer ein. Im Uferbereich, vor dem Röhricht, bilden Europäische Seekanne und Weiße Seerose dichte Bestände. Den im weichen Lehmboden hinterlassenen Trittsiegeln nach, besuchen häufig auch Reh- und Schwarzwild das Gelände.

Artenreicher im Schutzgebiet wurde in den vergangenen Jahren die Libellenfauna. Insgesamt 19 Groß- wie Kleinlibellen leben inzwischen vor Ort, darunter seltene Arten wie Kleine Binsenjungfer, Gebänderte Heidelibelle und Großes Granatauge. In den bewachsenen, feuchten Uferzonen leben Wiesen- und Sumpfgrashüpfer. Aufgrund des hohen Nahrungsangebotes an Insekten finden sich im Schutzgebiet stellenweise auch Blindschleiche und Zauneidechse (s. Bildergalerie).

Hinweis für Besucher: Vom Gewerbegebiet im Norden Gochheims führt ein geschotterter Feldweg an der Schuztgebietsgrenze entlang in Richtung Südwesten. Auf der Höhe des Sees kann man sowohl das Gewässer als auch das umgebende Gelände der Tongrube überschauen (s. Karte des Gebiets).