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Jungmoränenhügelland
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Landschaften, Böden und Geotope im Bergland des Jungmoränenhügellands
Der Gehrenberg bei Markdorf
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Bild: Der Gehrenberg bei Markdorf
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Der Gehrenberg liegt nordwestlich von Markdorf. Mit einer Höhe von 754 m ü. NN ragt er etwa 300 m über das Hügelland des Bodenseebeckens. Die meist bewaldeten Hänge sind mit tonreichen Rutschmassen überwiegend aus Molassematerial überkleidet. Als Böden herrschen deshalb Pelosole und Pseudogley-Pelosole vor.

Jungmoränenhügelland:
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Jungmoränenhügelland

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Böden im Bergland zwischen Höchsten und Schiener Berg

 
Bild: Deggenhauser Tal Höchsten Jungmoränenhügelland
Blick über das Deggenhauser Tal zum Höchsten
(© LGRB, Autor: E. Nitsch)

Das Deggenhauser Tal ist in diesem Bereich bis zu 200 m tief eingeschnitten. Die Talaue der Deggenhauser Aach ist schmal. Sie wird von Schwemmfächern der Seitentälchen eingeengt. Der Gipfelbereich des Höchsten wird durch den Sendemast markiert.

 
Bild: Landschaft beim Illmensee Jungmoränenhügelland
Landschaft beim Illmensee
(© LGRB, Autor: M. Weiß)

Der Illmensee liegt etwa 4 km nördlich des Höchsten in einer breiten Senke zwischen den beiden Höhenzügen des Berglands. Dieser Landschaftsteil wird vom Andelsbach entwässert und gehört damit zum Einzugsgebiet der Donau. Die sanften Landschaftsformen stehen im Gegensatz zum tief eingeschnittenen, engen Deggenhauser Tal westlich des Höchsten, das über den Bodensee zum Rhein hin entwässert wird.

 
Bild: Schiener Berg Bankholzen Jungmoränenhügelland
Der Anstieg des Schiener Berges bei Bankholzen (Lkr. Konstanz)
(© LGRB, Autor: M. Weiß)

Mit einem bewaldeten Steilhang  in der Oberer Süßwassermolasse erhebt sich der Schiener Berg über das Bodenseebecken (Parabraunerde, Braunerde-Parabraunerde aus Fließerden und Rutschmassen). Aus den kurzen Seitentälern und Schluchten wurden Schwemmfächer aufgeschüttet. Sie sind zu einer durchgehenden Hangschleppe miteinander verschmolzen. Der größere Teil ist würmzeitlichen Alters mit Parabraunerden als Böden. Jüngere (holozäne) Mulden und Schwemmfächerbereiche lassen sich an Böden aus humosem Bodenmaterial (Kolluvisol, Gley) erkennen.

Bewegte Hänge und ruhige Hochflächen

Im Jungmoränenhügelland des westlichen Bodenseegebiets erheben sich mehrere kleine Bergländer und Einzelberge um bis zu 300 m über ihre Umgebung. Neben dem Höchsten-Bergland, das außer dem Höchsten mit 838 m ü. NN auch den Gehrenberg und Heiligenberg umfasst, gehört dazu das Stockacher Bergland mit dem Sipplinger Berg. Die Hochlagen des Bodanrücks und der Schiener Berg sind durch den Überlinger See und den Zeller See abgetrennt. Durch den unterschiedlichen Gesteinsaufbau, die Formung der Landschaft durch den Rheingletscher, junge geologische Ereignisse (Rutschungen) sowie die Böden und ihre Nutzung erhalten diese Gebiete ihren unverwechselbaren Charakter. Zusammen mit dem Hügelland und den Beckenbereichen rund um den Bodensee ist so im nördlichen und westlichen Jungmoränengebiet ein außergewöhnlich vielfältiger Naturraum entstanden.

 

Im Bergland um den Höchsten finden sich auf einem Sockel aus Oberer Süßwassermolasse die Schotter- und Moränenablagerungen der letzten drei Eiszeiten. Auf dem Gipfelplateau und dem westexponierten Hang zum Illmensee sind Braunerde-Parabraunerden und Parabraunerden aus rißzeitlichem Moränenmaterial verbreitet. Deshalb geht man davon aus, dass der Höchsten während der Rißeiszeit als sogenannter Nunatak über das Gletschereis ragte. Unterhalb folgen Parabraunerden aus würmzeitlichem Geschiebemergel, die z. T. eine erhebliche Beimengung von Molassesandsteinen oder -tonen enthalten. Unter den Moränen liegen durch Kalkausfällungen zu harten Konglomeraten zementierte, mittelpleistozäne Schotter (Deckenschotter). Auf den Steilhängen überzieht nur eine lückenhafte, humose Bodenbildung die Nagelfluhfelsen (Rendzina, Syrosem). Hangabwärts folgen die wellig-kuppigen Rutschhänge des Deggenhauser Tals. Hier überdeckt kiesiger Hangschutt mit Parabraunerden teilweise die am Hang umgelagerten, tonig-mergeligen Molasseschichten mit ihren Tonböden (Pelosol). In der Niederung um den Illmensee sind im Zentrum Niedermoore sowie randlich Gleye und Anmoorgleye aus Schwemm- und Beckensedimenten verbreitet.

 

Der Heiligenberg unterscheidet sich vom Höchsten durch die überwiegend aus sandiger Molasse aufgebauten Hänge mit Parabraunerden. Parabraunerden und Braunerde-Parabraunerden aus Lokalmoränen mit hohem Anteil an Molassesandsteinen nehmen größere Teile der hügeligen Heiligenberger Hochfläche ein. Eine Besonderheit bilden die aus von Winden während der Eiszeit angewehten, schluffig-sandigen Ablagerungen (Lösssand, Sandlöss) entstandenen Böden (Parabraunerde-Braunerde, Parabraunerde) in der zentralen, nach Norden hin ausgerichteten Senke des Malaientals oberhalb des Ursprungs der Deggenhauser Aach.

 

Das tief eingeschnittene Deggenhauser Tal war während der Würmeiszeit mit einer Seitenzunge des Rheingletschers ausgefüllt. Bei deren schrittweisen Rückzug entstanden mehrere, quer zum Tal verlaufende Rücken aus kiesreicher Moräne (Parabraunerde) und ein Eisrandstausee mit kiesarmen, schluffig-sandigen bis tonigen Ablagerungen (Parabraunerde, Pelosol). Ein Teil der Moränen ist am Unterhang nordwestlich von Deggenhausen nachträglich verrutscht (Pararendzina). Am Oberlauf der Deggenhauser Aach finden sich Grundwasserböden (Gleye) und bis zu 5 dm mächtige Niedermoore. Erst ab Unterboshasel ist eine schmale Talaue ausgebildet, die dann ab Wittenhofen in flacherem Gelände an Breite zunimmt.

 

Nördlich von Markdorf beginnt der Anstieg zum Gehrenberg. Auf den überwiegend bewaldeten Hängen mit ihrem wellig-höckerigen Kleinrelief haben sich aus Rutschmassen tonreiche, z. T. schwach staunasse Böden entwickelt (Pelosol, Pseudogley-Pelosol). An den Hängen sehr steiler Kerbtäler finden sich Pararendzinen als Ah/C-Böden. Die weniger stark geneigten Hänge auf der Nordwestseite und am östlichen Ober- und Unterhang tragen Parabraunerde-Braunerden und Pseudogley-Braunerde-Parabraunerden aus tonig-lehmigem Geschiebemergel, die ebenso auf der Ost- und Südseite des Höchsten auftreten. Auf dem Gehrenberg treten nur in den höchsten Lagen (max. 754 m ü. NN) Molasseablagerungen mit z. T. staunassen Böden zu Tage (Parabraunerde, Braunerde-Pelosol-Pseudogley). Die anschließende, sanft nach Norden zum Tal der Deggenhauser Aach hin abfallende Fläche wird großteils von typischen Parabraunerden aus würmzeitlichem Geschiebemergel bedeckt.

 

Dem Stockacher Bergland und dem Bodanrück fehlen die Rißmoränen und ihre Böden. Die Deckenschotter treten nur in den Hochlagen des Bodanrücks und der Homburg Boden bildend auf (Parabraunerden). Die Hänge und ein kleiner Teil der Hochflächen werden von Böden aus unterschiedlichen Molassegesteinen eingenommen (Parabraunerde-Braunerde, Parabraunerde, stellenweise Pelosol). Daneben sind jedoch auch Parabraunerden aus Geschiebemergel sowie in Muldentälchen und Senken auch Kolluvisole und Gleye verbreitet. Die Steilhänge zum Bodenseebecken weisen nur eine geringmächtige, humose und kalkhaltige Bodendecke (Pararendzina) auf. Sie besteht aus z. T. durch Rutschungen umgelagerter Molasse. Aus den Hangtälchen sind Schwemmfächer mit tiefgründig humosen Böden (Kolluvisol) geschüttet worden. In den Randlagen zur Hegau-Alb treten als Besonderheit kalksteinreiche Moränen- und Endmoränen mit Terra fusca-Parabraunerden und Parabraunerden auf.

 

An der Grenze zur Schweiz gelegen wird der Schiener Berg auf seiner Hochfläche durch die Deckenschotterplatten geprägt. Auf stark geneigten Oberhängen und Hangspornen herrschen kiesreiche Parabraunerden vor. Auf schwach gewölbten Erhebungen sind dagegen tiefgründige Parabraunerden aus verwittertem, z. T. kiesarmen Deckenschottermaterial entwickelt. Sie treten stellenweise eng verzahnt mit Parabraunerden aus Geschiebemergel auf, die im Übergang zu den Molassehängen einen deutlichen Anteil an Sand aufweisen können. In den höchsten Lagen finden sich zudem noch Lösslehme mit teilweise staunassen Böden (Parabraunerde, Pseudogley). Die Hänge des Schiener Bergs werden aus überwiegend sandiger Oberer Süßwassermolasse aufgebaut. Außer Parabraunerden sind in konkaven Hangbereichen Quellengleye ausgebildet. Als Ausläufer des Hegauvulkanismus gibt es drei sehr kleinflächige Vorkommen von mit geringmächtigem Geschiebemergel überdecktem Tuffgestein (Parabraunerde). Auf dem westlich des Schiener Bergs bei Gailingen gelegenen Rauhenberg treten an den Hängen ebenfalls kiesreiche Parabraunerden aus Deckenschottern und daraus gebildetem Hangschutt auf.