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Jungmoränenhügelland
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Landschaften, Böden und Geotope im Westallgauer Hügelland
Blick auf die Waldburg von Osten
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Bild: Waldburg von Osten
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Die Waldburg liegt an der Südspitze eines aus mächtigen Moränenablagerungen aufgebauten Rückens. Er überragt seine Umgebung um gut siebzig Meter. Im Vordergrund sieht man die Eiszerfallslandschaft zwischen Innerer und Äußerer Jungendmoräne mit ihren Schotterterrassen, Mooren und flachen Moränenhügeln. Nördlich der Waldburg beginnt der ausgedehnte, nur wenig von Verkehrswegen zerschnittene Altdorfer Wald. Die Landwirtschaft im Westallgäuer Hügelland wird von Milchviehbetrieben mit hohem Grünlandanteil geprägt.

Jungmoränenhügelland:
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Jungmoränenhügelland

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Böden im Westallgäuer Hügelland

 
Bild: Landschaft zwischen Vogt und Kißlegg Westallgäuer Hügelland
Im Westallgäuer Hügelland zwischen Vogt und Kißlegg
(© LGRB, Autor: M. Weiß)

Der Blick geht nach Südosten über die nördliche Verlängerung des Karbach-Beckens. Die Niederungen sind vermoort oder mit vernässten Beckenablagerungen ausgefüllt. Die Innere Jungendmoräne verläuft als Hügelkette durch dieses Gebiet. Die nur wenig ihre Umgebung überragenden Rücken bilden hier jedoch keine erkennbare Landmarke.

 
Bild: Innere Jungendmoräne Einödhöfe Westallgäuer Hügelland
Die Innere Jungendmoräne mit Einödhöfen im Westallgäuer Hügelland
(© LGRB, Autor: M. Weiß)

Von Süden, der ehemals dem Gletscher zugewandten Seite, zeigt sich die Innere Jungendmoräne deutlich als etwa 50 bis 70 m hohe Hügelkette (bei den beiden oberen Höfen). Im Vordergrund die engräumig strukturierte, ehemalige Eiszerfallslandschaft mit Mooren, Grund- und Stauwasserböden neben häufig kiesreichen, braunen Moränenboden.

 
Bild: Taufach-Fetzach-Moos (NSG) Jungmoränenhügelland
Blick über das Taufach-Fetzach-Moos (NSG)
(© LGRB, Autor: M. Weiß)

Das Taufach-Fetzach-Moos liegt zwischen Isny und Leutkirch im Allgäu und grenzt im Osten an die Äußere Jungendmoräne. Über 300 ha des Moores stehen unter Naturschutz. Drei Hochmoore bilden den Kernbereich. Sie werden von einem Niedermoorgürtel umgeben, der am Rand immer wieder mit kleinen Ausbuchtungen in die Moränenhügel eingreift. Dazu kommen am Westrand der beiden größeren Hochmoore noch der Große und der Kleine Ursee als Reste der ursprünglichen, heute verlandeten und vermoorten Wasserfläche. Kleine Mineralbodeninseln weisen auf einen deutlich reliefierten Untergrund unter der ebenen Oberfläche des Moores hin.

Wiesen & Weiden – Fichtenwälder & Moore

Gesteine und Landschaftsformen weisen das Westallgäuer Hügelland als typisches Jungmoränenhügelland aus. Der entscheidende Standortsfaktor ist das Klima. Durch die auch im Sommer hohen Niederschläge im Alpenstau stellt das Gebiet heute einen Teil des großen Grünlandgürtels im nördlichen Alpenvorland dar. Bis in die Mitte des letzten Jahrhunderts gehörte der Getreidebau zur Selbstversorgung mit zur üblichen Landbewirtschaftung. Bedingt durch die Viehwirtschaft liegen viele landwirtschaftliche Betriebe heute als Einödhöfe verstreut in der Landschaft.

 

Die klimatischen Verhältnisse haben auch eine unterschiedliche Entwicklung der Böden zur Folge. Die Böden sind schneller und tiefer entkalkt und versauert. Die Tonverlagerung in den Unterboden ist deshalb weniger stark ausgeprägt. Die umgelagerte Tonmenge verteilt sich zudem auf mächtigere, verwitterte und verbraunte Unterbodenhorizonte. So enstanden Übergangsformen zwischen Parabraunerde und Braunerde als Leitböden. Zusätzlich lassen sich die Böden nach den Ausgangsgesteinen untergliedern. Im südwestlichen, z. T. von Drumlins geprägten Teil handelt es sich überwiegend um bindige Grundmoränenablagerungen, örtlich mit kiesreichen Hügelrücken. In Beckenbereichen, vor allem zwischen Innerer und Äußerer Jungendmoräne herrschen durchlässige, z. T. kiesreiche, sandig-lehmige Böden vor. Von den geröllhaltigen, kuppigen Endmoränen gehen Terrassenflächen mit Schottern aus. Auf kleineren Flächen sind kiesarme, schluffige bis tonige Beckenablagerungen zu finden. Neben braunen Böden kommen hier auch Staunässeböden (Pseudogley) vor. Nur in wenigen Hochlagen um 700 m NN und mehr im Bereich der Europäischen Wasserscheide sind nochmals lehmige, dichtgelagerte Grundmoränen verbreitet (Braunerde-Parabraunerde, Pseudogley). An den Nahtstellen der ehemaligen Gletscherzungen sind immer wieder große Findlinge zurückgeblieben. Am eindrucksvollsten sind diese Verhältnisse auf dem Waldburger Rücken am nordwestlichen Rand des Westallgäuer Hügellands, der mit Höhenlagen bis 770 m ü. NN zwischen Äußerer und Innerer Jungendmoräne verläuft. Mehrere Eisrandlagen mit kuppigen Endmoränen, Schmelzwasserrinnen mit Schottern und flachwellige, kiesig-sandige Moränen mit Toteislöchern sowie teilweise vernässte oder vermoorte Senken gliedern das großflächig bewaldete Gebiet.

 

Von der Erosion sind die Böden im Westallgäuer Hügelland nur wenig betroffen. Viele erosionsanfällige Standorte sind bewaldet oder werden als Weideland genutzt. Ausnahmen bilden einige Rücken und Kuppen von Drumlins und Endmoränen mit kalkhaltigen Böden aus Geschiebemergel (Pararendzina). Dementsprechend sind Böden aus humosem, angeschwemmtem Bodenmaterial (Kolluvisol) nur in wenigen Mulden, einigen Rinnen in den Terrassenflächen sowie auf Schwemmfächern zu finden.

 

In den zahlreichen, oft verzweigten Senken zwischen und rund um die Moränenhügel sind Grundwasserböden (Gley) aus Schwemm- und Beckensedimenten verbreitet. Ebenso finden sich Gleye in grundwassernahen Bereichen der Schotterterrassen, die nicht selten zu Mooren überleiten. Größere Moore haben sich bevorzugt in den Beckenbereichen zwischen Innerer und Äußerer Jungendmoräne entwickelt. Der Schwerpunkt ihrer Verbreitung liegt deshalb in der Umgebung von Kißlegg und im Gebiet westlich und nördlich von Isny im Allgäu. In diesen Eiszerfallslandschaften sind die Niedermoore mit ihren Hochmoorkernen durch Anmoore und Mineralbodeninseln und -ausbuchtungen auf engem Raum zu vielfältigen Bodengesellschaften und Lebensräumen verwoben.

 

Im Süden durchqueren Obere und Untere Argen das Westallgäuer Hügelland. Ihren Quellbereich haben die beiden Flüsse in den Voralpen. Sie vereinigen sich südwestlich von Wangen i. Allg. unterhalb von Neuravensburg in einem engen Durchbruchstal. Die Böden der Talauen bestehen nur auf kleineren Flächen aus umgelagertem, humosem Bodenmaterial (Brauner Auenboden). Häufiger sind kalkreiche, überwiegend graues Gesteinsmaterial enthaltende Hochwasserablagerungen über grobem Flussschotter (Auenpararendzina). Durch die rasche Eintiefung des Tals nach dem Rückzug des Gletschereises begünstigt, haben sich in den Gleithangbereichen immer wieder ältere Auenterrassen (Braunerde) sowie lehmige bis kiesreiche, eiszeitliche Terrassen (Parabraunerde-Braunerde und Braunerde-Parabraunerde) erhalten. Nur selten gibt es Grundwasserböden (Auengley, Gley). Die Talhänge werden flussabwärts zunehmend länger und die Talaue immer schmaler, bis die Argen kurz vor dem Eintritt ins Schussenbecken das Westallgäuer Hügelland verlässt. Die Böden der überwiegend dem Wald überlassenen, übersteilten Hänge bestehen aus häufig durch Rutschungen verlagertem Molasse- und Gletschermaterial (Parabraunerde-Braunerde). In Prallhangbereichen überwiegen kalkhaltige, schwach entwickelte Böden (Pararendzina).

 

Die Wolfegger Ach entwässert den nordwestlichen Teil des Westallgäuer Hügellands. Nach einem kurzen Abschnitt mit einer schmalen Talaue am Oberlauf durchfließt sie als Immenrieder Ach die vermoorte Beckenlandschaft von Kißlegg. Erst etwa 12 km flussabwärts bildet sich wieder eine selbständige Talaue mit Grundwasserböden (Auengley). Bei Wolfegg durchbricht das vorher träge Flüsschen den Waldburger Rücken und biegt nach Westen in einen tief eingeschnittenen Tobel ein, mit dem das Westallgäuer Hügelland endet.