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Jungmoränenhügelland
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Landschaften, Böden und Geotope im Jungmoränenhügelland
Frühjahrsbestellung im Jungmoränenhügelland in der Umgebung von Bad Waldsee
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Bild: Landschaft bei Bad Waldsee Jungmoränenhügelland
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In dem Gebiet zwischen Innerer und Äußerer Jungendmoräne findet man südöstlich von Reute mit seinem Kloster eine flachhügelige Landschaft vor. Die Parabraunerden auf den Moränenablagerungen sind hier überdurchschnittlich kiesig. Ein Landwirt bereitet gerade einen frisch gepflügten Acker für die Maisaussaat vor. Dazu benützt er einen vorne am Traktor angebrachten Packer, um die Unterkrume wieder an das aus dem Unterboden aufsteigende Wasser anzubinden. Die Kreiselegge hinten am Schlepper dient zur Zerkleinerung und Einebnung des Bodens vor der Saat.

Jungmoränenhügelland:
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Jungmoränenhügelland

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Böden im Hügelland

 
Bild: Landschaft Schlier Jungmoränenhügelland
Das Jungmoränenhügelland bei Schlier (Lkr. Ravensburg)
(© LGRB, Autor: M. Weiß)

Im Vordergrund die ackerbaulich genutzte, flachhügelige Grundmoränenlandschaft mit Grünland in Mulden und in der Talaue der Scherzach. Im Hintergrund östlich von Schlier folgt bald der Anstieg zur überwiegend als Wald und Grünland genutzten Endmoränenlandschaft des Waldburger Rückens.

 
Bild: Wasserfall Aicher Tobel Jungmoränenhügelland
Wasserfall im Aicher Tobel
(© Autor: LGRB)

Der 6 m hohe Wasserfall im Aicher Tobel östlich von Weiler (Lkr. Ravensburg) ist ein geschütztes Naturdenkmal. Dünne verfestigte Lagen innerhalb der weichen Sande der Oberen Süßwassermolasse sind die Auslöser für solche Wasserfälle. Hinzu kommt das teilweise starke Talgefälle.

 
Bild: Pfrunger Ried Landschaft Jungmoränenhügelland
Blick über das Pfrunger Ried
(© LGRB, Autor: M. Weiß)

Das Pfrunger Ried nimmt den großen Nordteil des Wilhelmsdorfer Zungenbeckens ein. Es liegt zwischen dem Höchsten-Bergland und den sich bis Ostrach erstreckenden Jungendmoränen von Pfullendorf im Westen und Norden sowie dem östlich anschließendem Rinkenburger Hügelland. Der bewaldete Rücken der Rinkenburg ist aus von Deckenschottern überlagerter Oberer Süßwassermolasse aufgebaut.

Von Grünkraut über Bergatreute zur Atzenberger Höhe und ins Pfrunger Ried

Nördlich der dicht besiedelten und von starkem Sonderkulturanbau geprägten Umgebung des Bodensees liegt der zweite zentrale Landschaftsraum des Jungmoränenhügellands. Er beginnt mit der höher gelegenen Umrahmung beiderseits des Schussenbeckens. Im Norden schließt nach der Inneren Jungendmoräne die Eiszerfallslandschaft des Beckens von Altshausen und Bad Waldsee an. Mit dem Wall der Äußeren Jungendmoräne und den an sie gebundenen Schotterfeldern gelangt man zur Grenze zwischen Jung- und Altmoränenhügelland. Das Pfrunger Ried und das westlich folgende Hügelland des Oberen Linzgaus mit Endmoränenwällen und dem Becken zwischen Schönach und Herdwangen bildet den nordwestlichen Teil des Gebiets im Oberschwäbischen Hügelland.

Bei den Böden der Grundmoränenlandschaft handelt es sich auf weiten Flächen um Parabraunerden aus Geschiebemergel. Unter Wald weitgehend vollständig erhaltene Böden weisen Entkalkungstiefen um 10 dm auf. Die Bodennutzung wechselt auf den Hügeln engräumig zwischen Nadel- und Mischwald sowie Ackerland mit Getreide- und Maisanbau. Grünland gibt es auf stark geneigten Hängen und in feuchten Senken. Obst und Hopfen als Sonderkulturen mit rigolten Böden sind noch in Randlagen zum Bodenseegebiet, wie z. B. bei Grünkraut, zu finden. In ebenen, abzugsträgen Lagen sind kleinräumig immer wieder schwach staunasse Pseudogley-Parabraunerden entwickelt. Pseudogleye kommen nur selten vor. Stark erodierte, kalkhaltige Böden (Pararendzina) sind nur auf wenigen Rücken vorhanden. In Mulden hat sich das abgeschwemmte, humose Bodenmaterial wieder gesammelt (Kolluvisol). Daneben gibt es immer wieder Senken mit hoch anstehendem Grundwasser. Hier sind Gleye und Anmoorgleye aus umgelagertem Moränenmaterial, feinkörnigen Beckenablagerungen oder jungen Abschwemmmassen verbreitet.

 

In der Eiszerfallslandschaft bestimmt zwischen Bad Waldsee und Aulendorf der Wechsel von Parabraunerden aus kiesarmen, schluffig-sandigen Beckenablagerungen und z. T. vielfach verzweigten Mooren das Bodenmuster. Die Nieder- und Hochmoore sind häufig von Anmoorgleyen, Gleyen und Gley-Braunerden umrahmt. Sandreiche Böden sind unter Wald verbreitet deutlich versauert und weisen in Bänder aufgelöste Tonanreicherungshorizonte auf (podsolige Bänderparabraunerde, Podsol-Bänderparabraunerde). Im höhergelegenen, südöstlichen Hügelland zwischen Bergatreute und Bad Waldsee treten weitflächig Parabraunerden aus sandig-kiesigem Geschiebemergel auf. Parabraunerden aus Kiesen oder Kiessanden sind im Anschluss an die Innere Jungendmoräne zu finden. Dagegen sind zwischen Schönach und Herdwangen tonreiche Beckensedimente mit Staunässeböden (Pseudogley) vorherrschend. Die Äußere Jungendmoräne zeigt sich z. B. im Bereich der Atzenberger Höhe als markanter, z. T. über 1 km breiter und die Grundmoränen bis 30 m an Höhe überragender Wall. Die Scheitelbereiche werden nicht selten durch zahlreiche Toteishohlformen geprägt. Dies hat ein engräumig wechselndes Bodenmuster mit Parabraunerden und Pararendzinen auf Erhebungen und Kolluvisolen sowie Grundwasserböden (Gley) bis hin zu Mooren in den Senken zur Folge. Die von den Endmoränen ausgehenden Schotterfelder zeigen dagegen ein sehr einheitliches Bodenmuster. Kiesreiche Parabraunerden sind hier die dominierenden Böden.

 

Auf ihrem Weg zum Bodensee müssen Schussen und Wolfegger Ach sowie die Salemer Aach und ihre Zuflüsse auf kurzem Weg erhebliche Höhenunterschiede überwinden. Sie haben sich deshalb tief in die Landschaft eingeschnitten und dabei die tertiären Molasseschichten erreicht, die unter den eiszeitlichen (quartären) Ablagerungen anstehen. Die Hänge der Molassetobel sind instabil und weisen in Folge zahlreicher Rutschungen ein unruhiges, wellig-kuppiges Kleinrelief auf. Deshalb sind hier stark wechselnde Bodenabfolgen von tonig-lehmigen Braunerden, sandig-lehmigen Parabraunerden und schluffig-sandigen oder mergeligen Pararendzinen verbreitet. Dazu kommen kalkhaltige Quellengleye und Kolluvisole in Mulden. In flacheren Lagen gibt es auf größerer Fläche Parabraunerden und Parabraunerde-Braunerden aus durch Rutschungen umgelagertem Moränenmaterial. Die Haupttäler besitzen durchgehende Talauen mit z. T. kalkhaltigen Auenlehmen und -sanden (Brauner Auenboden bis Auengley) sowie kleine Schotterterrassen (Parabraunerde, Braunerde-Parabraunerde). In engen Tobeln verlaufen die Bäche streckenweise zwischen den anstehenden Molassefelsen und haben zur Überwindung harter Gesteinsschichten Wasserfälle ausgebildet.

 

Das Pfrunger-Burgweiler-Ried ist mit über 2.500 ha nach dem Federseeried das zweitgrößte Moorgebiet Baden-Württembergs. Es liegt auf gut 600 m ü. NN zwischen Innerer und Äußerer Jungendmoräne in einem Gletscherzungenbecken, das zeitweise von einem Eisrandstausee ausgefüllt war. Drei Hochmoorkerne werden von ausgedehnten Niedermooren umgeben, die vor allem im nördlichen Teil bei Burgweiler durch Mineralbodeninseln aus Moränenmaterial gegliedert werden. Frühere Torfstiche bilden heute z. T. Gewässerflächen. Die intensive Nutzung des Rieds begann im frühen 19. Jahrhundert im württembergischen Teil mit der Gründung von Wilhelmsdorf als Kolonistensiedlung. Von dort aus wurde der südliche Teil des Rieds unter enormen Mühen entwässert und urbar gemacht. Ab 1855 begann man mit der Regulierung der Ostrach und konnte daraufhin in großem Umfang Torf abbauen. In der Zeit nach dem 2. Weltkrieg wurde zur Verbesserung der Grünlandnutzung insbesondere das Gebiet um den Tiefenbach systematisch gedränt. Die Moorböden sind durch die nach der Entwässerung einsetzende Mineralisierung an der Oberfläche meist stark zersetzt bis vererdet. Seit 1980 steht ein knappes Drittel der Riedfläche, darunter die Bergkiefernmoorwälder des „Großen Trauben“, unter Naturschutz. Der Torfabbau endete 1996. Durch Wiedervernässung versucht man in einem 2002 begonnenen Naturschutzgroßprojekt das Ried und seine ökologischen Funktionen wiederherzustellen.