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Jungmoränenhügelland
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Landschaft, Böden und Geotope im Jungmoränenhügelland am Bodensee
Bodensee-Steiluferlandschaft westlich von Überlingen (Bodenseekreis)
(Element 1 von 27: Bild)
Bild: Bodensee-Steiluferlandschaft
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Am nördlichen Ufer des Überlinger Sees ist die Landschaft sehr engräumig gegliedert. Gleich neben den Felsen der Oberen Meeresmolasse und anschließenden Steilhängen und Tobeln mit naturnahen Wäldern liegen intensiv bewirtschaftete Rebhänge. Auf den Molasse- und Moränenhügeln kommen dazu noch Streuobstwiesen und kleinflächiger Ackerbau.

Jungmoränenhügelland:
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Jungmoränenhügelland

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Böden in der Umgebung des Bodensees und im Schussenbecken

 
Bild: Taldorf Jungmoränenhügelland
Im Jungmoränenhügelland nördlich des Bodensees bei Taldorf (Lkr. Ravensburg)
(© LGRB, Autor: M. Weiß)

Taldorf liegt in einem breiten Muldental. Es durchquert als ehemalige Schmelzwasserrinne die von Süd nach Nord verlaufenden Moränenhügelketten. Der Talboden ist mit abgeschwemmtem Bodenmaterial gefüllt (Kolluvisol). Das Material stammt insbesondere von den sonnseitigen Talhängen mit ihren durch Erosion stark verkürzten Böden aus kalkreichem Geschiebemergel (Pararendzina). Unter den Wiesen, Wäldern und Obstanlagen der rechten Bildhälfte finden sich noch entkalkte, braune Böden (Parabraunerde).

 
Bild: Drumlin-Landschaft bei Wollmatingen
Drumlin-Landschaft bei Wollmatingen
(© LGRB, Autor: M. Weiß)

Neben dem Bodenseebecken finden sich Schwärme von stromlinienförmigen Hügelrücken. Sie zeichnen den Verlauf der Gletscherströmung nach und werden nach einem Wort aus dem Schottischen als Drumlin bezeichnet. Man nimmt an, dass sie beim Vorstoß des Gletschers zur Inneren Jungendmoräne gebildet wurden. Zu dieser Zeit war das Moränenmaterial nicht ständig gefroren und deshalb verformbar. Im November 2007 liegt auf den Äckern bereits eine leichte Schneedecke.

 
Bild: Eriskircher Ried Jungmoränenhügelland
Das Eriskircher Ried im Luftbild
(© LUBW, Autor: Löderbusch)

Das Eriskircher Ried liegt zwischen der Mündung der Rotach und der Schussen in den Bodensee. Kalkreiche, sandig-schluffige Seesedimente (Seekreide, Schnecklisande) mit stark humosen bis anmoorigen Grundwasserböden (Gley, Anmoorgley) überwiegen in diesem jungen Verlandungsbereich des Bodensees. Unter den etwas höher gelegenen Riedflächen im Vordergrund sind dagegen würmzeitliche, schluffig-tonige Beckenablagerungen zu finden. Neben dem Seewassereinfluss sind die Böden hier auch durch Staunässe geprägt (Pseudogley-Gley).

Riede, Drumlins, Apfelblüte

Die unmittelbare Umgebung des Bodensees lässt sich in zwei Teillandschaften gliedern. In der Verlängerung des Bodensees selbst als ehemaligem Stammbecken des Rheingletschers sind dies das Singener Becken, die Niederung von Orsingen und Espasingen westlich des Überlinger Sees und das Becken zwischen Frickingen und Markdorf. Vom Obersee zweigt nach Norden das Schussenbecken mit dem Tannauer Becken als Zweigbecken ab. Dazwischen liegen jeweils enggekammerte Hügelländer mit Drumlins, die nur selten Höhenlagen von 550 m über NN überschreiten.

 

Die größten Flächen der Hügelländer werden von Parabraunerden aus Moränenablagerungen eingenommen. Über die Zusammensetzung des Geschiebemergels und die Nutzung lassen sich mehrere Bodeneinheiten mit Parabraunerden unterscheiden. Häufig sind die Böden aus schluffig-sandigen bis sandig-lehmigen Geschiebemergeln mit mittleren Kies- und Geröllanteilen entstanden. Die Entkalkungstiefen liegen meist bei 4–9 dm. Örtlich, z. B. bei Singen und Radolfzell, sind kiesreiche Parabraunerden verbreitet. In der westlichen und nördlichen Umrahmung des Schussenbeckens bilden auch dichtgelagerte, tonig-lehmige Geschiebemergel das Ausgangsmaterial und führen zu staunassen Böden (Pseudogley-Parabraunerde bis Pseudogley). Unter landwirtschaftlicher Nutzung sind die Böden verbreitet schwach bis mäßig durch Bodenerosion verkürzt. Der intensive Obstanbau und in der Umgebung von Tettnang auch der Hopfenanbau sind weit verbreitet und haben zur Vermischung von Bodenhorizonten geführt (Rigosol-Parabraunerde). In Erosionslagen wie Kuppen und sonnseitigen, konvex gewölbten Hängen sind die Parabraunerden vollständig abgetragen und durch Pararendzinen ersetzt. In Muldentälchen unter landwirtschaftlicher Nutzung sammelte sich das abgeschwemmte Bodenmaterial zu Kolluvisolen bis Kolluvisol-Gleyen. Flache, breite Senken werden dagegen von Grundwasserböden (Gley) aus umgelagertem Moränenmaterial eingenommen. Im Zentrum der Hohlformen und in abflusslosen Senken zwischen den Moränenhügeln sind auch Anmoorgleye bis hin zu tiefen Niedermooren aus Torf entwickelt. Die Talauen der Bäche sind meist schmal und münden z. T. mit Schwemmfächern in die Beckenbereiche (Brauner Auenboden bis Auengley). Böden aus Molassematerial (Parabraunerde, Braunerde-Parabraunerde, Pararendzina) sind außer der direkten Umgebung des Überlinger Sees und dem nordwestlichen Rand des Schussenbeckens nur in wenigen Hangbereichen zu finden.

 

Die ehemaligen Gletscherzungenbecken prägen mit ihren individuellen Formen sowie der Vielfalt im Aufbau und Verbreitung der Lockergesteine und Böden in hohem Maße die Landschaft des Bodenseegebiets. Die Verlandungszonen des Bodensees sind dabei die jüngsten Landschaftsteile. Sie werden von kalkreichen, jungen Seesedimenten (Seekreide, „Schnecklisande“) eingenommen. In ihnen haben sich Anmoorgleye (Anmoor: 15–30 % Humus im Oberboden) und Gleye als Grundwasserböden entwickelt. Die Grundwasserstände sind vom Seespiegel abhängig und schwanken deshalb im Jahreslauf recht stark. Neben den großflächigen, als Naturschutzgebiete bekannten Vorkommen im Eriskircher und Wollmatinger Ried sowie dem Aachried und der Halbinsel Mettnau bei Radolfzell finden sich an flachen Bodenseeufern immer wieder schmale, langgestreckte Verlandungsbereiche. Nur wenig höher gelegen folgen im Südteil des Schussenbeckens sowie zwischen Zeller See und dem Anstieg zum Schiener Berg am Ende der Würmeiszeit abgelagerte Seeterrassen. Die hier auftretenden Grundwasserböden (Gley, Braunerde-Gley) sind aufgrund ihrer längeren Entwicklungsdauer an der Oberfläche überwiegend kalkfrei. Die Bodenarten reichen vom Sand bis zum schluffigen Ton, so dass die Standorteigenschaften immer wieder wechseln. Die Seeterrassen werden durch sehr flache Erhebungen mit geringem Grundwassereinfluss mehrfach gegliedert (Gley-Braunerde, Parabraunerde). Von den Molassetobeln und -hängen her dringen Schwemmfächer in die Beckenbereiche vor (Parabraunerde, Gley, Kolluvisol).

 

Örtlich, z. B. im Schussenbecken nördlich von Meckenbeuren und im Tannauer Becken, nehmen schluffig-lehmige bis schluffig-tonige Ablagerungen des ehemaligen Eisrandstausees breiten Raum ein. Auf Tonen haben sich auf abzugsträgen Erhebungen Staunässeböden (Pseudogley) entwickelt. An deren Rändern treten zweischichtige Pelosol-Braunerden aus Lehm über Ton auf. Kleinflächig gibt es durch Erosion unter landwirtschaftlicher Nutzung verkürzte Tonböden (Pelosol). Im Bereich schluffreicher bis schluffig-sandiger Beckenablagerungen bildeten sich braune Böden. Sie weisen häufig eine Tonverlagerung in den Unterboden auf und sind örtlich bereits über 10 dm tief entkalkt (Parabraunerde, stellenweise Braunerde). Durch intensiven Sonderkulturanbau sind die natürlichen Bodenhorizonte vielerorts vermischt (rigolt), sodass die Böden als Parabraunerde-Rigosole einzustufen sind.

 

Im äußeren Teil des Singener Beckens, der Niederung von Orsingen-Espasingen und zwischen Argen und Schussen im Tettnanger Wald liegen ausgedehnte, flachwellige Schotterterrassen. Aus den Sanden und Kiesen haben sich Parabraunerden und im Osten Braunerde-Parabraunerden mit 6–14 dm Entkalkungstiefe entwickelt. Kleinflächige Aufwehungen von Flugsand mit Bänderparabraunerden bis Podsol-Bänderparabraunerden gibt es bei Salem sowie zwischen Tettnang und Eriskirch.

 

Im Nordteil des Schussenbeckens sowie im Zentrum des Frickinger Beckens prägen Auenbereiche das Landschaftsbild. Entlang der Flüsse und Bäche finden sich verbreitet grundwasserferne, kalkhaltige bis -reiche Braune Auenböden (Vega) aus schluffig-sandigen bis schluffig-lehmigen Auenablagerungen. Den überwiegenden Teil nehmen jedoch lehmige, häufig bereits entkalkte und z. T. tonreiche Grundwasserböden (Auengley) ein. Im Südteil des Schussenbeckens verläuft die Schussenaue als wenig eingetieftes, schmales Band zwischen den Seeterrassen. Östlich davon bildet heute die Argenaue den Rand des ehemaligen Gletscherzungenbeckens. Die Böden bauen sich überwiegend aus schluffig-sandigen Hochwasserabsätzen mit hohem Anteil an Gesteinsmaterial auf und sind deshalb als Auenpararendzina (Kalkpaternia) oder Auenpararendzina-Auengley einzustufen.

 

Wein wurde im Bodenseeraum schon im Mittelalter nicht nur zur Selbstversorgung angebaut, sondern war, etwa für die Stadt Überlingen, mancherorts die Haupteinnahmequelle. Auch dehnte sich der Anbau deutlich weiter ins Bodenseehinterland aus als heute, so dass z. B. Ravensburg noch viele Rebflächen besaß. Durch Anlage von Terrassen, Durchmischung („rigolen“) der Böden bei der Rodung von Altreben sowie der Lockerung und Düngung bei der Pflanzvorbereitung sind Kulturböden mit Humusbeimengung bis mehr als 4 dm Tiefe entstanden. Diese Rigosole aus Moränen-, Schotter-, oder Molassematerial finden sich verstärkt auf den sonnseitigen Hängen des Überlinger Sees und reichen, vom Schussenbecken unterbrochen, bis nach Kressbronn. Kleinere Vorkommen finden sich bei Konstanz und auf der Insel Reichenau. Durch den intensiven Gemüsebau und die früher auch in ebenen Lagen verbreitete Rebnutzung haben sich hier humusreiche Hortisole („Gartenböden“) als den Rigosolen nahe verwandte Böden gebildet.