Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg
Umweltinformationssystem BW
Jungmoränenhügelland
Karte
Kartenlegende
Wählen Sie aus:
Suche
Suche in …
Jungmoränenhügelland - Typische Böden
Braunerde-Parabraunerde auf der Äußeren Jungendmoräne
(Element 1 von 16: Bild)
Bild: Braunerde-Parabraunerde, Jungendmoräne
Erstes Element Vorheriges Element Bild vergrößern Nächstes Element Letztes Element

Auf den Endmoränenwällen wurden vom Gletscher verstärkt gröbere Gerölle und Sande abgelagert. Dazu kommt ein verbreitet sehr engräumig gegliedertes, kleinkuppiges Relief mit z. T. vernässten Senken und stark geneigten Hängen. Die Ackernutzung ist deshalb erschwert. So werden die Endmoränenbereiche häufiger als Wald oder Grünland genutzt.

Jungmoränenhügelland:
Weitere Informationen
 

Jungmoränenhügelland

Vorherige Seite Nächste Seite
 

Jungmoränenhügelland - Typische Böden

 
Bild: Parabraunerde aus Geschiebemergel
Parabraunerde aus Geschiebemergel
(© LGRB, Autor: M. Weiß)

Die typischen, flächenmäßig bedeutsamsten Böden des Jungmoränenhügellands sind die Parabraunerden aus würmzeitlichem Geschiebemergel. Durch die Prozesse der Humusbildung, Entkalkung, Verwitterung und Tonverlagerung entwickelten sich seit dem Ende der Eiszeit vor knapp 12.000 Jahren die gut unterscheidbaren Bodenhorizonte. Das Erkennungsmerkmal einer Parabraunerde ist insbesondere der rotbraune Tonanreicherungshorizont (Bt-Horizont) in der Mitte des Bodenprofils. Hier lassen sich auf den Oberflächen der Bodenaggregate dünne rotbraune Tonüberzüge beobachten. Durch Unterschiede beim Ausgangsmaterial (z. B. Kiesgehalt), Klima (Entwicklungstiefe und -intensität) und dem Landschaftsrelief (z. B. ebene Lagen mit Staunässe) sind lokal verbreitete Formen der Parabraunerde mit unterschiedlichen Eigenschaften entstanden.

 
Bild: Kiesiger Acker Singen Jungmoränenhügelland
Kiesiger Acker südlich von Singen (Hohentwiel)
(© LGRB, Autor: M. Weiß)

Im kuppig-hügeligen Relief des Jungmoränenhügellands sind unter Ackernutzung im Laufe der Jahrhunderte die Parabraunerden durch Starkniederschläge stellenweise vollständig abgetragen worden. Der schwach humose Pflughorizont (Ap-Horizont) einer solchen Pararendzina liegt dann direkt auf dem kalkreichen, unverwitterten Geschiebemergel (C-Horizont). Im Hintergrund sieht man die rötlichbraune Ackeroberfläche einer Parabraunerde.

 
Bild: Gley, Schwemmsediment Jungmoränenhügelland
Gley aus Schwemmsediment
(© LGRB, Autor: M. Weiß)

In Muldentälchen und Senken herrscht im Westallgäuer Hügelland häufig hoch anstehendes Grundwasser. Im wasserübersättigten Boden werden die Eisen- und Manganverbindungen beweglich. Im Grundwasserschwankungsbereich (Go-Horizont) kommt es während trockener Phasen zur Ausfällung orangeroter Eisenoxide. Im ganzjährig im Grundwasser liegenden unteren Teil des Bodenprofils (Gr-Horizont) herrschen graue, reduzierte Eisenverbindungen vor. Solche Gleye sind in der Regel erst durch Entwässerung zu ertragreichen Grünlandstandorten geworden.

Lehmig, kiesig und geschichtet

Auf den Moränenhügeln und -wällen, aber auch auf den ebenen Schotterterrassen finden sich großflächig braune Lehmböden, die schon an der Oberfläche deutlich kiesig sind. Sieht man sich die Böden im Profil an, kann man die charakteristischen Bodenhorizonte unterscheiden und aus ihrer Abfolge und Ausprägung den Bodentyp bestimmen. Unter der Streuschicht im Wald und wenige Zentimeter mächtigem, dunklem Humus (Ah-Horizont) folgen drei Bodenhorizonte. Der unterste ist der graue, kalkreiche Geschiebemergel (C-Horizont) als Ausgangsgestein der Bodenbildung. In den oberen Bodenhorizonten wurde der Kalk durch die Niederschläge gelöst, nach unten abtransportiert und der Mineralboden ist durch die Bildung von Eisenoxiden im Zuge der Verwitterung braun gefärbt. Im Laufe von Jahrhunderten kam es zusätzlich zur Verlagerung von Tonteilchen in den Unterboden. Der an Ton verarmte obere Bodenbereich (Al-Horizont) nimmt eine hellbraune Farbe an, während der untere Tonanreicherungshorizont (Bt-Horizont) vom eingewaschenen Ton seine typische rotbraune Farbe bekommt. Auf den Oberflächen der Bodenaggregate lassen sich Tonüberzüge erkennen. Solche Bodenprofile werden als Parabraunerde bezeichnet. Die Horizontgrenze zwischen dem Al-Horizont und dem Bt-Horizont zeichnet dabei den Schichtwechsel zwischen dem unten anstehenden, verwitterten Geschiebemergel und einer im Tundrenklima am Ende der Eiszeit durch Frostbodenprozesse entstandenen, lösslehmhaltigen Deckschicht nach. Durch Unterschiede beim Ausgangsgestein, dem Landschaftsrelief sowie der Nutzung und dem Klima ergeben sich wechselnde Bodenmerkmale und -eigenschaften der Parabraunerden. So weisen z. B. kiesarme, tiefgründige Parabraunerden aus schluffigen Beckensedimenten aufgrund ihrer großen Nährstoff- und Wasserspeicherfähigkeit eine hohe natürliche Bodenfruchtbarkeit auf. Auf kiesreichen Parabraunerden im warmen westlichen Bodenseegebiet mangelt es dagegen im Sommer leicht an Wasser für die Pflanzen.

 

Die Parabraunerden auf den Moränenhügeln im westlichen Bodenseegebiet sind z. T. nur etwa 6 dm tief entkalkt. Mit den im Südosten des Jungmoränenhügellands deutlich ansteigenden Niederschlagsmengen erhöht sich auch die Entkalkungstiefe und die Verwitterung und Versauerung der Böden geht schneller vonstatten. In stark sauren Böden sind die feinen Tonteilchen jedoch nicht mehr mobil. Außerdem verteilt sich der verlagerte Ton in den auf bis zu 15 dm Tiefe entkalkten Böden über eine größere Bodentiefe. So sind besonders im Westallgäuer Hügelland Übergangsformen zwischen Parabraunerde und Braunerde häufig anzutreffen. Unter (Nadel-)Wald zeigen die Böden in kühl-feuchten Lagen nicht selten Merkmale der Versauerung (Podsolierung). Unter einer Moderhumusauflage lässt sich verbreitet ein violettstichig gefärbter humoser Oberboden (Aeh-Horizont) mit bleichen Sandkörnern beobachten. Er ist durch eine beginnende Eisen- und Humusverlagerung geprägt. Darunter entstehen schwach entwickelte orange- bis violettbraune Anreicherungshorizonte (Bsv- bzw. Bhv-Horizont). Stärker versauerte Podsol-Braunerden und Podsol-Parabraunerden finden sich nur in Waldgebieten mit sandigen Beckensedimenten oder auf einzelnen Flugsandvorkommen. Unter Grünland beträgt die Mächtigkeit des humosen, intensiv durchwurzelten Oberbodens in der Regel etwa 15 cm. Allerdings wurden früher auch im Allgäu viele Flächen – mit Ausnahme stark geneigter oder vernässter Standorte – im Rahmen der Feldgraswirtschaft auch beackert. Hier findet sich durch die Pflugarbeit auf bis zu 25 cm Tiefe eingemischter Humus. Die Belebung der Böden mit Regenwürmern ist bei der Grünlandnutzung meist hoch.

 

In kuppig-hügeligem Gelände und auf Hängen wurden die Parabraunerden im Laufe der jahrhundertelangen, ackerbaulichen Nutzung durch die von Starkniederschlägen ausgelöste Bodenerosion verkürzt oder ganz abgetragen. Das Bodenprofil einer sogenannten Pararendzina besteht dann nur noch aus dem schwach humosen Pflughorizont (Ap) auf den direkt der unverwitterte Geschiebemergel folgt. Das abgeschwemmte Bodenmaterial sammelt sich in den Mulden und es entwickeln sich tiefgründig humose Kolluvisole. Diese Böden haben den Schwerpunkt ihrer Verbreitung im Moränenhügelland in der Umgebung des Bodensees.

 

In ebener Lage und in Bereichen mit tonreichen Beckensedimenten oder dichtgelagerten Grundmoränen sind Stauwasserböden (Pseudogley) verbreitet. Braune Bodenfarben sucht man hier vergeblich. Stattdessen sind die Oberböden als Stauwasserleiter unter dem Humushorizont überwiegend grau gefärbt. Hierfür sind reduzierte Eisenverbindungen verantwortlich, die bei der zeitweiligen Wasserübersättigung der Böden im Winterhalbjahr oder nach ergiebigen Regenfällen im Sommer entstehen. Die schlecht durchlässigen Unterböden bilden den Stauwasserkörper. Er ist an seiner orange-grauen Marmorierung mit rostfarbigen Eisenoxiden und dunkelbraunen bis schwarzen Eisen-/Mangan-Konkretionen zu erkennen. Pseudogleye werden im Jungmoränenhügelland überwiegend forstlich oder als Grünland genutzt.

 

Der Einfluss des Grundwassers bestimmt in den zahlreichen Senken im Hügelland, den Niederungen der Gletscherzungenbecken und in Teilen der Talauen die Entwicklung der Böden. Die Erkennungsmerkmale der Grundwasserböden (Gleye) sind zum einen die orangen Rostflecken des zeitweise im Grundwasser stehenden Oberbodens (Go-Horizont). Der ständig von Grundwasser erfüllte Unterboden (Gr-Horizont) ist dagegen durch reduzierte Eisenverbindungen grau gefärbt. Mit zunehmendem Grundwassereinfluss verringert sich die Mineralisierung der organischen Substanz und die Humusgehalte der Böden steigen an. Bei direkt an der Bodenoberfläche anstehendem Grundwasser oder bei der Verlandung von Seen bilden sich Niedermoore. Örtlich sind über den Niedermooren saure, vom nährstoffarmen Regenwasser gespeiste Hochmoore mit Torfmoosen (Sphagnum) aufgewachsen. Grundwasserböden und Moore sind nur nach Entwässerung intensiv landwirtschaftlich nutzbar. Dadurch kommt es bei Mooren zum Verminderung der Torfmächtigkeit aufgrund der Sackung und Schrumpfung des Moorkörpers sowie der Mineralisierung des durchlüfteten Torfes an der Oberfläche.