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Altmoränenhügelland
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Moore im Altmoränenhügelland
Das Federseebecken im Luftbild (2007)
(Element 1 von 10: Bild)
Bild: Federsee Luftbild 2007
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Das Federseebecken als ehemaliges Gletscherzungenbecken wird heute großenteils vom Federseeried und dem Federsee selbst eingenommen. Nur im südlichen Teil stehen würmzeitliche Schotter an der Oberfläche an. Das vermoorte Becken ist Teil des mittleren Altmoränenhügellands, das den Hauptvorstoß des Rheingletschers nach Norden während der Rißeiszeit nachzeichnet. Das Federseeried unterscheidet sich als naturnahes Gebiet deutlich von den heute überwiegend als Blockflur geordneten Landwirtschaftsflächen. Die Verteilung der Wälder lässt sich aus ihrer Lage am Rand der Gemarkungen, weniger fruchtbaren Böden oder schwer zu bewirtschaftenden Hanglagen erklären. Dazu kommen größere, ehemals herrschaftliche Waldgebiete.

Altmoränenhügelland:
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Altmoränenhügelland

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Moore im Altmoränenhügelland

 
Bild: Wurzacher Ried Altmoränenhügelland
Blick über das Wurzacher Ried
(© LGRB, Autor: M. Weiß)

Vom Unterhang des Haidgauer Bergs im Vordergrund sieht man auf das Grünland des Niedermoores im Randbereich des Wurzacher Rieds. Eingesäumt von einem Moorwald erhebt sich dahinter der offene, bis über 2 km breite Haidgauer Hochmoorschild. Im Hintergrund das Altmoränenhügelland, rechts liegt Bad Wurzach.

 
Bild: Haidgauer Quellseen Altmoränenhügelland
Die Haidgauer Quellseen im Südteil des Wurzacher Rieds
(© LGRB, Autor: M. Weiß)

Auf den Riedflächen in der Umgebung der Haidgauer Quellseen haben sich noch keine mächtigen Torfe aufbauen können. Die Böden bestehen aus den sehr jungen, kalkreichen und deshalb weißen Seeablagerungen. Nur allmählich kann sich organisches Material an der Bodenoberfläche ansammeln, so dass die Böden als Nassgleye oder Anmoorgleye anzusprechen sind.

 
Bild: Hochmoortorf Altmoränenhügelland
Bodenprofil im Hochmoor
(© LGRB, Autor: M. Weiß)

Hochmoortorfe bauen sich allmählich aus den abgestorbenen Teilen der Torfmoose (Sphagnum) auf. Unter dem grünen Moospolster beginnt der unzersetzte Weißtorf. Ab etwa 20 cm folgt dann der von Baumwurzeln durchzogene, stärker zersetzte Schwarztorf.

Torfmoos, Schilf und schwarze Böden

Mit dem Federseeried und dem Wurzacher Ried liegen zwei der großen Moore Südwestdeutschlands im Altmoränenhügelland. Beide nehmen die zentrale Senke in vom Rheingletscher tief ausgeschürften Zungenbecken ein, unterscheiden sich aber erheblich in ihrem Aufbau.

Der etwa 1.700 Hektar große Moorkomplex des Wurzacher Rieds im Nordosten des Landkreises Ravensburg wird vom Hochmoorschild des Haidgauer Rieds beherrscht, der größten noch intakten Hochmoorfläche Mitteleuropas. Mit seiner typischen, uhrglasförmigen Aufwölbung erhebt sich das Haidgauer Ried heute deutlich über den Grundwasserspiegel. Die Vegetation ist deshalb auf das sehr nährstoffarme Niederschlagswasser angewiesen. Unter diesen extremen Verhältnissen gedeihen Torfmoose (Sphagnum) und Wollgras (Eriophorum) noch am besten und bilden so die Hauptbestandteile des Hochmoortorfs. So sind in den letzten Jahrtausenden bis zu 7,5 m mächtige Hochmoortorfe aufgewachsen. Zusammen mit darunter liegenden Niedermoortorfen und organischen Seeablagerungen (Mudden) ergibt sich eine maximale Mächtigkeit des Moorkörpers von 9,5 Metern. Weitere kleinere Hochmoor-Aufwölbungen sind durch Niedermoore entlang von Wurzacher und Dietmannser Ach und dem Rand des Wurzacher Rieds voneinander abgetrennt. Eine Besonderheit stellen die Haidgauer Quellseen im Südwesten des Rieds dar. Hier dringt kalkreiches Grundwasser aus dem Schotterkörper der Haidgauer Heide zu Tage. Der Kalk wird aus dem Wasser ausgefällt, so dass die Böden in der Umgebung der heutigen Seen aus Seekreide und kalkreicher Mudde bestehen und noch kein Niedermoortorf aufgewachsen ist (Anmoorgley, Nassgley).

Das Wurzacher Ried bildet den Lebensraum für annähernd 800 Pflanzenarten. Aufgrund seines kühl-feuchten Kleinklimas mit durchschnittlich 120 Frosttagen im Jahr dient es als wichtiger Rückzugsraum für aus dem nordischen und arktischen Raum stammende Tiere und Pflanzen.

Das Federseeried bei Bad Buchau (Lkr. Biberach) im mittleren Teil des Altmoränengebiets hat allein durch den 140 Hektar großen und bis zu drei Meter tiefen Federsee einen ganz anderen Charakter. Die offene Wasserfläche war früher, vor den künstlichen Absenkungen des Seespiegels in den Jahren 1788/89 und 1808/09, etwa drei Mal so groß wie heute. Auf den neu entstandenen, früher zur Streugewinnung genutzten Landflächen konnten sich nur geringmächtige (<3 dm) Niedermoortorfe entwickeln. Unter dem Torf findet sich eine aus Algenresten bestehende, elastische, grünliche bis rotbraune Seeablagerung, die sogenannte Lebermudde. Im südlichen Teil betragen die Torfmächtigkeiten nach Moorsackung und Torfabbau heute vielfach noch 3–8 dm, am Westrand des Federseerieds bei Moosburg und Bad Buchau sowie nördlich von Seekirch sind tiefe Niedermoore aus über 10 dm Torf verbreitet. Nur im Wilden Ried, etwa 3 km südöstlich der Ortsmitte von Bad Buchau, gibt es einen kleinen Hochmoorrest.

Neben zahlreichen seltenen Pflanzen (allein 110 „Rote-Liste-Arten“) und fast 600 Insektenarten ist das Federseeried vor allem als Brut-, Nahrungs- und Überwinterungsgebiet für Vögel von Bedeutung. Außerdem wurden im Südteil umfangreiche Pfahlbausiedlungen aus der Jung- und Mittelsteinzeit sowie aus der Bronzezeit als wichtige Kulturdenkmäler entdeckt und ausgegraben.

In den Flusstälern der Altmoränenlandschaft treten ebenfalls regelmäßig Moore auf. Verstreut zwischen den Moränenhügeln liegen in z. T. abflusslosen Senken weitere, kleinere Moore (<100 ha), die teilweise Hochmoorkerne aufweisen. Vielfach sind diese Vorkommen durch Entwässerung und frühere Torfstiche beeinträchtigt.