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Altmoränenhügelland
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Böden, Landschaften und Geotope des Altmoränenhügellands
Parabraunerde aus lösslehmhaltigen Fließerden über rißzeitlicher Moräne
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Bild: Parabraunerde Lösslehm Altmoränenhügelland
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Das Altmoränenhügelland war während der letzten Eiszeit (Würm) eine baumlose Kältesteppe (Tundra). Lössanwehung und Frostbodenprozesse kennzeichnen diese Zeit und lassen sich noch heute in den Bodenprofilen ablesen. In dem Bodenprofil aus lösslehmhaltigen Fließerden lassen sich bei genauer Betrachtung verschiedene Schichten erkennen. Der lockere Oberboden endet bei 3,5 dm Tiefe mit einer geraden Grenze, die auf kaltzeitliches Bodenfließen im Auftaubereich über dem dauerhaft gefrorenen Untergrund (Permafrost) hindeutet. Die girlandenförmigen Grenze zwischen den Schichten des nach unten an Dichte zunehmenden Unterbodens zeigt dagegen Verwürgungen durch starken Bodenfrost (Solimixtion) an. Sie bildet auch den Übergang von der lösslehmhaltigen Fließerde zum rißzeitlichen Geschiebemergel.

Altmoränenhügelland:
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Altmoränenhügelland

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Böden im mittleren Altmoränenhügelland

 
Bild: Bellamont Altmoränenhügelland
Altmoränenlandschaft nordöstlich von Bellamont (Lkr. Biberach)
(© LGRB, Autor: M. Weiß)

Blick über die wellige, flachhügelige Rißmoränenlandschaft bei Bellamont (Lkr. Biberach). Die tiefgründigen Parabraunerden aus Geschiebemergel oder Lösslehm sind gut für den Ackerbau geeignet.

 
Bild: Riß-Endmoräne Altmoränenhügelland
Riß-Endmoräne am Kreuzberg bei Dietenwengen (Lkr. Biberach)
(© LGRB, Autor: M. Weiß)

Der Kreuzberg bei Dietenwengen (Lkr. Biberach) gehört zum äußeren Wall der Riß-Endmoräne. Im Bild sieht man die steilere, ehemals dem Gletscher zugewandte Südwestflanke.

 
Bild: Kiesgrube Riß-Endmoräne Altmoränenhügelland
Kiesgrube in der Riß-Endmoräne bei Unterschwarzach (Lkr. Ravensburg)
(© LGRB, Autor: M. Weiß)

Nördlich vom Wurzacher Ried liegen bei Unterschwarzach drei Endmoränenwälle der Rißeiszeit (Doppelwall-Riß und jüngeres Riß). Eine kleine, aufgelassene Kiesgrube gibt einen Einblick. Die ehemalige Abbauwand zeigt durch den Druck des Gletschereises schräggestellte, gestauchte Schichten mit stark wechselnden Anteilen an Kies und Geröllen sowie großen Nagelfluhblöcken.

Typregion mit Doppelwällen

Die Rißeiszeit hat von der durch Biberach fließenden Riß ihren Namen bekommen. Wie sehen Landschaft und Böden in dieser Typregion des Altmoränenhügellandes aus? Beiderseits des Rißtales liegt ein von unregelmäßig ausgerichteten, schwach gewölbten Hügeln aufgebautes, nach Nordwesten abfallendes Gebiet. Nördlich von Biberach wird es in einem weiten Bogen von den kuppigen Endmoränenhügeln und -wällen umrahmt. Am häufigsten finden sich hier bis über 20 dm tief entkalkte, durch Tonverlagerung in den Unterboden geprägte braune Böden, die z. T. schwach staunass sind (Parabraunerde, Pseudogley-Parabraunerde). Über dem rißzeitlichen Geschiebemergel wurden während der letzten Eiszeit noch verbreitet Lösslehm oder mit Moränenmaterial vermengte Fließerden abgelagert. Deshalb findet sich nur wenig Kies an der Oberfläche und die tiefgründigen Lehmböden sind fruchtbare Ackerstandorte. Auf den Endmoränen nimmt dagegen der Kies- und Sandanteil deutlich zu und die Entkalkungstiefen liegen nur bei etwa 6 bis 13 dm. Auch sind die Parabraunerden bei landwirtschaftlicher Nutzung oft durch Bodenerosion verkürzt. Die nördlich des Endmoränenwalls anschließenden, ebenen Schotterfelder von Aßmannshardt sind überwiegend mit Lösslehm bedeckt. Die darin entwickelten Parabraunerden und Pseudogley-Parabraunerden weisen schwache Staunässemerkmale auf. Nur auf den kurzen, steilen Talhängen treten die Schotter zutage. Durch Erosion verkürzte, kiesige sandig-lehmige Parabraunerden im Wechsel mit kalkhaltigen, lehmig-sandigen Pararendzinen sind hier die typischen Böden.

In verebneten oder schwach hängigen Landschaftsteilen sowie in flachen Mulden staut sich das Niederschlagswasser über den dichtgelagerten, tonig-lehmigen Unterböden, so dass Staunässeböden (Pseudogley) entwickelt sind. Die Böden in größeren Senken und am Beginn der Seitentälchen stehen dagegen bereits unter zunehmendem Grundwassereinfluss. Deshalb treten durch Eisenverbindungen orange und grau gefärbte, häufig stark humose Gleye auf. In ackerbaulich genutzten Landschaftsteilen sammelt sich in den Muldentälchen das durch Bodenerosion am Hang abgetragene Material. So sind tiefgründig-humose, kiesarme Lehmböden entstanden (Kolluvisol), die teilweise ebenfalls unter Grundwassereinfluss stehen (Gley-Kolluvisol, Kolluvisol-Gley). In den Bachtälchen wird das Bodenmaterial bei Hochwässern in den schmalen, sohlenförmigen Talauen als Auenlehm abgelagert (Brauner Auenboden, Auengley).

An den Hängen des Rißtales und anderer tief in die Altmoränenlandschaft eingeschnittener Bach- und Flusstäler fehlen meist die Moränenablagerungen. Hier treten als Fundament der Landschaft die aus dem Tertiär (65–2,6 Mio. Jahre v. H.) stammenden Molassesedimente an die Oberfläche. Neben Sanden und wenig verfestigten Sandsteinen gibt es immer wieder tonig-mergelige Gesteinsschichten. So kommt es zu einem Wechsel von sandigen und lehmigen Parabraunerden, durch Erosion entstandenen, kalkhaltigen Pararendzinen sowie tonreichen Pelosolen und Pelosol-Braunerden als Bodenbildungen. Charakteristisch für die Molassehänge sind auch Quellaustritte (Quellengley) und die in steilen Hanglagen auftretenden Rutschungen.

Zwischen den Molasseschichten und den rißzeitlichen Moränen tritt nicht selten eine Hangversteilung auf, die durch den Wechsel zu alten, z. T. fest verbackenen Schottern (Nagelfluh, Konglomerate) bewirkt wird. Die stark kiesigen Böden (Parabraunerde) sind teilweise weniger als 10 dm tief entkalkt. Durch die landwirtschaftliche Nutzung ist stellenweise die Bodenerosion so stark fortgeschritten, dass nur noch Pararendzinen mit einem nur 1–2 dm mächtigen Humushorizont über dem kalkreichen, sandigen Kies vorhanden sind.