Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg
Umweltinformationssystem BW
Iller-Riß-Platten, Tertiärhügelland und Adelegg
Karte
Kartenlegende
Wählen Sie aus:
Suche
Suche in …
Böden, Landschaft und Geotope der Adelegg
Braunerde aus Molassekonglomerat
(Element 1 von 9: Bild)
Bild: Braunerde_Molasse MP_8226_6 Adelegg
Erstes Element Vorheriges Element Bild vergrößern Nächstes Element Letztes Element

Die braunen Verwitterungsböden (Braunerde) aus Molassekonglomeraten sind reich an Kies und Geröllen, können aber auch sandige oder mergelige Linsen aufweisen. Die Humusanreicherung im Oberboden bis etwa 20 cm Tiefe deutet auf eine frühere Grünlandnutzung des Standorts hin.

Iller-Riß-Platten, Tertiärhügelland und Adelegg:
Weitere Informationen
 

Iller-Riß-Platten, Tertiärhügelland und Adelegg

Vorherige Seite Nächste Seite
 

Böden der Adelegg

 
Bild: 8226_Argenaue
Argenaue nördlich von Isny im Allgäu
(© LGRB, Autor: M. Weiß)

Zwischen Rotenbach und Dengeltshofen nördlich von Isny im Allgäu ist die Argenaue zwischen 250 und 750 m breit. Mehrfach gibt es grundwassernahe Auenbereiche mit Auengleyen aus kalkhaltigem Lehm über Schotter, die nährstoffreiche Feuchtwiesen tragen. Es überwiegen jedoch die schwach vom Grundwasser beeinflussten Böden (Brauner Auenboden, Auengley-Brauner Auenboden). Im Hintergrund sieht man den Westabfall der Adelegg mit seinem Wechsel von Fichtenforsten und ursprünglichen Buchenmischwäldern.

 
Bild: Molassekonglomerate im Schleifertobel
Molassekonglomerate im Schleifertobel
(© LGRB, Autor: M. Weiß)

Der tief eingeschnittene Schleifertobel liegt östlich des Weilers Ratzenhofen am Westabfall der Adelegg. In seinem südlichen Zweig findet sich die beeindruckende Steilwand aus Molassekonglomeraten. Diese Gesteine gehören zu einem während des Tertiärs von einem Alpenfluss aufgeschütteten Schwemmfächer (Hochgrat-Fächer). Sie sind am Alpenrand bis zu 1.600 m mächtig und verwitterungsbeständig. Die gesamte Adelegg zeichnet sich deshalb durch steile Hänge und kerbförmig eingeschnittene Täler aus.

 
Bild: Alpe auf der Adelegg
Alpe auf der Adelegg
(© LGRB, Autor: M. Weiß)

Auf den Bergrücken und Firstlagen bestimmt die Alpwirtschaft die landwirtschaftliche Nutzung. Überwiegend werden dabei Jungrinder auf die Weiden getrieben. In den letzten Jahrzehnten wurde ein Teil der Grünlandflächen aufgegeben und wird heute forstlich genutzt.

Alpwirtschaft und steile Hänge

Südlich von Leutkirch im Allgäu ändert sich das gewohnte Bild der Iller-Riß-Platten. Bergrücken aus Molassegesteinen erheben sich mehr und mehr über die Terrassenflächen. Nach einigen Kilometern kommt schließlich der steile Anstieg zum Bergland der Adelegg, das vorherrschend aus harten, z. T. fest verbackenen Schotterpaketen (Konglomerate, Nagelfluh) der tertiären Oberen Süßwassermolasse aufgebaut ist. Die Landschaft umfasst südlich von Isny im Allgäu auch den Höhenzug der Iberger Kugel sowie nördlich und nordwestlich davon einige Einzelberge (z. B. den Aigeltshofer Berg). Isny selbst liegt schon im Jungmoränenhügelland, das sich von dort aus nach Norden und Westen erstreckt.

Mit 1118 m ü. NN ist der Schwarze Grat im Süden der Adelegg der höchste Punkt im baden-württembergischen Alpenvorland. Er liegt nur 3 km entfernt von der dort auf etwa 730 m laufenden Unteren Argen als Erosionsbasis. Deshalb sind die Hänge und Tobel am Westabfall der Adelegg besonders steil in die Molassekonglomerate eingeschnitten und die Bergrücken wie auch die Talböden sehr schmal. Am Austritt der Molassetobel haben die Seitenbäche große Schwemmfächer ins Vorland geschüttet.

Auf den Firstlagen des Berglands haben sich z. T. tiefgründige Braunerdeböden aus den Konglomeraten entwickelt. Schwach staunasse Böden (Pseudogley-Braunerde) zeigen stellenweise lehmige oder mergelige Schichten im Untergrund an. Die Bergrücken tragen besonders kiesige, unter Wald oft versauerte Böden (podsolige Braunerde und Parabraunerde-Braunerde). Auf den Steilhängen bestimmen Braunerden mit stark wechselnden Entwicklungstiefen aus Hangschutt und Rutschmassen die Bodendecke. Daneben treten in Erosionslagen Pararendzinen als kalkhaltige, wenig entwickelte Böden und im Gebiet von Schwarzem Grat und Iberger Kugel auch durch Quellaustritte vernässte Böden (Quellengley, stellenweise Niedermoor) auf. Auf den großen Schwemmfächern überwiegen lehmige braune Böden (Braunerde-Parabraunerde, Braunerde). Böden aus jungen Schwemmsedimenten (Kolluvisol, Gley) sind meist auf kleinere Schwemmfächer und die Umgebung der Tobelbäche (Auenpararendzina) beschränkt.

In der Talaue der Argen herrschen kalkhaltige Braune Auenböden (Vega) aus meist 4 bis 8 dm humosem kiesarmem Lehm über Schotter sowie, bei hoch anstehendem Grundwasser, Auengleye vor. Die Auenablagerungen der Tobelbäche und der oberen Eschach bestehen dagegen verbreitet nur aus verschwemmtem, lehmig-sandigem Gesteinsmaterial, so dass Auenpararendzinen oder schwach humose Braune Auenböden zu finden sind. Außerdem gibt es würmzeitliche Terrassenflächen mit meist stark kiesigen (Gley-)Braunerden und Parabraunerden. Im Bereich der ehemaligen Schmelzwasserrinne zwischen Argen- und Eschachtal (Europäische Wasserscheide) sind heute Nieder- und Hochmoore sowie vernässte Auenablagerungen zu finden.

Schließlich gibt es als weitere Ausgangsgesteine der Bodenbildung auch mehrere Vorkommen von Deckenschottern auf Bergrücken und Hangverflachungen sowie nördlich der Iberger Kugel und bei Wuchzenhofen auch zwei Flächen mit rißzeitlicher Moräne (Braunerde, Parabraunerde).

Eine ertragreiche Grünlandwirtschaft bleibt im Molassebergland auf die Talauen, Terrassen und Schwemmfächer sowie die weniger hoch gelegenen, nördlichen Ausläufer beschränkt. In den rauen Hochlagen gibt es z. T. noch Alpwirtschaft, die heute meist mit Jungvieh betrieben wird. Die Steilhänge sind fast vollständig dem Wald überlassen.