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NSG Kohlplattenschlag
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NSG Kohlplattenschlag
Naturschutzgebiet Kohlplattenschlag, Werkstor des ehemaligen Betreibers
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Bild: Naturschutzgebiet Kohlplattenschlag, Werkstor
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Im März 1994 schließt das Kieswerk endgültig.

NSG Kohlplattenschlag:
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Naturschutzgebiet Kohlplattenschlag bei Graben-Neudorf (Ldkr. Karlsruhe)

 
Bild: NSG Kohlplattenschlag, Luftbild
Naturschutzgebiet Kohlplattenschlag bei Graben-Neudorf(Ldkr. Karlsruhe)
(© LUBW)

Das Naturschutzgebiet Kohlplattenschlag bei Graben-Neudorf ist ein durch Kiesabbau entstandener Sekundärlebensraum. Inzwischen haben sich zahlreiche Vogel- und Amphibienarten dort angesiedelt, u.a. auch der selten gewordene Laubfrosch. Das Schutzgebiet besitzt eine Größe von rd. 49 ha. und ist größtenteils eingezäunt.

 

 
Bild: NSG Kohlplattenschlag
Naturschutzgebiet Kohlplattenschlag bei Graben-Neudorf (Ldkr. Karlsruhe)
(© M. Linnenbach)

Die ehemalige Kiesgrube der Firma Wolf bei Graben-Neudorf im Landkreis Karlsruhe (Aufn. 21.03.2014).

 
Bild: Naturschutzgebiet Kohlplattenschlag  (Ldkr. Karlsruhe)
Besucherhütte zur Vogelbeobachtung am Ausblick Ost
(© M. Linnenbach)

Die öffentlich zugänglichen Beobachtungsphütten geben dem Besucher Einblick auf das Gewässer und seine Uferzonen. Sie sind vorbildlich gepflegt.

Das 1984 im Hardtwald ausgewiesene Schutzgebiet Kohlplattenschlag* verfügt über eine Größe von ca. 49 ha (davon 30 ha Wasserfläche). Es liegt im Bereich der Niederterrasse nördlich von Karlsruhe. Eiszeitlich abgelagerte Kiese und Sande des Rheins stehen hier in großer Mächtigkeit an, ideale Voraussetzungen für die entsprechende Rohstoffgewinnung.

Bereits Mitte der 1970er Jahre wird in den östlichen Abteilungen des Grabener Gemeindewalds unter naturschutzrechtlichen Auflagen Kies und Sand gebaggert. Die aktive Rohstoffgewinnung endet 1984. Die anschließenden Gestaltungsmaßnahmen für die Renaturierung eines geplanten Schutzgebiets werden nach der vertraglichen Vorgabe des Regierungspräsidiums Karlsruhe noch von der Betreiberfirma Wolf durchgeführt. Ähnlich wie am Erlachsee wird die Uferlinie durch die Anlage von Buchten und Halbinseln künstlich modelliert. Hier sollen künftig eine Vielzahl von Vogelarten, Amphibien und Insekten ihren ganz speziellen Lebensraum finden. Auf der Westseite ist zudem eine Anpflanzung mit Gehölzen erforderlich, um rasch eine optische Einbindung der offenen Kiesgrube in den umliegenden Waldbestand sowie einen bewaldeten Schutzstreifen für Wildtiere zu erreichen. Nach Abschluss der landschaftlichen Gestaltungsmaßnahmen werden die Förderanlagen sowie das Betriebsgebäude nahezu vollständig rückgebaut. Nach dem Verkauf der noch vorhandenen Kieshalden schließt das Werk im März 1994 endgültig.

Mit Ausnahme der ehemaligen Werkseinfahrt und den drei Vogelbeobachtungshütten ist das Schutzgebiet heute vollständig mit einem stabilen, ca. 2 m hohen Maschendraht umzäunt. Wildschweine setzen dem Zaun allerdings erheblich zu, sodass sich immer wieder Öffnungen auftun. Es ist nachvollziehbar, dass sich die Wildtiere in dem überwiegend trockenen Naturraum Hardtebene einen Zugang zu einem Gewässer verschaffen möchten. Im Jahr 2015 verursachte der heiße Sommer hier eine extreme Trockenheit. Zahlreiche Kiefern starben ab. Im noch laufenden Jahr war das anders, dank der Feuchtigkeit, die das Frühjahr und Teile des Sommers 2016 geprägt hat. So konnten sich viele Waldbäume wieder erholen.

Im gesamten Uferbereich der stillgelegen Abbaustätte haben sich inzwischen ausgedehnte Schilfbestände sowie der Breitblättrige Rohrkolben (Typha latifolia) und der seltene Schmalblättrige Rohrkolben (Typha angustifolia) angesiedelt. In den Gräben, Tümpeln und Flachwasserzonen tummeln sich artenreiche Lebensgemeinschaften. Seltene Fischarten wie Moderlieschen, Bitterling und Schmerle finden in den krautreichen Flachwasserzonen Nahrung und Versteck zugleich. Durch regelmäßige Kontrollen der  Naturschutzverwaltung (Befischung) ist eine fischereiliche Überwachung des Gewässers gewährleistet. Einen natürlichen Beitrag dazu leisten auch die fischfressenden Wasservogelarten wie Haubentaucher, Zwergtaucher, Komoran, Grau- und Silberreiher. In den fischfreien Randtümpeln und Kleingewässern finden Amphibien und Wasserinsekten einen ungestörten Lebensraum.

Im Kohlplattenschlag leben aber nicht nur feuchtliebende Arten. An den besonnten Böschungen und Steilufern finden sich neben der Uferschwalbe und dem Eisvogel auch wärmliebende Insekten wie Wildbienen und Tagfalter. Seit 2004 zählt das Gebiet zur FFH-Gebietskulisse Nr. 6916-342 "Hardtwald zwischen Graben und Karlsruhe" (s. Natura 2000 Steckbrief).

Kartenansicht Google Maps (Weitere Bilder)


* Ausgedehnte, geschlossene Waldgebiete wie der in der Hardtebene, mit einst geringer Besiedlung und schlecht zugänglichen Bereichen, waren früher Standorte vieler Kohlenmeiler. Flurnamen wie Kohlhof, Kohlwald oder Kohlplattenschlag zeugen noch heute davon.

Übersicht:

1 Naturschutzgebiet Kohlplattenschlag bei Graben-Neudorf (Ldkr. Karlsruhe)