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NSG Kleiner Kraichbach
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Naturschutzgebiet Kleiner Kraichbach
Kleiner Kraichbach, Kneipp-Anlage für müde Wanderfüße
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Bild: NSG Kleiner Kraichbach, Kraichtal
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NSG Kleiner Kraichbach:
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Übersicht
 

Naturschutzgebiet Kleiner Kraichbach (Ldkr. Karlsruhe)

 
Bild: Naturschutzgebiet Kleiner Kraichbach, Kraichtal
Kleiner Kraichbach, naturnahe Fließstrecke mit Totholz
(© Michael Linnenbach)
 
Bild: NSG Kleiner Kraichbach, Ldkr. Karlsruhe
NSG Kleiner Kraichbach, Pfannwaldsee im Frühjahr 2014
(© M Linnenbach)

Nördlich der Ortschaft Oberöwisheim zieht sich eingebettet in das in das Kraichgauer Hügelland, das reich strukturierte Tal des Kleinen Kraichbaches. Hier erstreckt sich auch das gleichnamige Schutzgebiet, ausgehend von den ausgedehnten Waldflächen im Osten und Westen bis hin zu dem Hangfuß des Mausbergs im Süden (s. Karte des Gebiets). Die Nordgrenze bildet die Gemeindeverbindungsstraße Zeutern -Odenheim.

Der besondere Reiz dieser Landschaft spiegelt sich in den vielen unterschiedlichen Strukturelementen wieder. Entlang der steilen Hänge von Maus- und Eichelberg z. B. ziehen sich die Terrassen der trockenen Keupermergelschichten. Ackerflächen und Brachen werden durch zum Teil hohe Stufenraine kleinräumig gegliedert. Die offenen oder bewachsenen Steilböschungen zwischen den einzelnen Ackerterrassen bilden das Gerüst für ein vielfältiges Biotop-Mosaik. Wärmeliebende Gebüsche und Reste der Halbtrockenrasengesellschaften bewachsen die Geländestufen.

In dem ca. 100 ha großen Naturschutzgebiet gibt es mehrere Hohlwege, wie z. B. die Hohbergklinge und die Eichelberghohle. Am bekanntesten ist die Galgenberghohle, sie ist bis zu 13 m tief in das Gelände am Galgen- und Mausberg eingeschnitten. Der Hohlweg diente bis 1770 als Zufahrt zu einer Richtstätte auf der Anhöhe des Galgenbergs. Später wurde die Hohle als Ortsverbindung zwischen Zeutern und Neuenbürg genutzt. 

Im Gebiet kommen neben dem Gefransten Enzian (Gentiana ciliata), dem Großen Windröschen (Anemone sylvestris) auch mehrere Orchideenarten wie das Helm-Knabenkraut (Orchis militaris), das Kleine Knabenkraut (Orchis morio) und das Weiße Waldvöglein (Cephalanthera damasonium) vor. Die inzwischen brachliegenden Äcker und Rebflächen werden teilweise von der Flora der Trocken- und Magerrasen zurückerobert.

Ab und zu trifft man noch auf Zeugen der ehemaligen Ackernutzung wie die Rankenlose Platterbse (Lathyrus aphaca) und die Färberkamille (Anthemis tinctoria). Die exponierten und besonnten vegetationsfreien Raine sind bevorzugte Lebensräume von Solitärbienen und Grabwespen. Zudem lockt das reiche Blütenangebot der bewachsenen Flächen eine große Anzahl seltener und gefährdeter Schmetterlinge an, wie den seltenen Schwarzfleckigen Bläuling (Maculinea arion). Dorngrasmücke (Sylvia communis) und Neuntöter (Lanius collurio) haben neben einer großen Singvogelpopulation hier ihr Brut- und Jagdrevier. Die Talaue wird durch eine Vielzahl von Quellen geprägt, die an Horizonten längs des Tales an beiden Flanken zu Tage treten. Je nach Menge des quellenden Wassers und nach Grad des menschlichen Eingriffs haben sich feuchte bis nasse Bereiche ausbilden können. So kommen neben Großseggenrieden und Schilfröhrrichten auch Auwaldreste vor.

Die Erlen-Eschen-Aue und Teile ihrer verschiedenen Sukzessionsstadien sind noch anzutreffen. In den zahlreichen Tümpeln, Quellmulden sowie im Bereich des gestauten Pfannwaldsees leben mehrere Amphibienarten. Sie nutzen die Gewässerstrukturen als Laichhabitat. Erdkröte (Bufo bufo), Grasfrosch (Rana temporaria) und Bergmolch (Triturus alpestris) haben insbesondere entlang des Kleinen Kraichbachs die Kernzonen ihrer Lebensräume.

Hinweise für Besucher: Das Schutzgebiet ist von Oberöwisheim bequem zu Fuß erreichbar. Einen markierten Wanderweg gibt es allerdings nicht. Alternativ kann man auch mit dem Fahrrad fahren, die befestigten Wege dürfen aber nicht verlassen werden. Reizvoll ist auch ein Gang durch die Galgenberghohle zum Pfannwaldsee. Zum Schutz der heimischen Tierwelt dürfen Hunde hier nur angeleint mitgeführt werden. Oberhalb von Oberöwisheim befindet sich die sehenswerte Sternwarte Kraichtal - ein echter Geheimtipp!