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Niedermoor Wagbachniederung
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Wagbachniederung
Wagbachniederung, Flachwasserzonen mit Schilf und Röhricht
(Element 1 von 8: Bild)
Bild: Wagbachniederung, Ldkr. Karlsruhe
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Ausgedehnte, verschilfte Flachwasserzone im Bereich der Gemarkung Grabenstücker (Naturschutzgebiet).

Niedermoor Wagbachniederung:
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Übersicht

Niedermoor Wagbachniederung

 

Niedermoorflächen der Wagbachniederung (Ldkr. Karlsruhe)

 
Bild: Niedermoor in der Wagbachniederung (Ldkr. Karlsruhe)
Wagbachniederung am Erlichsee
(© M. Linnenbach)
 
Bild: Wagbachniederung, Landkreis Karlsruhe
Wagbachniederung, umgebrochene dunkle Moorböden im Nordosten
(© M. Linnenbach)
 
Bild: Wagbachniederung, Landkreis Karlsruhe
Wagbachniederung, offene Moorböden westlich der RWE Stromtrasse
(© M. Linnenbach)

Die Wagbachniederung im Landkreis Karlsruhe liegt in einer großen, weit in die Niederterrasse des Rheins hinein reichenden Bucht. Bis in das 19. Jh. blieben die hier durch Verlandung entstandenen Moorflächen, abgesehen von einzelnen Torfgruben, weitgehend unberührt. Mit Gründung der Badischen Gesellschaft für Zuckerfabrikation 1837 in Waghäusel, setzt ein grundlegender Wandel der Landschaft ein. Produktionsbedingt beginnt die Einleitung großer Mengen an Schmutzwasser in den Wagbach. Unweit der Fabrik entstehen zahlreiche Klärbecken für das Spülwasser der Zuckerrüben. Zusätzlich wird ab den 1950er Jahren großflächig Kies abgebaut, wie z. B. am Erlichsee. Zuletzt werden die neue ICE-Trasse der Deutschen Bahn und der Ausbau der B 36 durch das Gelände geführt. Von der früheren ca. 500 ha großen Moorfläche (Geol. Karte von 1899) sind heute nur noch 60 ha an den Rändern verstreut übriggeblieben, davon ein großer Teil überdeckt. Nennenswerte Restflächen befinden sich noch im Südwesten, im Nordosten sowie im Norden der Wagbachniederung (s. Karte des Gebiets). Gute Eindrücke von der Landschaftszerschneidung und den verbliebenen Feuchtgebieten vermittelt ein Blick auf die Google-Maps-Karte mit ihrer umfangreichen Bildergalerie.

So finden sich im Südwesten nahe des Erlichsees unter einer ca. 100 cm dicken Sandschicht, die entweder natürlich vom Wagbach her eingeschwemmt oder teilweise auch künstlich aufgebracht wurde, noch zersetzte nacheiszeitliche Torflagen, die stellenweise bis 100 cm mächtig sind. Darunter lagern wechselnd tonige und sandige Mudden, die auf ständig wechselnde Verhältnisse während der Verlandungsphase hindeuten: Sowohl durch Rheinhochwässer als auch durch Substratzufuhr aus dem benachbarten Wagbach.

Besser erhalten ist der Moorrest im Nordosten (teilweise geschützt durch das NSG Wagbachniederung, s. nebenstehende Abb.). Über Kies und Sand lagert Tonmudde, danach folgt Torf. Trotz der geringen Breite der Fläche ist noch eine Differenzierung der Torflagen zu erkennen. Entlang des Hochgestades sind in den unteren Schichten überwiegend Schilftorfe, in den oberen Schilf-Seggentorfe erkennbar. Im Moorkern ruhen ebenfalls Schilf-Seggentorfe, die teilweise mit Fieberkleesamen und Laubmoostorfen durchzogen sind. Die Torfmächtigkeit erreicht hier 170 cm.

Der Moorrest im Nordwesten besteht im Untergrund aus zwei Rinnen: Eine verläuft entlang der Niederterrasse, eine weitere entlang des Wagbachs. Der topografische Vergleich beider Rinnen zeigt, daß die Wagbachrinne ca. 3 m tiefer eingeschnitten ist als die Rinne an der Niederterrasse. Unterschiede zeigen sich auch in der Art der Verlandung. Am Niederterrassenrand folgt auf Kies zunächst feinsandige, später reine Tonmudde, darauf 100-150 cm stark zersetzter Schilftorf. In der Wagbachrinne folgt auf Kies ebenfalls Tonmudde, dann jedoch bis 200 cm mächtige organische Mudde, häufig als schilfreiche Torfmudde aus umgelagerten Torfen (Schwemmtorf). Der gesamte Moorteil ist 50-200 cm dick überdeckt mit tonigen bis lehmigen, häufig lößähnlichen Schichten. Sie wurden durch Wiesenwässerung aufgeschwemmt, das Wasser stammt aus dem am Nordrand vorbeifließenden Kriegbach.

Aufgrund der massiven Eingriffe in Natur und Landschaft verschwinden mit der Zeit die meisten der bislang ansässigen moortypischen Tier- und Pflanzenarten. Seit 1983 entspannt sich die landschaftliche Situation in der Wagbachniederung, als das Gelände unter Schutz gestellt wird und 1995 das Werk der Süddeutschen Zucker AG den Betrieb einstellt.Aus den ehemaligen Klärteichen entwickelt sich eine der größten naturnahen Schilfflächen im Regierungsbezirk Karlsruhe, die für zahlreiche Wasservogelarten einen bedeutenden Rast- und Brutplatz darstellt.