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Bodenverbrauch durch Flächeninanspruchnahme
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Bodenverbrauch, Flächenverbrauch (1/7)
Beispiele zum Flächenverbrauch
Strassen, Siedlungen und Landwirtschaft verbrauchen viel Fläche
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Bild: Flächennutzung, Flächenverbrauch
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''Sorgenkind'' Flächenverbrauch

Der Flächenverbrauch gehört nach wie vor zu den bislang ungelösten Umweltproblemen in Deutschland. Hintergrund: Gewerbe und Einwohner verlassen die Städte, neue Einkaufszentren und Einfamilienhaussiedlungen entstehen auf der „Grünen Wiese“. Die Folge insbesondere in vielen Klein- und Mittelstädten: Zersiedelung der Landschaft und Flächenverbrauch sowie innerstädtischer Leerstand und Wertverfall. Ein Handel mit Flächenzertifikaten könnte dem entgegenwirken – so die Auffassung vieler Fachleute. Den Kommunen werden dabei Flächenausweisungsrechte in Form von Zertifikaten kostenlos zugeteilt. Diese benötigen sie, um außerhalb der Städte neue Fläche für die Bebauung auszuweisen. Die Fläche, die für Bauland im Außenbereich zur Verfügung steht, wird so von vornherein begrenzt.

Durch den vermehrten Flächenverbrauch werden vor allem unsere Böden aufgrund der Flächenversiegelung beeinträchtigt. Damit geht ihre Funktionsfähigkeit im Naturkreislauf verloren. Die Versiegelung beträgt nach Schätzungen des Statistischen Landesamtes ca. 235.882 ha, also rund die Hälfte der Siedlungs- und Verkehrsfläche. Damit sind bezogen auf die gesamte Landesfläche etwa 6,6 % versiegelt.
Aber auch auf der nicht versiegelten Fläche waren Beeinträchtigungen der Böden möglich, dies zeigen in leidvoller Weise die über 16.000 altlastenverdächtigen Flächen und Altlasten in Baden-Württemberg (Stand 2008). Das Entstehen von neuen Altlasten wird heute jedoch weitgehend durch die im Laufe der Jahre geänderten gesetzlichen Bestimmung verhindert.

Vor diesem Hintergrund muss der Umgang mit den begrenzten natürlichen Bodenreserven sehr bewusst und planvoll erfolgen. Der innerstädtischen Entwicklung muss Vorrang vor der Ausweisung neuer Baugebiete eingeräumt werden (Innen- vor Außenentwicklung). Die Förderpolitik des Landes unterstützt dabei die Gemeinden bei der Stärkung und Weiterentwicklung des Innenbereich.

 

 

Bodenverbrauch durch Flächeninanspruchnahme

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Flächen (wieder-)gewinnen

 
Bild: Flächennutzung im Innenstadtbereich
Flächen gewinnen im Innenstadtbereich
(© Autor: UVM)

Die gezielte Nutzung von Brachen im innerstädtischen Bereich vermeidet die Ausweisung neuer Baugebiete im Aussenbereich.

 


Literatur (Auswahl):

 

Besecke, Anja / Hänsch, Robert / Pinetzki, Michael (Hrsg.) (2005): Das Flächensparbuch – Diskussion zu Flächenverbrauch und lokalem Bodenbewusstsein, 220 S.
ISBN 3-7983-1994-4

Preis EUR 15,-

 
Bild: Wohnbebauung Freiburg
Konversionsmaßnahme Quartier Vauban, Freiburg i.Br.
(© LUBW, Autor: Stadt Freiburg)

Konversionsmaßnahme im Quartier Vauban (ehem. französische Kaserne) in der Stadt Freiburg/i.Br. Die gezielte Ausweisung von innerstädtischen Wohngebieten mit erhöhter Lebensqualität trägt maßgeblich dazu bei, das Wohn- und Arbeitsumfeld zu verbessern, um dadurch Einwohner in der Stadt zu halten bzw. für die Stadt zurück zu gewinnen. Der Stadtteil Vauban gilt auch als Vorzeigeprojekt für klimafreundliches Wohnen.

 

 
Bild: Neubaugebiet Hammer - Bruchsal
Neubaugebiet Hammer in Bruchsal
(© Autor: Stadt Bruchsal)

Neubaugebiet "Hammer" in Bruchsal  (Ldkr. Karlsruhe) im Jahr 2002. Als Reaktion auf die gestiegenen Wohnflächenansprüche im Einfamilienhausbau wurden die einzelnen Hauseinheiten durch Aufsetzen eines Dachgeschosses nachträglich erweitert.

 

Bei den Anstrengungen zur Verringerung des Flächenverbrauchs nimmt Baden-Württemberg unter den Flächenstaaten eine bundesweit anerkannte Vorreiterrolle ein. Auf Landesebene wurde hierzu im Oktober 2004 das Aktionsbündnis "Flächen gewinnen in Baden-Württemberg" ins Leben gerufen. In das Bündnis sind mit den kommunalen Spitzenverbänden, Naturschutz- und Umweltverbänden, Verbänden aus der Wirtschaft, den Regionalverbänden und der Deutschen Bahn die wesentlichen an einer Umsetzung beteiligten Organisationen und Multiplikatoren eingebunden. Dies dokumentiert, dass der erforderliche breite Konsens für das Ziel, den Flächenverbrauch deutlich zu reduzieren, erreicht werden konnte. Eine landesweite Öffentlichkeitsarbeit mit einer Ausstellung zur Flächeninanspruchnahme, Informationsbroschüren und Tagungen unterstützt die Arbeit des Bündnisses.

Bereits mit seinem Namen "Flächen gewinnen" macht das Aktionsbündnis deutlich, dass es um Alternativen zu immer neuem Flächenverbrauch auf der "grünen Wiese" geht. Echte Flächengewinne sind nur im Bestand zu erzielen. Es gilt, zukünftige Investitionen in Gebäude konsequent auf bestehende Siedlungsflächen zu lenken (Innenentwicklung) - eine große Herausforderung, da bei Entwicklungen im Bestand die planerische Komplexität wegen der Vielzahl der Randbedingungen und beteiligten Partner in der Regel deutlich größer, der realisierbare Bodenwertgewinn für den privaten Eigentümer hingegen deutlich geringer als auf der „grünen Wiese“ ausfällt.

Innenentwicklung

Insbesondere die Kommunen können die Innenentwicklung durch eine Vielzahl von eigenen Maßnahmen unterstützen. Dazu gehören zum Einen planerische Initiativen, die von bescheidenenen Einzelmaßnahmen wie dem Schließen von Baulücken bis zu großflächigem Flächenrecycling z.B. durch Konversion früherer Militär- oder Bahnflächen oder der Wiedernutzung / Neubebauung von Gewerbebrachen gehen können. Häufig können Innenentwicklungspotenziale erst nach der Beseitigung verschiedener Hindernisse (fehlendes Baurecht, ungeeignete Grundstückszuschnitte, schlechte Erschließung, Altlasten) neu genutzt werden.
Zum Anderen kann die Innenentwicklung durch eine gezielte Attraktivitätssteigerung des Umfelds unterstützt werden, was so unterschiedliche Maßnahmen wie z.B. die Unterstützung privater Eigentümer bei der Gebäudesanierung, die Aufwertung öffentlicher Grünflächen und sonstiger öffentlicher Aufenthaltsbereiche oder auch die Verbesserung der Erreichbarkeit durch den Ausbau des ÖPNV einschließen kann.

Voraussetzung für eine abgestimmte Strategie zur Förderung der Innenentwicklung ist in der Regel eine systematischen Erfassung der Potenziale (Baulücken, Brachen und untergenutzte Flächen) sowie eine räumliche Schwerpunktsetzung gemäß der Umsetzungschancen. Innenentwicklung trägt dazu bei, vorhandene Infrastrukturen optimal auszulasten, Folgekosten für die Unterhaltung der mit der Siedlungsfläche wachsenden Infrastruktur (bei zukünftig stagnierender Bevölkerungsentwicklung) zu minimieren und wertvolle Freiflächen und Böden im Außenbereich zu schonen.