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NSG Streuobstwiesen Kleingemünd
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NSG Streuobstwiesen Kleingemünd
Wiesenumbruch durch Wildschweine
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Bild: NSG Streuobstwiesen Kleingemünd
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Großflächiger Wiesenumbruch im Vordergrund verursacht durch Wildschweine.

NSG Streuobstwiesen Kleingemünd:
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Übersicht

NSG Streuobstwiesen Kleingemünd

 

Naturschutzgebiet Streuobstwiesen Kleingemünd (Rhein-Neckar-Kreis)

 
Bild: NSG Streuobstwiesen Kleingemünd
Naturschutzgebiet Streuobstwiesen Kleingemünd (Rhein-Neckar-Kreis)
(© LUBW, Autor: M. Linnenbach)

Das Naturschutzgebiet "Streuobstwiesen Kleingemünd" im Odenwald ist neben dem NSG Elsenzaue-Hollmuthang, dem NSG Sotten und dem NSG Felsenberg bereits das 4. Naturschutzgebiet auf der Gemarkung Neckargemünd. Landschaftsprägend ist vor allem der Streuobstbestand mit einer Ausdehnung von 10 ha oberhalb der B 37. Unmittelbar gegenüber, am anderen Neckarufer, erhebt sich der dicht bewaldete Jagdberg (Aufn. Sept. 2013).

 
Bild: NSG, Streuobstwiesen Kleingemünd, Obst
Reife Äpfel (Aufn. Sept. 2013)
(© LUBW, Autor: M. Linnenbach)

Bis Anfang des 20. Jahrhunderts war es üblich, Äpfel im eigenen Garten oder auf dem "Äckerle" anzubauen. Mit Beginn des Industriezeitalters wanderten viele Menschen in die Großstädte ab. Die kleinbäuerliche Selbstversorgung aus dem heimischen Obstgarten ging zurück. Zunehmend entwickelte sich der erwerbsmäßige Anbau in Plantagen. Heute kommt jeder dritte deutsche Apfel aus Baden-Württemberg.

 
Blaumeise (Parus caeruleus), Gesang
(© LUBW)

Exakt 16,7 ha groß ist das neue, im September 2013 ausgewiesene, Naturschutzgebiet Streuobstwiesen Kleingemünd. Neben dem NSG Elsenzaue-Hollmuthang, dem NSG Sotten und dem NSG Felsenberg ist es bereits das 4. Naturschutzgebiet auf der Gemarkung der Stadt Neckargemünd. Die attraktiven, neckarnahen Flächen liegen eingebettet im Sandstein-Odenwald, im Landschaftsschutzgebiet Neckartal I - Kleiner Odenwald (s. Karte). Wie bei den anderen Schutzgebieten, wurde auch hier das Relief der Landschaft vom Urneckar geprägt. So fußt das heutige Streuobstwiesengelände auf einem ehemaligen Gleithang des Neckars, als dieser noch in Höhe des Felsenbergs nach links in Richtung Wiesenbach abbog und die bekannte Neckarschleife zwischen Mauer und Bammental schuf.

Die Böden um Kleingemünd sind aus nacheiszeitlich abgelagertem Löss entstandene Parabraunerden, deren landwirtschaftliche Nutzbarkeit allerdings durch Staunässe und reduzierte Bodenluft-Verhältnisse (sog. Pseudo-Vergleyung) eingeschränkt ist. Am nördlichen Gebietsrand, entlang der Landesgrenze, bedeckt bewirtschafteter Wald die ansonsten von Grünland eingenommenen Flächen. Magerwiesen sind auf etwa 1,6 ha vor allem im nördlichen sowie zerstreut in der Mitte des Schutzgebiets anzutreffen. Auch eine Trockenmauer aus Buntsandstein verläuft am nördlichen Gebietsrand. Das etwa 0,5 m bis 1 m hohe und etwa 100 m lange südwest-exponierte Bauwerk ist stellenweise in mehreren kurzen Abschnitten eingestürzt.

Landschaftsprägend ist der kleinbäuerlich angelegte Streuobstbestand mit einer Ausdehnung von 10 ha oberhalb der B 37. Die teilweise sehr alten Bäume in südexponierter Hanglage verfügen über ein abwechslungsreiches Angebot an Hohlräumen, Spalten und Rissen in ihren morschen Stämmen und Astgabeln. Baumhöhlen besitzen eine Schlüsselposition für eine Vielzahl von Lebewesen. Höhlenbrütenden Vogelarten z. B. Blaumeisen bieten sie eine trockene Unterkunft, Fledermäusen einen Schlaf- und Überwinterungsplatz, Insekten eine Nahrungs- und Entwicklungsquelle. Selbst Pilze nutzen die Hohlräume häufig als Eintrittspforte in das Bauminnere. Die Summe des belebten und unbelebten Inventars machen den besonderen Charakter dieses Schutzgebiets aus.

Die Liste der schützenswerten Arten führt der vom Aussterben bedrohte Körnerbockkäfer (Aegosoma scabricorne) an. Aber auch weitere holzbewohnende (sog. xylobionte) Käferarten leben hier, wie Balkenschröter, Trauer-Rosenkäfer, Rosthaarbock und Weberbock. Die amtliche Artenliste der Naturschutzverwaltung weist das Gebiet als landesweit bedeutend für den Schutz xylobionter Käfer aus. Insgesamt finden sich 22 Arten im Gebiet, davon sind 14 geschützt. Rund 100 Individuen der stark gefährdeten Sumpfschrecke, einer Heuschreckenart, wurden erfasst. Auch 17 Tagfalterarten wurden nachgewiesen, darunter auch der Kleine Feuerfalter (Lycaena phlaeas).

Aber nicht nur der seltenen Insekten wegen sind die Flächen schützenswert. Bereits 2007 konnten 30 Brutvogelarten nachgewiesen werden, die wohl allesamt noch heimisch sind. Darunter der stark gefährdete Wendehals. Sein geschätzter Brutbestand in Baden-Württemberg beläuft sich auf ca. 4.000 bis 6.000. Weitere wichtige Arten sind Goldammer, Gartenrotschwanz, Grauschnäpper, Buntspecht und die als Nahrungsgäste auftretenden Arten Neuntöter, Mittelspecht und Grünspecht. Das Vorkommen von neun Fledermausarten weist das Gebiet ebenfalls als wichtiges Habitat aus. Als gefährdet gelten Kleiner Abendsegler, Großes Mausohr (FFH-Art) und Breitflügel-Fledermaus.

Für den Erhalt der kleinteiligen Wiesenlandschaft ist die Beibehaltung der extensiven, ein- bis zweischürigen Mahd durch ortsansässige Landwirte zu sichern. Baumpatenschaften, Aktionen zur Apfelernte sowie die Gewinnung von Obstsaft könnten den ökologischen Wert der Streuobstwiesen langfristig aufrecht erhalten und dabei helfen, diesen wertvollen Lebensraum im Neckartal-Odenwald für die Nachwelt zu bewahren.

Probleme bereiten seit einiger Zeit Wildschweine (Sus scrofa). Insbesondere im Spätjahr, wenn großflächig nicht geerntetes Fallobst den Boden bedeckt, verursachen die Wildtiere einen Umbruch der Wiesen. Die Anzahl der Wildschweine, die aus den angrenzenden südhessischen Wäldern vorwiegend in der Nacht in das Schutzgebiet vordringen, ist schwer abschätzbar. Aufgrund der massiven Bodenveränderungen handelt sich wohl um mehrere Familienverbände (s. Pressemitteilung RNZ v. 22.02.2014). Dies könnte mittelfristig zu Problemen führen - auch mit den Menschen vor Ort.