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Römischer Gutshof bei Hirschberg-Großsachsen
Anbau aus dem 3. Jahrhundert
(Element 1 von 7: Bild)
Bild: Villa rustica, Großsachsen (Rhein-Neckar-Kreis)
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Erweiterungsbau aus dem 3. Jh. n. Chr. im Westen der Anlage. Im Gegensatz zu den bereits bestehenden Gebäuden aus Buntsandstein, wurde für den Anbau überwiegend Quarzporphyr (Rotliegendes) von der Bergstraße verwendet.

Römischer Gutshof bei Hirschberg-Großsachsen:
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Römischer Gutshof bei Hirschberg-Großsachsen

 

Villa rustica bei Hirschberg-Großsachsen (Rhein-Neckar-Kreis)

 
Bild: Villa rustica, Hirschberg-Großsachsen
Villa rustica bei Hirschberg-Großsachsen (Rhein-Neckar-Kreis)
(© LUBW, Autor: M. Linnenbach)

Römischer Gutshof bei Hirschberg-Großsachsen erbaut um 100 n. Chr. an der Bergstraße. Unter römischer Herrschaft führte hier eine Heerstraße (via militaris) von Ladenburg ausgehend über das Gebiet von Großsachsen bis zum Main. Von der einstigen Römerstraße bei Großsachsen ist aufgrund der intensiven, landwirtschaftlichen Bodenbearbeitung an der Bergstraße fast nichts erhalten (Aufn. August 2013).

 

 

 
Bild: Villa rustica, Großsachsen (Rhein-Neckar-Kreis)
Grundmauern des Hauptgebäudes, Blickrichtung Nordwest
(© M. Linnenbach)
 
Bild: Villa rustica, Großsachsen
Infotafeln erläutern das Bodendenkmal
(© LUBW, Autor: M. Linnenbach)

Die Gemeinde Hirschberg erstreckt sich von der Oberrheinebene über die lössbedeckte Bergstraßenlandschaft bis in den Grundgebirgsodenwald. Die tiefer liegenden Flächen im Nordwesten (Carl-Benz-Straße) fußen auf einer ehemaligen Schleife des Bergstraßen-Neckars, die zur Zeit der römischen Besiedelung noch existierte. Im Schwemmfächer des heutigen Apfelbachs, auf dem ehemaligen Gewann Maueräcker", heute "Alter Weg", werden in den 1950er Jahren römerzeitliche Siedlungsreste entdeckt. Schon immer galten die "Maueräcker" bei den Landwirten in Großsachsen als schwierig zu bearbeitende Flächen, kamen doch immer wieder beim Pflügen Steinblöcke, Ziegel und Keramikscherben zutage. Über viele Jahre waren die Äcker am "Alten Weg" regelrecht ohne größere Beachtung von den römischen Hinterlassenschaften übersät, sodass man den Eindruck gewinnen konnte, die Fundstätte im Untergrund sei in ihrer Substanz schon weitgehend zerstört. Schutzmassnahmen der Denkmalbehörde waren aufgrund der bestehenden Eigentumsverhältnisse (Privatbesitz) nicht möglich. Um wenigstens das Ausmaß der Zerstörungen zu dokumentieren, entschloss sich das Landesdenkmalamt (damalige Außenstelle Karlsruhe) 1983 zu Probebohrungen. Die Suche ergab, dass es sich bei den Überresten vermutlich um einen römischen Gutshof mit ungewöhnlichen Ausmaßen handelt.

Im März 1984 begann die systematische Ausgrabung. Zunächst vereinbarte das Denkmalamt mit dem Grundstückseigentümer, dass nach Abschluss der archäologischen Arbeiten das Ackergelände wieder in seinen ursprünglichen Zustand zurückversetzt werden soll. Darüber hinaus erfolgten finanzielle Entschädigungen für den Ernteausfall (Tabak). Bereits nach wenigen Grabungswochen zeigte sich, dass sich im Boden ein gut erhaltenes, römisches Bad befand. Das Gebäude war insgesamt 27 m lang und 16 m breit. Zwei übereinanderliegende, mit Resten einer Fußbodenheizung versehene Estrichböden zeigten an, dass das Bad in mehreren Bauphasen entstanden ist. Etwa 10 m weiter nördlich stieß man auf das Hauptgebäude, von dem 1983 bereits ein südöstlicher Raumabschluß aufgefunden werden konnte. Die Außenfront des anstehenden Mauerwerks war sorgfältig verputzt und mit roter Farbe übermalt. Ein nahezu 3 x 3 m großer Raum besaß noch Reste einer Fußbodenheizung. Aufgrund der umfangreichen Funde wurden nun Möglichkeiten einer Erhaltung, die im Rahmen eines gerade laufenden Flurbereinigungsverfahrens mittels vorhandener Austauschflächen offensichtlich gegeben waren, geprüft. Es gelang zumindest im planerischen Bereich, Ausweichflächen für den Grundstückseigentümer zu benennen. Damit war die Möglichkeit für den Schutz des römischen Denkmals grundsätzlich gegeben.

Die wissenschaftliche Bedeutung der 1984 bis 1987 freigelegten Villa rustica steht heute außer Frage. Das inzwischen geschütze Bodendenkmal beeindruckt nicht nur durch seine Ausmaße, die nach den Verfärbungsspuren der Umfassungsmauern im Gelände ein Areal von fast 9 ha einnehmen sondern auch anhand der zahlreichen Detailfunde wie Münzen, Fibeln, Haarnadeln, Ringe, Spielsteine und Würfeln. Während das Badehaus aus verfahrenstechnischen Gründen abgebrochen und vollständig beseitigt werden mußte, konnte die Denkmalbehörde das Hauptgebäude mit seinem vorgelagertem Wasserbecken der Nachwelt erhalten und mit Unterstützung der Gemeinde Hirschberg der Öffentlichkeit zugänglich machen. Mehrere Schautafeln vorort informieren den Besucher ausführlich über Entstehung und Geschichte dieser einmaligen Fundstätte an der Bergstraße.


weiterführende Literatur:

Andrea Hagendorn (1999): Die Villa rustica von Großsachsen, Gem. Hirschberg, Rhein-Neckar-Kreis.
Materialhefte zur Archäologie in Baden-Württemberg H.45. Ein römischer Gutshof im Spiegel seiner zentralen Gebäude, 245 S. m. 79 Abb., 68 Taf., Beil.: 1 Übers.-Pln. 30 cm, K. Theiss-Verlag.