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Limberg am Kaiserstuhl
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Limberg bei Sasbach
Limburgitgestein vom Limberg
(Element 1 von 5: Bild)
Bild: Limburgit
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Limburgit aus dem Steinbruch I am Limberg. Zahlreiche graue bis schwarze Augiteinsprenglinge durchsetzen eine rotbraun gefärbte Grundmasse vulkanischen Ursprungs.

Limberg am Kaiserstuhl:
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Übersicht

Limberg am Kaiserstuhl

 

Der Limberg am Kaiserstuhl (Ldkr. Emmendingen)

 
Bild: Steinbruch VII am Limberg (Ldkr. Emmendingen)
Steinbruch am Limberg bei Sasbach
(© LUBW, Autor: K. Rasbach)

Westlicher Teil des Steinbruches VII am Limberg. In der Bildmitte, großenteils von abgestürztem Mergel und Löss verdeckt, der Limburgit-Lavastrom L 2; darüber gelbliche Kalksandsteine und Mergel des mittleren Miozäns. lm linken oberen Teil der Bruchwand ist der Lavastrom L 3 aufgeschlossen. Das Gestein erscheint durch Kalkausscheidungen in seinen höheren Partien hell. Ganz rechts oben steht Löss an. An der Oberkante der Steinbruchwand sind noch Mauerreste eines frühmittelalterlichen Rundturms der Limburg erkennbar.

 
Bild: Steinbruch am Limberg
Aufgelassener Steinbruch am Limberg (Ldkr. Emmendingen)
(© LGRB, LUBW, Autor: T. Huth)

Der aufgeschlossene Steinbruch (hier: Steinbruch VII) am Limberg zeigt einen Lavastrom aus Alkalifeldspatnephelinit, der in mehrere große Blöcke aufgelöst ist, was auf eine beginnende Erstarrung bei noch andauernder Bewegung hinweist. Er wird stellenweise, v.a. in den höheren Bereichen, von leuchtend weißen Kalkausscheidungen in Klüften und als Überzüge (Tapeten) über- und durchzogen.

Unter dem Lavastrom treten miozäne Sedimente (Kalksandsteine und Mergel) im Wechsel mit Tuffen und Tuffiten (= verschwemmte Tuffe) in weißen, rosa, gelben und orangenen Farben auf. In den Tuffen und Tuffiten finden sich Phonolithbruchstückchen sowie Gneise aus dem Grundgebirge. Der eindrucksvolle Aufschluss befindet sich im Naturschutzgebiet Limberg auf der Gemarkung von Sasbach (Ldkr. Emmendingen).

 
Bild: Limberg bei Sasbach, Historische Rheinkarte
Sasbach und benachbarter Limberg am Rhein (Historische Rheinstromkarte 1852)
(© GLA Karlsruhe)

Das Fischerdorf Sasbach a. Rh. im Jahr 1852, noch vor der Rheinkorrektion. Auf der historischen Karte wird der Limberg als Limburg - benannt nach der gleichnamigen Burganlage - angesprochen.

Seit über 160 Jahren sind die Gesteine am Limberg bei Sasbach am Kaiserstuhl Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen. Ohne Zweifel sind es die günstigen geografischen und topografischen Verhältnisse am Kaiserstuhl, die mehr als andernorts tiefe Einblicke in den Aufbau eines Vulkans ermöglichen. Vor allem seit der Zeit der Tulla 'schen Rheinkorrektion (1817 bis 1880) wurde das Gestein, der sog. Limburgit, am Limberg in sieben Steinbrüchen u.a. für den Bau von festen Dämmen und Uferanlagen zwischen Jechtingen und Sasbach abgebaut. Dies war für die Durchführung der Rheinregulierung und für den Transport der Steine günstig, da das ehemalige Fischerdorf Sasbach damals noch unmittelbar am Rhein lag (s. Abb. Historische Rheinstromkarte, Blatt Burkheim, 1852). Inzwischen sind die Steinbrüche längst stillgelegt und verfallen mehr und mehr. Trotzdem bieten sie dem naturkundlich und geologisch interessierten Besucher immer noch interessante Einblicke in die anstehenden vulkanischen Gesteinsformationen, die im weiten Umkreis der Oberrheinebene nicht in dieser Form auftreten.

Der bereits erwähnte Limburgit ist eine von dem bekannten Petrographen H. Rosenbusch im Jahre 1870 beschriebene besondere Form der Lava. Sie tritt hier in Gestalt mehrerer Lavaströme auf, die sich in ihrer Zusammensetzung sowohl morphologisch als auch mineralogisch unterscheiden. Daraus lässt sich folgern, dass sich am Kaiserstuhl zeitversetzt mehrere Vulkanausbrüche ereignet haben. Die Epoche der vulkanischen Aktivität liegt hier schätzungsweise 15 Mio. Jahre zurück (Jungtertiär).

Auch das Aussehen der aufgeschlossenen Gesteinsoberflächen am Limberg ist sehr unterschiedlich. Während im Süden (hier: Steinbruch VII) das Gestein in massiven, von Spalten und Rissen durchzogenen Wänden ansteht, löst es sich im Nordwesten, z. B. gegenüber der Rheinbrücke, in dezimeter- bis metergroße Blöcke auf. Diese Erscheinung deutet an, dass der Steinbruch sich nahe der Stirn oder Flanke des ehemaligen Lavastromes befindet. Die bis dahin sich als zäher, glühender Schmelzfluß bewegende Lava erstarrte an ihrer Oberfläche; die verfestigten Anteile wurden aber immer wieder durch die vom Inneren her nachdrängenden Massen aufgerissen und in Blöcke zerlegt. Ein solches Verhalten ist auch an Lavaströmen noch heute tätiger Vulkane zu beobachten.

Nicht vulkanischen Ursprungs sind die Sedimentgesteine des Miozäns, die in den Steinbrüchen V, VI u. VII ebenfalls anstehen. Hierbei handelt es sich um Ablagerungen eines ehemaligen Flusses, der etwa aus Richtung Lahr-Emmendingen kommend, am Limberg eine seeartige Erweiterung bildete, in der sowohl Mergel als auch kalkige Sande abgesetzt wurden.

Seit 1983 zählt der Vulkanhügel Limberg samt seiner Aufschlüsse zum Naturschutzgebiet Limberg. Ein wissenschaflicher Lehrpfad zeigt auf einer Wanderstrecke von 6,5 km anhand von über 100 Infotafeln die Besonderheiten von Geologie und Archäologie sowie von Flora und Fauna. Den besten Überblick von der Landschaft erhält man bei den Aussichtspunkten des Lehrpfads am "Breisgaublick" und am "Kaiserstuhlblick". Auch das Zollhäusle Sasbach ist ein idealer Ausgangspunkt für Ausflüge über den Limberg und auf dem Rhein. (s. weiterführende Links).